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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1884-01-01 · 15. Jahrgang Nᵒ 49. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
15 (1884)
Issue
15. Jahrgang Nᵒ 49.
Date
1884-01-01
Page
[Seite] (sequence 7)
Language
German
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— 879 — Die Wicderherau»gabc der ehemaligen hebräischen Wochenschrift •mn an. (An »blp" fehlt « nicht, aber an .DT", die sie halle». D. Red.) M»§«r». Der-Lrlatz de« prrubische» Kultusministerium» ,n» Ungarisch« übersetzt lautet: Da im Gesetze nur vo» Fcsicn und nicht vom Sabbath die Rede ist, jagen wir die jüdischen Schüler, welche sich de» Schreiben« am Sabbath »eigern. von der Schule — so sprechen und darnach handeln ttnr Reihe von Lehrern — und da« Ministerium verharrt ja olympischer Ruhe, unbewegt von Freud und Leid! — So wird un« au« B a j a berichtet: Auch am hiesigen achtklassigen talholischen Odergymnasium ist ein Ministerial.Erlab. wonach die ain Samstag da» Schreiben verweigernden Schüler jofi\rt zu entlassen sind, tatsächlich rffektuirt worden, ziaddinverweser Adler hier, in seinem zehnjährigen Knaben selber hiervon betroffen, hat um da» Einschreiten der ieracliiischen Landeskanzlei angrsncht. Wir wolle» sehe», wa» die aurrichte» wird. Aral«». Die Pole» haben den Gedanken, MiczkirwiczfS Leiche au» Pari» hierher zu übertragen, aufgegeben, weil der Sohn de» Dichter» erklärt hat, daß nach seine« Vater» Wunsche die Ucberrestr seiner Mutter mit denen ihre- Manne» vereint dtnben sollen — und die Polen dir von Juden abstammendr Frau Miczkiewicz nicht an einer Ehrrnstelle beisetzen wollen. Isloczy hat sich, nach dem .Wiener J»r", als Advokat hier niedergelassen und bei den jüdischen College» Scsuche gemacht!! Skart» HerrLeonce Lehmann. derDelegirte von Eonsuni,»e zum Eentralconsistorium. ist für diese» Jahr al» Mitglied de» Rathe» beim StaatSrath und beim Cassakion«- hose zugclaffrn. Herr Advokat Jame» Darmrsteter nimmt sottan den Lehrstuhl sür persische Sprache im College de Franoe rin. Herr Jacob Irene! ist Lehrer (II. Grade») am Lycrvm von Besoul geworden. Bei der internationalen Schulausstellung in London bat die schule BischoffSheim ein Ehrendiplom erferlten. Bei dem Eoncur» der im dritten Studienjahre stehende» Studenten aller Fakultäten de» StaatSrathe» ist der zweite Preis Herrn Schneider von Lyon zu Iheil geworden. — Herr Med Milhaud ist zum Vorsitzenden de» Handelsgericht» in Perpiguan ivicdergewählt worden. Die Angriffe der Heilung.L'Erlaireur" gegen den.Menschen" und dir .Rare" Inden nur die Wirkung gehabt, daß sich mehr Stimmen al» trüher aus ihn vereinigten. 3tat». In der Jahressitzung der Akademie der Inichriste» und schünen Künste ist ein Preis Herrn Adolf Reudiuer von der Bodlrjana in Oxford zuerkannt worden. — Fould. ehemaliger Notar, ist gestorben. Er war den meisten grafe» Familien der Gemeinde verivandt und verschwägert. — Die Budgrtcommission hat eine Abordnung de» Eentralconsiiivrium» wegen der Abstriche im Etat veriionimen und >br Gesuch um Wiederherstellung der Bewilligungen entgegengmominen. Die Abordnung bestand au» den Grandsrabbin» äsidor und Sah», sowie Alphon» von Rothschild. Leo Leh- »an». Masse und dem Präsidenten de» zEaffationShose» Aebarride». Au» Miltis«tze»t (Rumänien) sind die Juden, obscho» die christl. Mitbürger Fürsprache für sie einlegten, obschon bie Gcgenpetitionen und Beschwerden noch nicht erledigt waren, bei Rächt und Rebel auf Wagen gesetzt und au» der «tadl geführt worden. Au» Hl«hka»d. In Szuserkow starb am 3. Oktober «in Herr Schletter (RichtiSraelit). der kurz vor seinem Tode aageordiiet hatte, dem Rabbiner 5,00 Rubel zur Bertheilung an die jüdischen Stadtarmcn zu überweisen. Bei seiner Bergung muhte der Leichenzug an der Synagoge vorbei, daselbst wurde Halt gemacht, und der Rabbiner hielt dem «bleu Wohlthäter eine ergreifende Trauerrede. Skrterslmk«, 28. November. Anläßlich de» sünfundiwanzigjährjgen Bestehen» de« hiesigen Bankhauses Günzburg ist der Ehef der Firma, Baron Günzburg. zum Wirklichen StaatSrath ernannt worden. Veter»I«r>. Der Sitzung de« Verein« zur Verbreitung vo» Bildung in Israel am 4. d. M. hat Herr Leon Rosenthal den Antrag vorgelrgt. eine besondere Abtheilung zur Verbreitung der hl. Sprache und ihrer Litteratur zu bilden und eine Eommission zu envählen, welche die Werke bestimmen soll, »oelche edirt werden sollen. Die Kosten will er selbst bestreiten und zwar mit 508 Rubel, um die Ab- «heilung in» Leben zu rufen. Der Antrag ist angenommen morden. E« sollen kleine billige Bücher gedruckt werden, dir nicht niehr verschenkt, aber auch nicht durch Buchhändler verbreitet werden, sondern von Mitgliedern bezogen werden sollen. Ale». Der „Kirblanin" schildert mit Wollust, wie die Polizei hier Razzia'« anstellt, um die Juden zu packen, welche ohne Berechtigung sich dort aufhalten, und wie in einer Nacht 8 Herbergen entdeckt wurden, voll von Kranken, »velche dorthin gekommen waren, um ärztliche Hilfe zu suchen — und wie alle diese erbarmungslos auSgewiesen worden sind! In Matt« gährt c« wieder stark gegen die Juden, weil Einzelne städtisches Land zu hohen Preisen gepachtet haben, um dort Tabakbau zu versuchen (die Pflanzungen sind verwüstet worden) und weil viele Juden als Tagelöhner auf den Feldern arbeiten! (Gehen wir müfsig, schreit man, arbeiten wir. heult manu. wrnn'S beliebt, keilt man'»!) In Aodima hat ein Jude es bewirkt, daß der Gutsbesitzer in seiner Tabakpflanzung fast 380 jüd. Arbeiter mit einem Tagelohn von 88 Kopeken beschäftigt. ZVarscha« Da« isr. Krankenhaus, welches bisher unter der Leitung de« allgemeine» WohlthätigkeitScomit«» stand, soll fortan von der isr. Gemeinde verwaltet werden, denn den Zuschuß von 8000 Rubel» jährlich hat der Staat schon seit langer Zeit nicht mehr gewährt. (Der Jude wird eben immer mehr al» Fremder betrachtet, dessen Steuern und Gaben man gnädig annimmt, der aber Alles, auch Schulen und Hospitäler, für sich selbst au« eigenen Mitteln zu erhalte» hat.) Aantlantlmopek Den Bildungsgang de« Leibarztes de» Sultan« Elia Pascha schildert „Jwri" folgendermaßen: Al» Kind besuchte er die Talmud-Thoraschulr hier, nachher ward er Schüler der Allianzschule. Mit 10 Jahren fing er schon an Medicin zu lerne». Drei Jahre später praktizirte er schon al» Augenarzt, wurde sodann vo» der Regierung nach Europa geschickt, um sich zu vervollkommnen. Dann wurde er Leibarzt. Au» wird drin „Hameliz" da» Unglaubliche gemeldet, daß der Schulinspektor Josper den jüdischen Kindern nicht gestattet, an Sabbath und Festtagen, selb,» am Jomkippur, dir Schule zu versäumen. Die Intervention de« Rabbiner« Or. Braun habe nicht« betvirkt. Wo bleibt da»: Wir lebe« in rinem freien Lande!? V«»-?f»rt. Hier ha» im Tempel der Emanuelgemeinde Rabb. vr. Gottheit bei der Montcfiorcfeirr den berühmten christlichen Prediger Henry Ward Brecher, der vo» Bcookly« herübergekommen war. der Gemeinde vorgesührt — und der berühmte Prediger hielt die Festpredigt. Den> un» sreundlich übersandteii und liebevoll abgefaßten 16. Jahresbericht de« Waisenhauses i» grmf««fc entnehmen wir die erfreuliche Thatsache, daß 300 jüdische Waisenkinder nicht nur eine Zufluchtsstätte, sondern ein wahre« Heim in dem Waisenferuse finden. »So ist unser Asyl", lesen wir im Berichte de» Präsidenten A. Wiener (S. 8). «nicht der kalte Schuyplatz. den die Welt Mitleid nennt, sondern die Hrimatlj-stätte der Wärme, der Znnrigung, de« Sonnenschein», der Liebe, ein großer Haushalt, wo 300 junge Herzen sich innig freuen, und 300 Waisenkinder unter göttluhem Segen ein Heim finden."—(Bon selbst drängt sich uu», die traurige Frage auf. wo ein ähnliche» Waisenhaus in Europa zu finden ist. Werden die Reichsfechtschulen da» Ziel erreichen? Wird e« den jüd. Waisen ermöglicht iverden. darin ihrem Ritu« gemäß zu leben?)

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