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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1884-01-01 · 15. Jahrgang Nᵒ 38. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
15 (1884)
Issue
15. Jahrgang Nᵒ 38.
Date
1884-01-01
Page
[Seite] (sequence 7)
Language
German
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— LV5 — W,„n>, in Rußland und Rumänien — dasind unsere k»crzea«kader! Nur Wenigen kann Hilfe gebracht werden, ysmctir Dank verdienen Diejenigen, welche es vermögen, En, Blick durch die große Fluch de« Elend« nicht verwirren und Eben zu lassen, sondern ihn fest und unentwegt auf einen Ezige» Punkt richten, die auf eine Stelle all' ihre Straft tcrntrirm, dort da« Bend bekämpfen und so mitten in dem Eslcn Körper gesund« Stellen schaffen, von denen au« mit Is Zeit die Krankheit ganz wird au»grtilgt werden können, b, wirkt in kleinem Kreise, und doch Große« verbreitend, der Ern„ zur Erziehung jüdischer Waisen in Palästina, besten ktz seit Januar 1883 von Berlin nach Frankfurt a. M. Lrtqt worden ist. Er besitzt hier in Jerusalem ein eigene« Um, da« unter dem Namen de« deutschen Reiche« rrnge» Lm ist. — E» ist also ein Stück deutschen Boden« im knrul. In der ersten Zeit ließen nur sephardische Kinder u, ausnehmen, jetzt bestcht fast die Hälfte der 13 Zöglinge m Aschkenasim und da« D e u t s che ist die im Hause und in U schule herrschende Sprache. Rach sephardischem Ritu« Urd alle Morgen gebetet (1—1'/« Stunde). Bon 7'/,—3'/, pt l'/i stunde Pause ist Unterricht, dann wird Mncha und laarim gebetet. Bon 4—6 Uhr wird Arabisch gelehrt. jx stunde Spielen, Abendbrod rc. 7'/, Uhr in'» Bett, vrcctor der Schule ist der für da« Judenthum begeisterte )r Herzberg. der in seinem Schulprogramm seine Be» Wgung für sein jetzige« Amt dokumcntirt hat, und der den jchrplan auch wirtlich den anormalen Berhältniffen angepaßt B». 3 Kinder lernen 's. Tag und arbeiten die andere Hälfte cho» als Lehrlinge bei je einem Tischler, Klempner und dhmicd. Daß auch Freihandzeichnen Unterricht«grgenstand ist, ct besonder« hervorgehoben. 1883 hat der Verein >8.268,93 Mk. eingenommen. Die laufenden Ausgaben berugen ca. 10.090 Mk. (Möge dieser Hinweis dem Verein echt viele Mitglieder und Spenden verschaffen. Red.) Penmschtr mrd nttufU Aachrichlr». I Magdeßvrß, 13. September. Während, wie die östrrr. vläiicr berichten, der Oberrabbiner vr. Kohul in Großoardrin, bei dem zu Ehren de« daselbst anwesenden Ministerpräsidenten TiSza eine begeisterte Lobrede auf denselben dirlt. ihn al« de» »Mose« des ungarischen Liberalitmus" meric. erhielt, wie die Berliner Blätter melden, sein Bruder, «r Fruilleton-Redacteur der.BerlinerZeitung-, vr. Lohnt, einen Ausweisungsbefehl. Die .Magdeb. Zeitungschreibt darüber: Der von der schiveren Maßregel Betroffene ist geborener Oestrricher, jüdischer Religion; er hat seit vielen sahrcn in Berlin journalistisch gewirkt und wegen seine« thmilwften Eharakter« eine geachtete Stellung sich erworben. Leine streng liberale Richtung, die indeß bei seiner mehr schöngeistigen Thätigkeit nur relativ zum Ausdruck gekommen ist. kann die Ausweisung nicht bewirkt haben, e« wird also da» Moment, daß er A u »l ä n d e r ist, ausschlaggebend gewesen sr>» Ta Kohut mirsammt der hinter ihm sichenden Redaction b">uht sein wird, die Maßregel rückgängig zu machen, so darf ivohl bi« auf Weiteres angenommen werden, daß wegen drr viclen zu Gunsten Kohurs sprechenden Umstände die »u«wrisung»ordre einm Auffchub, wenn nicht eine vollständige Zurücknahme erfährt. Bon den liberalen Journalisten, die >ri>ht.Trutsche sind, wurde bjsher keiner polizeilich behelligt. Au« Werkt» berichtet die »Rowo Wrem>a-, daß einer »er Ausgcwiesenen. die sich an den ruff. Gesandtm gewendet dabrn, ein jüd. Bäckergeselle gewesen ist. Da da« Borgeben ** Polizei, er lebe vom Bettel, durch seinen Meister al« »mvahr »achgewiesrn wurde, ist der Au«weisung«befrhl zurückßkaommen worden. Auch 3 Aufenthaltsbewilligungen auf Zeit vurdrn auf Berwenden de«' Gesandten wieder angenommen. ein Vr. P. war von der ruff. Regierung selbst nach vnlm in bestimmter Mission geschickt worden! Die Ordre dabr nicht nur Juden getroffen! Daß solche in der Mehrzahl >w». nklärt sich darau«,daß alle Erwerblose verjagt worden sind. WerN», 11. September. Die Synagoge in der Heidereuteraasse feiert am diesjährigen Neujahr ihr 170jährige« Bestehen. Sie war die erste öffentliche Synagoge. Die Beit-Rieß'sche und Liepmann'sche Synagoge waren die ersten bedeutenden Privatsynagogen. In denselben gab es Tumulte dir bi« zu Faustschlägen au«arteten. Bom Eurfürst Friedrich Iv. wurde die Genehmigung einer öffentlichen Synagoge nachgrsucht. Die Genchmigung erfolgte im Jahre 1711. 1712 wurde der Grundstein gelegt. Am Sabbath vor Rosch-Haschauoh 1714 erfolgte bif Einweihung, zu welcher der König mit seinem ganzen Hause erschien. Die Festrede hielt Hirsches Benjamin Fränkel. Der Erbauer der Synagoge war Michael Krmneter au« RegenSburg. Küster sagt in seiner Berliner Ehronik von ihr al« Bauwerk: .Dieser Tempel wird für eine« von den allerschvnsten Schulgebäuden gehalten, so die Juden im ganzen römische» Reich haben, und sie soll an Schönheit der portugiesischen Synagoge in Amsterdam nicht« nachgeben. W««N». Bor einigen Tagen fand hier eine Versammlung der Sektionen de« deutschen Antisemiten-Bunde» statt. Der famose Pickenbach führte den Borsitz. E« wurde beschlosten: Gesetzliche« Vorgehen gegen die Alliance i«raälite und gegen die Talmudlehren. (Kindliches Vergnügen!) AäuigsAerg i. Wr. (Or.-Eorr.) Da« vielfach in Ihrem Blatte besprochene Bedürfniß. da» ja auch in den Beschlüssen der Berliner Rabbinervrrsammlung seinen Ausdruck fand, Lchrerfeminarien in den Provinzen Preußen«, die dieselben noch entbehren, in'« Leben« zu rufen, soll zunächst hier zur Realisirung gelangen. Der Herr Rabbiner vr. Feilchenfe l d hat sich mit einigen ihm in religiöser Gesinnung nahe» stehendem Rabbinern zur Verwirklichung diese« Plane« vereinigt. Da« Seminar soll auf dem Boden der strengen Orthodoxie stehen; ein andere« würde hier auch nicht gedeihen. Dasselbe soll da« Lehrerbedürfniß in den Provinzen Posen, Pommern, Ost- und Wrstprrußen decken. (Baden). E« dürfte sicherlich viele der gesch. Leser der.Wochenschr." die Mitthrilung au« dem Badischen Gemeinde- und Schulleben intrressiren. daß hier seit Mai d. I. an den sämmtlichen 4 höher» Unterrichtsanstalten, Gymnasium, Realgymnasium, höhere Bürgerschule und höhere Mädchenschule.^ iSrarl. Religionsunterricht ertheilt wird; der Unterricht ist obligatorisch und wa» charakteristisch für die Verhältniffe Baden« sein dürste, e« fand in der letzten Woche de« Juli auch eine öffentliche iSrael. Religivnsprüfuiig in einer der genannten Unterrichtsanstalten statt, unter Borsitz des Rabbiner« al« PrüfungScommiffar, dem Beisein de« badischen Oberraths, de« Direktors, mehrerer Lehrer und Lehrerinnen u. s. w. Mehr intern wurde dann auch bei zwei der hiesige» Lehrer-Seminaristen eine Prüfung in sämmtlichen Religionsunterrichts - Gegenständen abgenommen und haben die beiden Kandidaten die Prüfung bestandm. Arad. Zum Andenken an den Besuch, mit welchem der Kaiser ihre Fabrik beehrte, haben die Gebrüder Neumann Hierselbst 10,000 Gulden zu einer Stiftung bestimmt, von deren Zinsen alljährlich (am 31. Aug., dem Tage de« hohen Besuche«) die Hälfte an ö fleißige Gewerbeschüler, die andere Hälfte an beschädigte Fabrikarbeiter verthrilt werden soll. Die von Frau Carl Heine mit einem Kostenaufwand von 3 Millionen Frc«. gestiftete Apotheke, welche für arme Kranke (ohne Unterschied der Religion) unentgeltlich Medikamente verabfolgt ist unter entsprechender Feierlichkeit jüngst eröffnet und ihrem humanen Zwecke übergeben worden. Sie befindet sich in der Nähe de« von derselben Wohlthäterin errichteten Blindeninstitut«. In Ksrsder hat der Bezirk-Hauptmann einem jüdischen Buchhändler die nothwendig gewordene Erneuerung de« Patente« mit der Begründung versagt: Die Juden brauchten kine hebräische Bücher, sie könnten russisch beten. — Daist freilich selbst für Rußland etwa» stark und kann bei der Appellationsinstanz nicht durchdringen.

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