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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1884-01-01 · 15. Jahrgang Nᵒ 32. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
15 (1884)
Issue
15. Jahrgang Nᵒ 32.
Date
1884-01-01
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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irrthümlich auf 3. Mos 18,18 bezogen hätten. Durch eine Re«hr von Au«tufung«zeichen signalilirtt der Herr Professor in der Ureuzzeitung i>S. Juli) fein gelehrte» Kopffchütteln über den »Bock", den dir 11«! Rabbiner bei dieser (delegenheit geschossen haben sollen Der hierfür in Frage kommende Passu» der Erklärung der Rabbiner-Versammlung lautet: »Da» Gebot der Räch sie »liebe, welche» im . 3. Buch Mose», Eap 18, V. 18 mit den Worten: ..Und Tn sollst lieben Deinen Nächsten wie Dich selbst, ich bi» der Ewige!"" ver kündet, und vo» Hillel, dem großen Meister, al« der- Inbegriff der ganzen jüdischen Lehre bezeichnet wird, bezieht sich nicht allein' auf den Stamme»- und Glaubensgenossen, sandeln ist. . . eine uneingeschränkte alle Menschen umfassende Satzung". *) Diesen Satz cirirt der Pros. Strack in der Areuzzeitung <v. IS. Juli) mit dein Ausrufe: .Po» mehr al» sieben Dutzend Rabbinern also weiß keiner. daßHillel da» Gebot 3. Mos. 18,18 «irgend« fit de« „,,A«> ßegriff der g««se» jüdische« -5,ßrr"" erklär» hat. weiß keiner, daß der bezügliche Satz der Erklärung eine, noch dazu unvollständige und darum ungeschickte Entlehnung au« Jesu Worten Mark. 12. P. 28 ff. ist!" Denn, behauptet Herr Prof Strack kurz vorher, .einen Satz der Moral, nicht der religiösen Belehrung giebt Hillel". So sicher ist -Herr Pros. Strack seiner Sache, daß man ihm förmlich da» Behagen über seine talinudisch gelehrte Urberlegenheit nachempfindet, mit dem er den Lesern der Kreuzzeitung den von den 116 Rabbiner» .geschossenen Bock" vorsührt. Sollten nicht doch die II« Rabbiner ihrer Sache noch fidjercr gewesen sein al» Herr Prof. Strack? Zunächst ist der Sin», ni tvelchein jener in Frage koinmende Ausspruch von Hillel grthan wurde, und wir er ihn verstanden wissen ivollte. festzustellen Denn nicht wie Herr Prof. Strack diesen Satz cr,va auffassen will, ist hier die Frage, sondern tute er nach dem ganzen Zusauiinenhang« allein aufgesaß« werde» kau». Die Gelegenheit, bei »velcher Hillel diesen Ausspruch that, ist allgeiitkin bekannt. Sie wird fast in allen Anthologie» rabbiuischer Aussprüche erzählt und zivar meist mit Angabe der Quelle.**) und Herr Prof. Strack hat nunmehr auch den Lesern der Srcu.zzrilung den Fundort mitgethcilt, nämlich .Babylonischer Talmud Blatt 31» de» Iractatc» Sablmch". Er ist also, wie a. a. O. erzählt wird, ein Heide, der zum Judenthumr übertrete» will, sobald ihm Hillel, während er lder Heide) auf einem Fuße stelle, d. h. in der kürzesten Frist .die ganze Lehre" — ,-,^2 nnm S: — lehren föimt. Man beachic: nicht ei» System oder ein Grundprincip der Moral will der Heide von Hillel vernehme», sondern die ganze Thora, d. i. die jüdische Lehre im Inbegriff. Denn da» Wort .ganz" kann hier nicht in quantitativem Sinne verstanden werden, sondern — tonnt man de» logischen Gegensatz haben will — in begrifflichem, ideellem Sinne. Denn nur so konnte der Heide envarten, daß Hillel seinem Wunsche in der angegebenen Frist ivillsahren könne. Herr Prof. Strack indeß theilt in der Ureuzzeitung de» Sachverhalt nicht ganz correct mit. Er erzählt, der Heide .erklän sich bereit. Jude zu tverden, wen» Hillel ihm da« Erforderliche... lehren toollc". Nachdem nun auf diese Weise Herr Prof. Sirack da« eigentliche Berlangen de» Heiden in'« Allgemeine modificirt hat, konnte e» ihm auch nicht schwer werden, der Hillcl'schen Anlwort, die er zivar richtig *) Vorläufiger BcriLi übt» bic am 4. und ft. Juni 1881 in Berlin staNarsunbene Brriainmiung beuticher Rabbiner. herausgegeben vom Prlsibium brr Rabbiner. Beriainmtung. Berlin. 1844. In Commission bei Mayer unb Müller. **) Bergl. beispielsweise ben «nbang zur .«leine» Zehulunb HauSbidcl" von llr. Jacob Au-rbach, die bereit» in mehreren Auflage» «rsehienen unb sich in ben Hiinben von Tausenden jüdische» «naben unb Mädchen befindet. mittheilt, einen allgemeinen, dir jüdische Religionslehrc <\\ nicht betreffende« .Sin» »nterzulegen. Wie lauter aber Antwort Hillel»? .Was Dir unlieb ist, thue einem Ander, nicht! Da« istdieganze Thora!" n'rcntvn 'Ja ,> d. i.. modern und abstrakt ausgedrückk. die jüdische Lehr, im Inbegriff. .Alle» andere ist Eommrntar dazu. An gehe tun und lerne sie!" Hillel« Antwort so zu verstehen, wie Herr Prof. Siraä in der Lrruzzritung e» will, nämlich, d>tß sie bloß dir IV* theilung einer moralischen Maxime und keine Belehru,,, über da» Judenthum enthielte, ist nach allen Gesetze» da philologischen Interpretation ganz unmäglich Dir Antwon Hillel», wir Strack sie auffaßt, ivürdc ja in gar keiner Aeziehung zu der Frage resp. dem Verlange« de» Heide, sielten. Zivar hat die Auffassung de» Hillel'schen Satze«, al» ob er blo» eine moralische Anweisung gäbe, auch Hm Prof. Fr. Delitzsch in seiner lvreit« vor 18 Jahren erschienen«! Schrift .Jesu« und Hillel" «Erlangen >8««, vertreten gesucht, aber Delitzsch ist denn doch riu viel zu vorsichtiger Interpret, al« dag er etwa übersehen sollte, da» Hillel den hier in Frage steheude» Satz thatsächlich al» dc, I»t>egriff der ganzen jüdischen Lehre hingestellt hat. Aar glaubt er gegen da« Vorgehen Hillel» al« solche» Einipruch erheben zu müssen. Hillel sei dazu nach der Meinung Delitzich theologisch nicht berechtigt ge,oesen. E« ist hier nicht uusm Ausgabe, Hillel gegen Delitzsch zu vertheidigen. Wer I* Argumente Delitzsch' näher kenne» lernen will, kan» dieselbe, a. a. O- S. 18 ff Nachlesen. Den ivichtigste» Einwurs Delitzich' hat übrigen« auch Herr Prof. Strack in der .Voss. Zig' vom 26. Juli wiederholt. Dieser Eittwurf besteht nämlich darin, daß Hillel jene« Heiden zunächst auf die Eiiiliai Gotte« und da» Gebot der Goitesliebe zu verweise» gchasi hätte. Aber wie gesagt, ivir erachte» e« hier »ich« al« unsere Aufgabe. Hillel gegen diesen Vorwurf zu verthridigc» Bi« jetzt kam t* un« nur darauf an. Herrn Prof. Si.aä zu beweisen, daß Hillel seiuersrit« den hier in Frage steliendc, Satz ohne allen Ziveifel al» de» Inbegriff der jüdisch, Lehre hingestellt hat. Daß aber Hillel bei seiner eben mitgetheilte» Antwort an de» Heide» nur 3. Mos. 1». 18 »» Auge gehctbt hadci kan», bedürfte eigcutlich keine« besonderen Belaß». Wir sollte den» sonst Hillel sich berechtigt halten, zu sage». „Wa« Dir «»lieb ist. thue eine« Anderen nicht, da» lil die ganze Thora"? Davon ivar doch ei» oller Lchrn gewißweitentfernt, irgendeinepersünlichemoralisil» Maxime ob« jegliche Bezugnahme auf die hl. Schrift al» einen Inbegrisj der Thora hinzustellrn Aber Herr vr. May bäum ichl noch rin Uebrige«, indem er >» seiner Replik aus Herr, .Prof. Strack« Krcuzzciiuugs-Artikcl, dir zum't i» der ..Voß. Ztg." vom 2S. Juli erschien, auch eine» litterarischen Belq hierfür gab. In dem alten Ierusalcinischen Targum wir» nämlich 3. Mos. IS. 18 in wörtlicher Ucbereinstimmung aut dem Hillel scheu Ausspruche .Was Dir unlieb ist re." par* phrasirt. Hieraus ergiebt sich: 1. daß schon i» sehr altek Zeit 3. Mos. IS. 18 in jener negativen Fassung, welche d» Hillet'sche Antwort an den Heiden hat. erläutert wurde 2. daß diese Erläuterung eine sehr geläufige und bei!>n» liturgischen Gebrauch der Targumim d. h. bei der aramäische» Ueberseyuna. uiit toelcher die während de« Gottesdienste» wcgelesenen Abschnitte au» der Thora begleitete wurden, üblich war. Wen» nun Hillel 3. Mos. IS. 18 dem Heiden all „Inbegriff der jüdischen Lehre" bezeichnen ivollte, so foni* er ihm diese» Ber« nicht in dem dem Heiden unverständlich» Hebräisch, sonder» nur in dem als Umgairgrsprache iitft verbreitete« Aramäisch citiren, und er fügte auch die üblich und geläufige Erläuterung diese« Verse«, wie wir sie '■ Jerusalemischeu Targum ftnden, hinzu: .Wa« Dir »iiliedl ist u. s. w." Ist die« Beweis genug, daß Hillel in seiner Annvelt an de« Helden 3. Mos. 18,18 meinte, und ist dieser

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