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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1884-01-01 · 15. Jahrgang Nᵒ 28. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
15 (1884)
Issue
15. Jahrgang Nᵒ 28.
Date
1884-01-01
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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. / — 210 — gef'|e« erblick«, möge. — Run. da« war voa der Rabbiner. Versammlung durch diese Fassung nicht im Entfernteste« beabsichtigt. Bei jeder Gelegenheit konnte der unbefangene Beobachter, der nicht, wie der Referent de« „d*t«Ut", den elenden Beruf hat. Gift zu speien, die Wahrneymung machen, daß die deutschen Rabbiner, die jungen, wie die alten, ein Judenthum ohne sein Serrmonialgesetz sich nicht denken können, nicht denken wollen. Ein hochachtbarer jüdischer Gelehrter, der erst vor Kurzem von Oesterreich nach Berlin kam. konnte sich nicht enthalten, seiner freudigen Verwunderung darüber privaten «»«druck zu geben, daß die deutschen Rabbiner so konservativ, viel konservativer al« die in Oesterreich-Ungarn seien. — Aber warum sollen wir vorsichtiger sein, al» — Htllel? Oder ist diese besondere Vorsicht eine Eoncession an Dr. Lehmann, dem ein solcher Nachdruck auf da« Gebot der Nächstenliebe an der Spitze seine« Blatte«, da» in Haß und Verketzerung«sucht in den schnödesten Au«- drücken, in der empörendste» Rohheit sein Heil sucht, unmöglich erwünscht sein konnte? Wäre r« doch so, daß man im „orthodoxen" Lager einsähe, wie sehr der „Israelit" in seine,» ganzen Wesen eine Verhöhnung seine« Namen» ist' Die „orthodoxe" Erklärung hätte hier ruhig den hochherzigen, edlen Hillel citiren können, um so niehr, al» Hillel eine der höchsten Autoritäten de« Talmud ist. Wahrlich, nicht« characterisirt den niedern Stand unserer heutigen Orthodoxie so sehr, wie diese Berlcugung Hillel« gerade an dieser Stelle. Die zweite Abweichung von prinzipieller Bedeutung ist folgende. Die Rabbiner-Versammlung erklärt zum Schlüsse; „Wenn indessen in dem Jahrtausende umfassenden jüdischen Schriftthum hie und da Sätze sich vorfinden, welche diesen Grundprinzipien nicht entsprechen, so sind dieselben al« Meinungen Einzelner zu betrachten, oder sie sind durch den Druck der Zeiten hervorgerufen und haben keine verbindende Kraft". In dieser Hinsicht sagt die „orthodoxe" Erklärung: „Wenn dem gegenüber in dem ausgedehnten jüdischen Schriftthume entgegengesetzte interkonfessionelle Aussprüche sich vorfinde», so beziehen sich dieselben nur auf Heiden, welche gegen di« genannten Verbote verstoßen, nicht aber auf Angehörige eine« monotheistischen Bekenntnisse«". Die „orthodoxe" Erklärung behauptet hiermit zweierlei 1) Im ganzen jüdisch«, Schriftthum gäbe e« keine dem Gebote der Nächstenliebe entgegenstehenden Au«- sprüche, die sich auf Mitglieder eine« monotheistischen Bekenntnisse« beziehen; 2) dem Heiden gegenüber, welcher sich nicht zu den sieben noachidischen Geboten verpflichtet eracht«, gebiete da« Judenthum weder Nächstenliebe noch Gerechtigkeit. — Die erste Behauptung ist sehr kühn, und noch mehr al« kühn: gefährlich. Den Bewei«, daß sie der Wahrheit widerspricht, will ich nicht führen, weil — nun weil die« ein Schnitt in'« eigene Fleisch wäre, ich will ihn nicht führen, ich selber glaube und hoffe auch, daß er nicht gefüh« werden kann. Ich glaube und hoffe e«. Wie aber, wenn er doch gefüh« werden könnte? E« wäre ja mehr al« wunderbar, e« wäre übermenschlich, vielleicht gar uumenschljch, wenn in den fast zw« Jahrtausenden der Verfolgung durch Bekenner monotheistischer Religionen keine ungerechte Ansicht über die Stellung zu den Verfolgern der Feder irgend ein« Rabbi'« zweiten oder dritten Grade« entschlüpft wäre, wen, die etwa vortommenden Aeußerungen der Lieblosigkeit und Ungerechtigkeit, deren Vorhandensein ' ja die orthodox: Erklärung nicht in Abrede stellt, nicht gegen die unmittelbar drohenden, blutgierigen Mitglied« monotheistisch« Bekeii,». nisse, sondern gegen die unschädlichen, durch Hunderte von Jahren od« Meilen rntfnnten Gvtzendien«. Heiden gerichm wären. Unmöglich wäre d« Beivri» nicht, daß irgend ein« der vorkommenden Synonymen für „Akum", welch« ja ohne Zweifel und Widerrede die Initialen der Worte: vbck« koohftbim nmMaaloth bildet, daß eine« der Sy»o> nyme, wie: Min, Kuthi it. etwa die Ehristen der ersten Jahrhunderte, die ja sehr aggresiv waren, bezeichn«». wu ab«, wenn dieser B«vei« zu führen wäre? Wären wir dann zur Lieblosigkeit und Ungerechtigkeit gegen unsere christlichen Mitbürg« b«kchtigt oder gar verpflicht«? — Ich zweifle nicht, daß auch die Unterschreiber d« orthodoxen Erklärung die« mit einem entschiedenen „Rein" beantworten würden, »ach dem alten Grundsätze, daß einer Tfrn nj“t (Ansicht eine« Einzelnen) u. s. w. nur unt« ganz bestimmten, hier aber nicht zutreffenden Umständen halachische Autorität zukommi. Ist ab« dann die Fassung der Rabbiner-Versammlung nicht besser, der Wahrheit entsprechend«? Die zweite Behauptung, die die orthodoxe Erklärung aufftellt, ist ab« entschieden inhuman und unjüdisch Also gegen „Heiden, welche gegen Die genannten (noachidischen) Gebote verstoßeii," wäre der Jude zur Lieblosigkeit und lln< g«echtigkeit berechtigt? Auch jetzt »och im 19. Jahrhundcn in Eulturstaaten berechtigt? — Wir können diese Frage ganz objektiv untersuchen, da die Milbürg«, in deren Mitte wir leben, nicht zu dieser Kategorie von Heiden gehören. sondnn zum bei weitem größten Theil an Gott glaul>en und dir noachidischen Gebote halten. Unsere Einwände gegen die otthodoxe Erklärung involvire» also keinerlei Denunziation an die Antisemiten. Wir w«fcn nur rein thco, retisch die Frage auf: ist der Mensch, ist der Jude auch den Heiden, der gegen die noachidischen Gebote verstößt, zu lieben und gerecht gegen ihn zu sei» verpflichtet? — Ich glaube, daß auch uns«e otthodvxe« Glaubensgenossen hinauf ohne Besinnen mit Ja antworte« w«den. Sie werden sich darauf besinnen, daß Abraham auch an solchen Heiden Gastfreundschaft übte, daß er füt die Erhaltung von Sedom und Ainora zu Gott b«ete, daj Israel b«ufen wurde, rin Reich von Priest«» zu sei», wrlche d« so beschaffenen heidnischen Welt die Erkenntlich Gotte« und den Weg der Tugend mittheilen sollten, wo« doch auch Lieb« und Gerechtigkeit ist. Sie wnden sich erinnern, daß Jona bestraft wurde, weil « da« in Heide»- thum und Unsittlichkrit verfallene Riniwrh nicht dr» Untergang entreißen wollte, daß — nach dem Midrasch — Gott» al« die Egypt« im Schilfmeerr versunken waren, j» den Engeln, die ihm lobsingen wollten, abwrhrend sprach: »Mein« Hände Geschöpfe gehen unt« und ihr wollt Lieder anstnnment *; sie werden keinen Augenblick zweifelhaft sein, dag Betrug. Diebstahl. Mord selbst gegen solch« Heiden au«grsiihr> eben auch nicht« andere« al« B«rug, Diebstahl und Mock! sei. Da» sind ab« Pflichten d« Gerechtigkeit. Sie werda keine» Augenblick zweifelhaft sein, daß, wenn R. Josua lehrt: * ‘ J (

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