Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 15 (1884)
- Issue
- 15. Jahrgang Nᵒ 23.
- Date
- 1884-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
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175 Alle die Berichte über Entsetzung des Herrn Hirsch von x Leitung der Ackrrbauschule waren falsche Gerüchte! Sie arakterisiren die Heiligen der Evlonisation! Die Lolonie Pessach Tikwah hat bisher ebensowenig, je die Misstonskolonie Har Tuf Erlaubnis zum Häusrrbau halten. Man wartet ab. bis der Pascha aus 3 Monate ach Konstantinoprl geht — dann läßt sich Alles machen!! Vermischte und neuelte Nachrichten. —r. M«gtzet«rg. Bei der jüngst von der Etadtcrordnetenversammlung geivählte» städtischen Schulcommission »urde der Herr Rabbiner vr. Rahmer einstimmig zum Mit» liebe derselben gewählt. 8p. Magde»«rg. Am Schlüsse unsere» lieblichen rchowuothfestes ivarrn wir Augenzeuge einer sinnigen Ucber» aichung. die unserem Glaul>en»grnvssen Herrn S Feder, u scinem 70. Geburtstage von hiesigen angesehenen christchen Mitbürgern, darunter Stadtverordnete, bereitet ivurde. lachdem man ihn auf launige Weise begrübt nnd ihm ei» >0d) ausgebracht hatte, ivurde ihm ein prachtvolle» Album nt zahlreichen Photographien und Visitenkarten überreich». >oran sich der Vortrag eines von einem hiesigen Localdichlcr maßten und dem Herrn Feder gcividmeten (Gedichte reihte. )iese Ovation ist ein Beweis, dag der Grad der Toleranz »l'erer christlichen Mitbürger vielfach davon abl»ä»gt. wie die luden selbst e» verstehe», die Achtung dieser ihrer Mitbürger zu nverl>en. AerN», 2. Juni. Gestern Mittag wurde der ver» orbeiie Justizrath Anton Lev in auf dem jüdischen Kirch» ose in der Sch-nhonser Allee zur letzt-» R»htu-sto»»-» mic sehr zahlreiche Schaar von Leidtragenden hatte sich ingeiundcn; neben bekanntesten Vertretern des Anwaltstandes, m Justiiräthen Heilborn, Lesse u. A., der LandcSgerichtS» ircftor Reich, die Stadträthe Wolfs und Mamroth, die Ge> amen Commerzirnräthe Liebcrmann und Mendelssohn u. s. w. )!e jüdische Gemeindevertretung, der Verein für die Geschichte kilm», die Gesellschaft 4»er Freunde, da» Lehrercollegium e» Köllnischen Gymnasiums, da» durch den Professor vr. iappenheim und den alten Lehrer des Hingeschiedenen, Pros. >r. Eelckmann, vertreten mar. die Freimaurerloge Royal» )orf und noch andere Vereine nnd Corporativnen, mit denen er Verewigte theil» durch seine Berufspflichtc». theils durch uneii Sinn für humane Bestrebungen in Beziehung gestanden, allen Kränze geschickt. Nach dem Gesänge de» Liede»: „ES t bestimmt in Gottes Rath" hielt Rabbiner vr. Frankl die iSk> achlnißrrde, in der er in warmen Worten die Verdienste und den öertl, de» Verstorbenen würdigte, worausdie Beisetzung erfolgte. Aertt». Die »Germania schreibt: Al» Euriosum n'triren wir folgende Mitthrilung der »Dtsch. Rztg": wci Juden, welche die Prima einrS hiesigen Gymnasiums ksuchen, melden sich zur Thcilnahme am hebräischen Unter» lchl. erklären aber, daß sie demselben nur dann beiwohnen >nntcn, wenn ihnen gestattet werde, während deS Unterrichts m Hut aufzubehalten, da ihr Ritus ihnen diese» vorschreibc. 'it Forderung wird bewilligt, und nun sitzen die Beiden kdeckten Haupte« unter den andern Schülern und horchen m Worten de» Lehrers". E» wäre interessant, zu erfahre.», bisher von jüdischen Schülern eine solche, unseren 8e tifsen von Schicklichkeit wenig entsprechende Forderung hon anderwärts gestellt sei. Soweit unsere Kenntnisse reichen, > die» ein neuer Einfall jüdischen . . . nun. sagen wir ^ietzesrifers". (Uns sind dergleichen Fälle von anderwärts cht t«ckannt; wir glauben, daß da« einzig Sache des betr. hier« ist und die »Germania" gar nicht» anaeht. Red.) W. Ka»tz«r»ya«se» (Or.»Eorr.) Gestatten Sie, chttrr Herr Redacteur, mir gütigst die Berichttgung. daß her allverehrter Herr Professor Heidenheim nicht, wie r Druckfehlerteufel es verändert hat. im Revolutionsjahr 1849, "wu bereit« seit dem Jahre 1840 an der hiesigen Real» schuld angestellt war und besteht hier die Absicht, die Feier semen 80 jährigen Dienstjubiläums mit der auf den 18. k. Mts. fallklden Feier seine» 70jährigen Geburtstage» zu verbinden. A«a Lamtzurg erhalten wir folgende Zuschrift: Seit (ängrrrn Jahren Leser der »Wochenschrift", verfolge ich stets mit Inte-esse die Berichte Ihre« Eorrespondenten in der leidigen FriebhofSangelegenheit mit um so grünerem Interesse, als ich in Folge meiner Stellung stet» die Lage der Sache genau in iliren einzelne» Stadien kannte und also im Stande war. die Angaben ihre» Eorrespondenten genau« zu prüfen. In seiner Eorrespondenz vom 16 d». (Nr. 21) bringt er jedoch einige Angaben, um deren Rektificirung ich Sie mit Gegenwärtigem ersuche. Die königl. Regierung hat weder die Anordnunqen de» Landrathsamt» pur« bestätigt, »och unsere Beschwerde zurückgewiese», »och dem Vorstand einen Verweis erttnilt. (Unser gesch Eorrespondent hält seine Mittheilungen in Nr. 21 in vollem Umfange aufrecht. Red.) 31. Mai. Vor dem hiesigen delegirten Strafgerichte wurde durch mehrere Tage der Monstreprozeß gegen 28 Angeklagte, tlseils wegen der Urheberschaft theil» wegen The lnahme a» den antisemitische» Excessen in Vihny« und Peszereny durchgeführt. Heute füllte der Gerichtshof das Urtheil. Zwanzig Angeklagte wurden der ihnen zur Last gelegten Verbrechen schuldig erkannt und fünfzehn derselben mit schwerem Kerker von 8 Jahren bi» 6 Monaten und dem entsprechenden Verluste der bürgerlichen Rechte für bestimmte Zeit bestraft. Fünf erhielten eine Gesängnißstrnfe von 6 und 4 Monaten. Die fünf letzten endlich wurden freigcsprochrn. Da > Gericht wrndete somit alle Strenge des Strafgesetze» an. V«rts. Unter dem klüger geivähltcn Namen „Päril social“ (.Die sociale Gefahr") scheint der Antifcmitique k»i„» Hmi tu um»» n Die sociale (Wriiihr soll nämlich — der Jude sein. Der Titel ist geeignet, die Leser anjuziehen, der erste Satz aber schreckt sic schon derart ao, da» da» Blatt hier nicht gefährlicher ist. al» sein Vorgänger. Auch hier schweben Verhandlungen, um Sesardim und Aschkcnasim zu vereinigen. I» der Armen« statistik fällt dir 30 000 Seelen betragende arme jüd. Bevül crung auf. E» sind zumeist Schneider, die in unsagbarem Elend leben. Es werden zur Zeit von Begüterten Erwägungen ank.estellt. wie zu helfen ist. N«tzka«d. In Orkcow hat sich ein jüd. Familienvater, der schon 3mal wegen unbefugten Verkaufe» von Branntwein besirasr worden war. vergiftet, weil er kein Mittel wußte, aus andere Weise seine Familie zu ernähren. — In Kischinew sta.b ein jüd. Soldat an den Schlägen, die ihm sein Hauptmann hatte geben lasse», weil er sich weigerte, seinen Bart zu rasirrn. — In Vinczew hat sich ein junger, gebildeter Min» getüdtet, weil ec das Elend nicht mehr mit anschcn ko, ntr. In einem Jahre hat sich dort die Zahl »er jüd. Armen uir 80 Familien vermehrt. 2o wirken die Jgnatiew'schen Gesetze, besonder» die Austreibungen au» den Dörfern! Besorder» in Kiew ist eine wahre HamanSivirthschaft. Dort hal die Polizei 4 Synagogen geschlossen, 2 weil die Verlegung derselben in andere «Straßen nicht richtig gemeldet worden ist, und 2. weil sie von einer Kirche, die vor 2 Jahre» gebaut wurde, nicht, wie GesetzeSvorschrist ist. 100, sondern nur 96 Laschen entfernt sind! Marsch««. Der Vorsteher der hiesigen großen Syiwgoge, Herr Nathansohn, feierte vor. Monat das 25 jährige AmtSjul iläum, wozu ihm anerkennende Adressen und 2800 Rubel zu einer wohlthätigen Stiftung überreicht wurde». — In Svlatonasch (Poltawa) wurden am 2b. Lp'il 2, am 30. fünf vei kohlte jüd. Leichen beerdigt. E» sind Dorfjuden, die man i» ihren Häusern verbrannt hat! Bon der letzterivähnten Familie Hai die Mutter 2 Kinder gerettet, ist aber wahnsinnig geworden! In Algier hat der Kaufmann Abraham Timsitt eine silberne Medaille 2. Klasse für Lebensrettungen (au« dein Feuer und ähnlicher Gefahr), in Mascara der Feuer» wehrmann Abraham Karsrnty eine Sffentlich« Belobigung erl»alten für Muth und Hingebung bei gleichen Anlässen.