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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1884-01-01 · 15. Jahrgang Nᵒ 18. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
15 (1884)
Issue
15. Jahrgang Nᵒ 18.
Date
1884-01-01
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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— 180 — avttlichen Ursprung und somit dir Berpflichtung«kraft jrner für da» Leben bestimmten Religion-gesetze nicht anerkennen.') Dieser Gegensatz zwischen dem Sasseler Borsteheramt und un» selbst «st immerfort ein Mißverhältniß. Gerechterweise müßte die grüßte Mehrheit au» religionsaetreum, da« praktische jüdische Leben nach der Thora und Üebrrlieferung einbaltendrn Männern bestchen. da dem Borstehrramte ja sonst Herz und Berständniß') für unsere allerwichtigste» Rkligion-angelcgenheitm nothwendig fehlen muß. Wa» jene Männer selbst nicht halte», ja für veraltete Formen') ansrhen. können sie doch wahrhaftig nicht mit aufrichtigem Herzen und ehrlicher Ueberzeugung in unserem Interesse behaupten und zur Geltung bringen. Nunmehr stehen wir vor einrr Entscheidung von der größten Wichtigkeit. E« soll ein Seelsorger') gewählt werden, der un» in allen heiligen Dingen vorstehe, ein Führer, dem wir getrost unser innrer Heil anvertrauen dürfen, der un« und unsere «indrr in Gotte« Wegen führe, der mit Herz und Seele selbst an diesem göttlichen Gute, dem Erb« u»serer Ahnen, hängen soll. Könnte» wir getrost den Schritten de» Borstehrramt» entgegrnsehen'? Ist auch nur dir Aussicht vorhanden, daß wir ei» Oberhaupt erlangen iverden, daß für unsere unverfülschie», eivig unveränderlichen göttlichen Lebe»«- lehren ehrlich und wahrhaftig, voll und ganz, in Wort und Leben eintretcn werde? Möge die hohe Königliche Regierung un« verzeihen, wenn wir unsere bange Sorge nicht unterdrücken, denn unser Alle» strbt hier auf dem Spiel! Unser irdische» und rivigc» Wohl, da» für un» »ach innerster Ueberzrugung von der treuen Erfüllung de» GotteSgcsetze» ab> hängt'), läßt un» nicht schweigen. Wa» wir unter der bisherigen geistlichen Führung schmerzlich vermißten'), wolle» wir hier nicht in Au»führung bringen. Nur da» sei un» gestattet offen auSzusprechcn, daß wir im innersten Herzen zu den Lehren de» bisherigen Seelsorger« kein Vertraue» empfanden'), daß un« sein eigene» Lebe» kein Musterbild hingebungsvoller, uneigennütziger Betätigung der' Gottespflichten gewesen ist'). Diejenigen von un» Unterzeichneten, die den Kreisen Fritzlar. Melsungen und Witzcnhauscn angehören, und die der geistsiche» Führung der edlen, unvergeßlichen Krrisrabdincn Mar- >) Da« Ist abclinai« Berlcunibung; noch nie Hai ein üasteler Jude «in solche« Bckenntniß abgelegt. (2.) (Der Herr Linsender erscheint »n« hier sehr naiv. Bedarf e» denn noch eine« Bekenntnisse«'? Weif, er denn nicht, daß die-.Gesetze« treuen" als Zohariste» (liabbalisten, allwissend sein müsse»'? Red.) ') Herz und Verständnis, haben die gebildeten Männer de« Borsieheramie« unstreitig mehr, al» viele herzlos« und aus allen (ilebieirn ungebildete Geivohnlieiismenschen vom Vaud«, die nur ohne versländniß nachästen. (9.) *) Die modernen .Gesetze«lreuen" nennen allerdings Nicht« veraltet. selbst Nicht» von Allem, was di« Herzen«, und ihalsromme» Altrabbinen au«> und nachdrücklich al« flltSw *1130 (närrische Bräuche» perhorre«einen. Solche Bräuche stehen jenen .Gesenestreuen" allerding« höher, al« der Ausspruch eine« Rabbi Akiba: Das, da» Gebot der Nächstenliebe, der allumsassenden Humanität, der txdeuisnmste Grundsatz der Religion l7NV!2 ‘JTB *?Sa) sei: höher al« alle iibnge» weilen Lehren und Gesetze. (Red.) •) Jüdischer Seelsorger?? Rabbiner haben wir. d. h. Bolt«lehrer, aber kein« Seelsorger, wozu sich die bekannten Hey.Rabbiner in ihrem F«na«t»mu» gern machen mSchien. (9.) •j ijum Go»e»g«s«tz gehört aber auch in erster Linie die Pflicht der Nächstenliebe, der «usrtchtigkeii, der Wahrheit und Wahrhafltakrti. der Redlich« und Rechilichkeit. (9.) «) In welcher Gemeind« ist etwa« »ermißt worden? Die Gemeinden aus dem Lande hängen mit inniger Verehrung noch heule an dem Landraobiner vr. Adler, der nicht, gleichwie «in Fanatiker, rollheilen mit falsche« Scheiteln u. dergl. trieb. (2.) ’) Flöß, da« .Pasteln" sämmtlicher Dhorarollen in den «emeinden eine« Rabbinat«beztrk«. um einem "WO aus die «eine zu Helsen, vielleicht da« rechte verträum ein? (2.) >) Nicht» charakierlsirt da« .Bilmesuch" bester, al« diese unquallsietrbar« Herabwürdigung eine« Manne« wie vr. Adler. So bekunden die .GesetzMtreum" ihren Dank gegm ihren greisen Landrabbiner, der, für alle« Hohe und Göttlich« beaeist-n, stet» eine Zierde der Sistm. schast, eine Zierde Israel« war l Wahrlich, die« verhaltm gemahnt an J«r»m.S.S, zweite» Hemtfttch. — (Red.) dohei Wetzlar und vr. Frrnkel') hochseligen Angedenken» unterstellt waren, haben nach dem Scheiden dieser verehrte,, GotteSmänner') und dem hierdurch eintretenven Anschluß o, da« Laffeler Rabbinat den grellen Unterschied "kennen ge. lernt. Wir haben e« erfahren, wie viel in einem Jahrzehnt da» herrlichste religiöse Leben verkümmern kann.') Darum sind wir entschloffen, mit aller Straft dahin z» wirken, daß da» religiöse Oberhaupt, da» nun un« gegcbc» werden soll, unserem jüdischen Leben und Denken mit ganze,» Herzen angehöre, daß er (?) nicht allein unser religiöse« Lebe» rücksicht-voll gewähre» laffc'), sondern daß er selbst ei, leuchtende» Borbild un« sei in allen seinen Wegen, daß er mit vollendeter Eharakterfestigkrit unbeirrt von der tausendfach schwankende» Tage-mrinung. unbekümmert um Annehmlichkeit und persönlichen Bortheil'), die ewige Gotte-wahrheit lehre und vertrete. Wir hegen die innige Zuversicht zu Königlicher Regie rung. daß sie un» zur Erreichung diese» edlen Ziele» m„ voller Kraft beistehrn werde. Allein e» stellt sich eine Schwierigkeit unserem Vorhaben entgegen, ohne deren Be. sritigung wir da» dargeleatc Ziel für unerreichbar Hallen Möge un» daher gestattet sein, diese» Punkt gehvrsainst darzulege», zugleich mit der inständige» Bitte, daß hol-e König liche Regierung in geneigte Erwägung ziehen wolle, wie ma> seiner Herr werden könne. Nach den bestehende» Vcrhältniffen scheint e» nämlich schlechterdings unmöglich, daß ein Landrabbine (?) gewählt und bestellt lverden, ja auch nur sich beiverben könne, der auf den, Boden de» überlieferten, gesctzestreurn Iudenthum» steht. Wir meine» die in der Easselrr Synagoge best ehr ndr Einrichtung der Orgel. Wir gestatten un» gehorsamst zu bemerken, daß e» den, grsetzestrcuen Israeliten nicht erlaubt ist, an einem Gebet» Thril zu nehmen, bei welchem dir Orgel mitwirkt'). Ueba die GesetzeSwidrigkrit der Orgl in der Synagoge haben fi4 alle hervorragenden') Rabbinen in wohlbegründeten (?) Gut achten wiederholentlich ausgesprochen, wie die« in de»') i» deutscher Sprache geschriebenen jüdischen Zeitschriften veröffentlich! worden ist. Die sogenannten Refonnrabbiner sehn ■> Wetzlar, gewiß! Aber Freutet? Worüber schwebte boch s eine Untersuchung'? — (2.> *) Grenz, da» nicht an Blaspbemie'? GoiteSnmnn ivtrd in retz h. Schrist nur Moses genannt! (2.) •) Wa» ist denn nun i» Gudensberg oder in Wiyenhausen tm| kiimmen? Nicht» al« leer», unbegründete Reden«ancn! (2 > (Das herrlichste religiöse Leben soü in einem Jahrz.l^ verkümmert sein! 2n»weder ist diese« »herrlichste religiöse Leben", ok." aber die .Vcrkiimmerung" desselben ein Phantasicgebilde «oder gar ein andere« — ttzebild«) der .Gesetzestreuen". Mit solchen sabrnschriiu^ki Diradcn wagt man, einer hohen Behörde zu nahe», derselben gcgeei über die Begriffe .gesetzeStreu" und „orthodoz" bald al» gegensätzlich wa« sie allerdings sind — bald al« gleichbedeutend zu gr« brauchen!!! (Red > I ') Ist vielleicht lemal» gegen irgend eine Gemeinde bezüglich ibr.z Institutionen und 2inrich>ungen rücksichtslos versabre» ivorden? «elte in llastel hat man einem gewisten oNhodoze» vr. 2., der nicht ei»» im Stande war, der Schulaussichltbehörde ein ordnungsmäßige« Prüsnn^ zeugniß vorzulegen, rücksichtsvoll gestattet, ea. ü Jahre in einer Priea schule Religionsunterricht, (und wa« für welchen?» der doch auch ‘ Aussicht de« Vorsteheramtes unterstellt ist, zu ertbeilen. (2.) I ') Die charakterfesten (!!), orthodoze» Rabbinen suchen wohl in« di« Annehmlichkeiten und pekuniären Vortheile? Leben sie wirtlich wie die Allen? 131 nnOTI ITTW03 Ö131 bSKTI N*7V2 Wohnen sie nicht auch in den frequentesten Straßen, in den prächtig,« Häusern? Suchen sic sich ihre Frauen nicht au« den reichsten Familien? >t •) Wie naiv! Warum nicht heran» mit der Farbe? “ '13.1 hlpn. (weil die Orgel auch von den .Heiden" beim Cult braucht wird). Und nun quält man sich noch sortwährrnd ab, zu «eisen, «er 13 genannt wird! Waren die Levitenchöre und di« I« Werkzeug« beim jerus. Drmpel auch .heidnisch"? — (ff.)J ’) Wen versteht denn der Verkäster diese» Gesuche« unter .all Hervorragenden "? (2.> | •) In den? in allen solchen Zeitschriften? auch nur in ' meisten? 2i, ei. ihr Herren .Gesetze»trruen". gehön st. M.!V,!j »vom Lügenwort halt« Dich fern!" nicht auch zum .Gvtte«gesetz", .treu zu erfüllm" ihr euch so stolz-bescheiden rühmt? (Red.) |

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