Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 15 (1884)
- Issue
- 15. Jahrgang Nᵒ 17.
- Date
- 1884-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 9)
- Language
- German
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r.r r Anlage z.Wr. 17 d. „Asr. Wochenschrift". Nmerik«. Z>E»ßi». Drr bedrutung«vollste Lag, welchen dir hiesige jüdische (Gemeinde ,B'nai Israel" jemals feierte, drr Ta-. aus welchen sik noch nach langt» Jahren mit Stolz und Genugthuung zurückblicke» wtrdrn, ivar Freitag, der 18. Januar 1884. An ihm wurde drr »kur, imposante Tempel mit herzerhebenden Feierlichkeiten rinaeweiht und seiner edlen Bn'iimmung in eindrucksvoller Weise übergeben. Da« Ziel. welchem dir Gemeinde mit unbeugsamer Energie zugestrrbt hatte, zu dessen Erreichung dir Einzelnen namhafte Opfer dargebrach« hatten, ivar jetzt erreicht. Au« eigene» Mitteln ansgesllhrl, ohne pekuniäre Beiträge von au»wärtigen Quellen, stand der stolze Bau da, de« hohen Augenblick« harrend, der ihn dem Dienste de« Hächstrn weihen sollte; kein Wunder, das, sich dir Brust jede» einzelnen Mitglied,» Häher hob, tafe au« de« Aug, eine» Jeden freudiger Stolz leuchtete und das, sich die E»»veihu»g nicht allein zu einem religiösen Fest, gestaltete, sondrru auch außerhalb der heilig,» Stätte die Feststtmmung allgemein wurde! Und wie r« in nner Stadt, in der Juden und Richtjuden in so herzlichem Einvernehmen stehen, kaum ander» möglich, »ahmen die letztere« auf« Herzlichste an der Festfreude Theil Die Bertreter de, Stadt, dir hervorragendste» christlichen Geistlichrn, überlmupt die Elite unserer Gesellschaft ohne Unterschied der Eonsession war bei den Eniweihungsseierlichkeiten vertreten und kaum weniger freudig war ihre Stimmung und kaum weniger ausrichtig ivar.» ihre Wünsche in Bezug aus Bestehen de» Tempel« und der Gemeinde, al« die der Mitglieder selbst. Im Jahre 1850 gründete» die verliältnißmäßig ivenigen i-rarlitischen Einwohner von Mcmphi» die Gemeinde„B'nai Israel«", erlangten eine» Freibrief vom Staate und hielten in einem bescheidenen Domizil an der Main-Straße ihre Gebet- Versammlung ab. Die Gemeinde iviich« und gedieh. Ein philanthropischer Bürger von New Orleans, Herr Juda Tuoro, ließ dersr.be» eine namhastc Geldunterstüyung zukomme» Diese Summe zu vermehren steuerte» die Grmrindemitgliedcr bei und schon im Jahre 1857 sahen sie sich im Stande, ei» Gebäude anznkausen und ziveckrntsprechrnd einzurichten. vr. Wise von Eincinati vollzog die Einivejhung desselben. Aber die junge Gemeinde, der bisher Alles „ach Wunsch gegangen »var, sollte auch ihre Prüsungen l)abrn. Drei Jahre nach drr Einweihung de« alte» Tempel« wurde der Rev. S. Tu«ka zum Rabbiner der Gemeinde gewählt, ein Man» von freisinniger GeistrSrichtung. E« trat eine Spaltung der Gemeinde ein. Die orthodoxen Juden gründeten die Gemeinde Beth El Emmeth, während die liberale Partei den alten Tempel innchirlt. So stand dir Angrlrgenhrit als im Jahre 1870 der jetzige Rabbiner. Re», vr Samfield, hierher berufen wurde. Seinem Eifer gelang es. die bestehenden Streitigkeiten zu schlichten und endlich feierte er Anfang« de« Jahre« 1883 den Triumph, beide Gemeinden in brüderlicher Eintracht wiedervereinigt zu sehen. Al« ein bleibende« Monument dieser Bereinigung mag drr neue Tempel angesehen werde». Die Dimensionen de« Tempel« sind 60 Fuß Front und 128 Fuß Tiefe. Die Höhe der beiden Thürme beträgt 175 Fuß. Drr Baustyl i,t der maurische. Die Fayade de« Tempel« macht einen Eindruck, wie es großartiger sicherlich kein andere« Gebäude de-. Stadt thut. . Wir schildern kurz die Einweihung. Dem Einweihung«» gebet de« Robb. Samfield folgte die Einweihungsrrd«. Al« Grundlage derselben benutzte der Prediger den Au-zug au« der Botschaft Salomo»'« ai den König Hiram: .Und da« Hau», welche« ich baue, ist groß, denn größer ist unser Gott, al« alle Götter.' Der Redner schloß, indem er die Lade, die rwigr Lampe, den Tempel, und die Gemeind« segnete und ivrihte. Drr Chor sang: .Und da»» soll Dein Licht' au« Mrndel«soh»'» Elia«, worauf Rev. vr. Wise eine Ansprache hielt, die ebenfalls gewaltigen Eindruck machte. Sein Thema war dir vier verschiedenen Arte» von Andacht, in Uetereinsiimmuna mit ivelchen die heilige Schrift vier verschiedene Name» für dir Synagoge kennt: „ölisotilrnu", da« Domizil; „Mikdaach“, da« Heiligthum; „Hajith da« Hau» und „Heichal“, der Tempel oder Palast. Er erklärte die Bedeutung dieser Auldrücke in beredten Worten und Gleichnissen. Drr Ansprache folgte die übliche Feier zur Einleitung de« Sabbatl»« mit einem übrran« schönen musikalischem Programm und ain Schluss, deiselben sprach Rabbiner vr. Sonnenschein keinen Segen über die Menge, nachdem er mit geeigneten Worten noch kurz aus die große Bedeutung der soeben vollzogenen Einwethung«seier hingewirsen hatte. Abend» fand ein solenne», mit vielen schönen Reden gewürzte« Bankett statt, woran sich ein .großer Ball" schloß. Per«ifch1e und »euefte Nachrichten. M«ltzeß«rß. „An die Einreister und Zerstörer' lautet die Aufschrift eine« Artikel«, dem leider der „Hameliz" Ausnahme gewährt hat Je mehr diese» sonst so treffliche Blatt in da« Fahrwasser der Ratio»alität«schwäri»er und für die Eolonisatio» Palästina'« mrssianisch Begeisterten geräth, desto mehr öffnet e« dem schimpfenden Fanatismu» seine Spalte». Herr Rabb. Oe. Frankl in Berlin hat diese Rationalitätiksucht al« eine trügerische bezeichnet. Dc«l)alb wird ihm mit Redensarten gedient, die feiner und gröber folgenden Satz umschreiben : Die Resormrabbincr sind Z e r st ö r e r de« Gesetze«; zu jeder Zeit suchen sie r« zu schwächen und hoffen sehnsüchtig aus dir Zeit, da seine Seele entfliegt und e« tu einem Haufen trockener Gebeine wird. — Der da» große Werk vollbracht, benamset sich Schmuei Laib Zitron au» Minsk! — Ist der Herr er>t Eullusminister in Jerusalem, dann weh euch, ihr Frankl und Ungcrleidcr, dann sollt Ihr'« empfinde», was c« heißt, a»derr» Ideale» nachjage», al« Zitronaden! Ktrekltz in Mecklenburg 15. April (Or.-Eorr.) mS nrn "2JK mies UTK .Ich bin heute kein Mann freudiger Botschaft." Unserem verehrten LandrabbincrHerrn vr. L>am» bürg er und seiner geschätzten Familie ist da« Passafest zu Trauer verwandelt worden, sie haben eine» herbe» Verlust erlitten. Am Sabbath Ehol Hamoöd Nachmittag« ist ihnen ihre Tochter Selma »ach langen schivrren Leiden durch den Tod entrissen worden. Die Verblichene war eine sehr fromme Seele, sehr bewandert in allen Fächern de« Wissen« und berechtigte die Eltern zu den schönsten Hoffnungen, die mit ihr nun zu Grabe gegangen sind. Die Thcilnahme in der Gemeinde und im Umkrei« ist eine allgemeine. Der Schlag trifft um fo schmerzlicher, al« er zugleich in die Freude de« bevorstehende» Jubeltage« bittere WermuthStropfcn gießt. Am I. Mai sind e« bekanntlich 25 Jahre, seitdem unsrr Herr Landrabbincr sein Amt in Mecklenburg bekleidet und zur größten Zufriedenheit de« Lande« verwaltet. Die Gemeinde» unsere« Lande« hatten schon viel Vorbereitungen getroffen, diesen Tag festlich zu begehen; nun ist wohl an eine Feier desselben nicht zu denken. ' B. (Indem wir unsrem schwerbetroffenen College» den Ausdruck unsere innigste Theilnahme zukommen lasse», möchten wir im Gegen,atz zu den Schlußworten de« Herrn Corrrspondcnteu e« nunmehr gerade al« erhöhte Pflicht der Gemeinden ansehen, da« Jubiläum ihre« verehrten Landrabbiner« festlich zu begehen, damit er in der Liebe und Treue seiner Gemeinden einen erhebenden Trost für den schweren Verlust erblicke und sein gebeugte« Gemüth sich wieder aufrichte. Geräuschvolle Feste gehören allerding« nicht