Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 15 (1884)
- Issue
- 15. Jahrgang Nᵒ 11.
- Date
- 1884-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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4411. Magdeburg, 18. Wäri 1884. Z-Hrg. XV. IsrMischtWollsMW für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums. WMrnili* reichet»! )< rtu» Du »»er der .jp«4*ar4*Tft“ *» .4««lll»akTatta** nllttmtutklalt«“. Irre» l(i alle fcrri fUltfer bei al'ni P»ttü«k,rn u. ch«ch»,»»I»,,ru 3 hJLmr 1c «irrlrlttd ilch. Mir «Irrctcr : >«»»!>» 14 Kart, nach dr« aaflaatr: 18 M. .8 ft., M Arc».. 8 »bi.. 4 ralaes). «I»trlna»»«rn »er .vachrnichrlii' 4 « Pi., des .»ttreeatur.Ptall»' 4 18 PI. Bcrantworllicher Redakteur und Herausgeber: Rabbiner kr. Al. Mahmer in Magdeburg. Fir »ihrhelt, Dich, frlrkea! n-» 9» (9t •t» fftr d>» .I»raelt»1sche « ocheni «drift", wie für da« .Jüdische Linerat»r-vlair". die kleingeipaUen, Velitztile oder deren Raum M ff. fmb entweder durch die Annoncen- -r-edilionen von Q. L.Daub« Sc Oo.t ÜudolfMoiMi Kauanftein Sc! Vogltr u. H. oder direct eunuienden an : : fit der jüiraiüi» W»che«- ftrtf»“ in W»,v d«», v - la D « h « > tr t-eltenbe Vrtifcll Vluf|ur2hot! Bo» Vanbtabbincr Dr. Tessauer IXHmnflfn. — Zum LchuichanAnich Ttxma. «Aonsepung.) Berichte mad eiarrespoadeazea 1 Deutschland: Magdeburg. — Jarvtschin. — Au« Eisenach — Franken»)«! in der Psalj. — jranffurt a. M. — Tborn. Oesterreich: Wien. Peil. Nu« Ungarn. INalizien. Uran kr eich: Par!«. Pari». Pari«. Remirrmont. Nirobbrilannien: London. Otraifcbtc u«d >(■(()< Nachrichten i -icusteilin. — Berlin. — Hannover. — ttifafi. — Brünn. — Turin. — Siom. — Amsterdam. — Petertiburg. — Nierv. — Niem. — Odessa. — Jerusalem. -- Konstantinopel. — Mexico. — Algier. Inserat«. Wochen- Milii. Adar. Hakender. >884. 6G44. 13 Ui , Freitag. . . 14 17! Faaaadead lü 18 KttTI *2 («,4t» P. Poroh. . . IG 19 Maatag. . . 17 2t) ItlMta« . . 18 91 Mittmach . . 1» 22 Daaaerstag . «<> 23 Auf zur rhat! HICS1? ns E« is, Zeit zu — Idun!" Seitdem das vielköpfige Ungeheuer, der Antisemitismus, in den verschiedenen Ländern unter den verschiedensten Borivänden sein Unwesen treibt, wird viel jdagrge» geschrieben und gesprochen, aber weggeschrirben und weggrsproche» kann es einmal nicht werden; wenn es auch augenblicklich ruhig und abwartend in seinem Schlamme liegt, so wird eS bei passender Grlegrnheitsetwa bei den kommenden Reichstagswahlen) höchst wahrscheinlich wieder sei» scheußliche« Haupt erheben. Schon durch den Namen charaktrrisirt sich der Antisemitismus al» eine nach dem Blute fremder Rare lechzende Bestie, wir müssen ihr also die Nahrung, die sie immer von neuem aufwühlt, entziehen. Es ist höchste Zeit von dem Worte zur Thal überzugehen. Allerdings siegt schließlich das gute Recht über Gewalt und Rohheit, die Menschlichkeit über die Brutalität, da» lehrt die Leidensgeschichte Israels zur Genüge. Das Purimfrst in diesen Tagen erinnert daran, wir der große Minister des Reiches Persien, Haman, au» Mißvergnügen über den kleinen Mordechai, der sich nicht, wie die übrigen feilen Höflinge, vor ihm bücken und beugen wollte, an der ganzen Ration Rache nahm. Sein Sturz war Israels Rettung. Unsere Weisen sagen: Eine Regierung kommt., eine andere geht; Israel aber besteht ewiglich — weil Recht und Gerechtigkeit obsiegen. Dennoch darf man nicht unthätig die Hand in den Schoß legen und die Hülfe vom Himmel allein erwarten. Was würden wir zu einem sorgenvollen, aber trägen Familienvater sagen, der den ganzen Tag mit gefalteten Händen seufzend dasäße und von dem gütigen Ernährer im Himmel allein da» tägliche Brot für seine zahlreichen Kinder erivartete? Also frisch zur Thal! Wichtige Zeitsragcn drängen zu ernstem Gedankenaustausch zwischen allen wohldrnkende» Israeliten ohne Unterschied des religiösen Parteistandpunktes. Die wichtigste dieser brennenden Fragen wäre nach »iciner Meinung die. ob c« nicht angesichts der stet« von neuem austauchrndc» Anklagen, welche unsere Feinde, l-esonder« manche faule. al>gksallene Früchte de« jüdischen Stammes, charakterlose Renegaten, aüS alte», halbverschollcnrn Schriften von zweifelhaftem Werthe schöpfen, angezrigt wäre, eine feierliche Erklärung dahin abzugcben, daß der heutige Standpunkt der jüdischen Religion und Ethik den früheren lieblosen unter dem Drucke der Judenverfolgungen gethancn Aeußcrungen oder getroffenen Anordnungen gerade so verwirft, wie das heutige Ehristenthum die Anwendung von Gottesgerichten, Scheiterhaufen und Hexe:,Verbrennungen. Wohl weiß ich, daß die Optimisten, welche heule »och blo» rin vornehme« Lächeln für den Antisemitismus haben oder ihn. wir LaSkrr, der hierin auch zu optimistisch dachte, für eine vorübergehende Epidemie halten, eine solche offene Massenkundgebung für unnöthig erachten und deshalb jeden kampfeSmuthigen, energischen Protest verschmähen. Auch kann man und entgegenhalten, daß die offiziöse Pertretung der christlichen Kirche die lieblosen, inhumanen und barbarischen Aeußerungen und Angriffe bei den Kirchenvätern und in den scholastischen Schriften und die Ausgeburten thörichter Distinktionen («ui asinaa possit bibere baptismum etc.) niemals öffentlich deSavouirt habe, in der richtigen Voraussetzung, antiquirtr Anschauungen brauchen nicht weggrräumt zu iverden sie bröckeln wie alte» Gemäuer von selbst ab. Doch muß