Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 15 (1884)
- Issue
- 15. Jahrgang Nᵒ 8.
- Date
- 1884-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
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— 58 — Lehren. Diese» Lügengewebe, in welche» man unsere, die reinste Humanität athmende Lehre immer dichter eiuzuspinnen erachte», so daß schon selbst Einzelne unserer eigenen Glauben«- geilten, dir gar ost nicht viel mehr vom Judenthum wissen, als die Bekenner einer anderen Konfession, bedenklich werden und fragen: »ob denn nicht dieser oder jener gehässige Au», sprach sich doch im Talmud finde?"—dieseSLÜgengrwebe mutz endlich zerrissen und der Welt der wahre Sachverhalt gezeigt werden. Dir« kann aber, wie gesagt, nicht durch Leitartikel oder Flugblätter geschehen, sondeni durch eine wenigsten« die deutsche Juden beit repräsrntirende Versammlung. E« steht ja den Glaubensgenossen anderer Länder frei, sich zu einer gleichen Kundgebung zu vereinigen. Einem allgemeinen Israeliten > Kongreß, der ja sicher wünschenswrrth wäre, ständen unüberwindlich« Hindernisse entgegen. Man berufe sich nicht auf da» napoleonifchr Synhedrion, da« unter ganz anderen, ungleich günstigen, Verhälnisien zu Stande kam, schon darum, iveil t* einen allmächtigen Kaiser zum Protektor hatte und schließlich doch — enirn ausgesprochenen französische» Charakter trug. Unter den heutigen Llcrhältnissrn ist e» richtiger, an der alten Regel fcstzuhalten: '21 ncCfl kS rcne nCBfi. Wir können schon ganz damit zufrieden sein, lvenn wir nur hier in Deutschland eine solche Versammlung zu Stande dringe». Ich denke, einer solchen Versammlung wird keine Partei, dir es mit dem Judcnthum ehrlich meint, fern blrU» dürfen, sic gehöre ivelcher Richtung immer an. der orthodoxen, der gemäßigten oder den Reformern: es darf ja hier um Gottes und des Friedens Willen nicht von internen rituellen Fragen die Rede sein, es soll hier nur eine Antwort gegeben iverden auf all' die Fragen, die man von außen an un» gestellt lgu Eine solche Antwort wird von un« erwartet, und ich fürchte, wir habe» schon zu lange damit gezögert.*) Ich erinnere nnch, als vor circa drei Jahren der Rabbiner-Verband Oft- und Weftpreußen« zum ersten Male in Danzig zusammentreten sollte, da machte dies hier in unsere,- Provinz einige« Aussehen. Niemand zweifelte daran, auch die Glaubensgc- ^nvssen nicht, daß dieser Verband gegen die judenseindliche Agitation Front mache» wolle. Bekanntlich beschäftigte sich der Verband aber nur mit der Organisation der RctigiouSschule Zwar har er auch die Abwehr äußerer Angriffe aus sein Programm gestellt, er ist aber nach dieser Richtung in t ei»c r Weise hrrvorgetreten; wie mir scheint mit Recht. Denn er war dazu erstens von seinen Gemeinden nicht dclegirt, darum konnte sein Votum nicht in deren Ramm abgegeben werden und dann bildet er im großen Verbände der deutschen Judenhcit dach nur einen winzigen Bruchtheil. Wen» man »u» dessenungeachtet seinerzeit schon einer verhältnißmäßig so kleinen Körperschaft einige Aufmerksamkeit geschenkt hat. so kann man wohl erwarten, daß die Erklärungen einer Reprä. entativ-Versammlung der gesammtrn deutschen Judcnt»eit all» citig die vollste Beachtung finden werden. Die Fälle, die uns die Rothwendigkeit einer solche» Versammlung nahelegen, häufen sich mit jedem Tage: dringt doch da« Borurtheil gegen da« Judenthum — wie der Judenspiegel- Proreß in Münster gezeigt hat — gar in den Äerichtssaal. Man kann eben von einein Richter nicht verlangen, daß er in jüdisch»iheologischen Frage» genau Bescheid wisse, darum ist e« besser, wenn ein Gutachten existirt, welche« nicht blo» von Treu oder von einem Andern abgegeben ist. sondern welche» die ganze deutsch« Judenhrtt unterzeichnet hat. Wa« hat jener Abgeordnete im ungarischen Parlamente dem Dr. Kavserling auf da« ihm übersandte jüdische Religion«- büchlem erwidert? »Mit Ihrem Judenthume bin ich zufrieden, aber beweise» Sie mir, daß alle ungarische Juden mit Ihrer Auffassung übereinstimmrn I" Solchen Einwand wird inan •1 Otc hatten schon vor einigen Jadren einen derartigen Antrag beim Vorstand de« Dru«sch-J«r. ibemeindevunde« einaebrachl, aber man dachte damals in den teilenden Kreisen sehr optimistisch. di« anttsemiüsch« Vewegung «erde bald im Sand« verrinnen. (Red.« auch hier bei un« grgkn die noch so gut begründeten Au«sagen einzelner Israeliten erheben. Darum ist r« hohe Zeit, die Borurtheile mit vereinten Kräiten zu zerstreuen. bevor sie sich über unserem Haupte zu undurchdringlichen Wolkenmaffen verdichten. Es ist Zeit, den unserer erhabenen Religion angelhanrn Schimpf mit allen un« zu Gebote stehenden gesetzlichen Mitteln abzuwehrrn; es ist endlich Zeit, den religiösen Sinn und das jüdische Bewußtsei» in unserer eigenen Mitte zu heben und zu stärken und der Welt zu zeigen, daß wir gleich unsrren gottergebenen Ahnen unbeschadet unserer deutschen Bürgertreue auch da« Panier unsere« Glauben« hochzuhalie» und gegen jeden Angriff muthig zu vcril,eigen entschlossen sind! s2KV iSpo D*ÜCT Ss DJ iann. vr. Salzdergrr. Vericht «der dl« «« 28. «»d 21». Hctaßer ». A. i» ^teinische» Hake zu Erfurt ktattgefundene -«nferenz de» herein» i»rae- Ntischer t«kt»»teamtea Peutschliud». iSchiuk». Dir ziveite Sitzung, am 2V. Oktober, Bormittags, wurde mit Verlesung ringelaufrncr Briefe und Telegramme eröffnet. Wir rnvähnrn eines Briefe« de« linzwischen verstorbenen) Herrn Schlesinger-Göttingen, Vorsitzende» des hannoverschen Lehrrrvercin« (Beschluß über deffrn Antrag siehe weiter untcn)^ sowie de« Herrn L»rbmann, Vorsitzenden des gleichzeitig tagende» Württemberg. Lehrerverein«. Herr Waisenhausdirrctor Stern -Seesen entschuldigt seine Abwesciiheit in einem längeren anregenden Schreiben. — Es wurde nunmehr wieder in die Berathung der Normallchrpläne eingetreten. Um die Discussio» zu kürzen, schlug der Herr Vorsitzende vor. nicht die Debatte von gestern über da» „Ziel" sortzusetzcn, sonder» die erschienenen Normalpläne (von Cornelius, de» vom D.-J.-G. B. ausgrarbeiteleu. und den Breslauer) einer Besprechung zu unterziehen. Ucber den von Herrn Lehrer Cornelius erschienenen Lehrplan ergebt sich der Herr Referent im Folgenden: Der in Rede stehende Plan sei das Werk eines denkenden und praktischen Schul - manne». Es ist eine Arbeit der Erfahrung, die nicht am grünen Tische entstanden sei. Derselbe enthalte den Lehrstoff für eine jüdische Elementarschulc. wie dieselbe im Hessischen eben geartet ist. Betreff» der biblischen (beschichte sei mn Recht eine große Wichtigkeit auf das Lesen gelegt. Verschiedene Theile der biblischen (beschichte sind in der Uebersetzung und zwar rücksichtlich der Zeirlage zu lesen. Nicht ei »verstanden ist der Herr Referent l>eim Geschichtsunterricht mit der Brr einigung de« 3. bis S. Schuljahres. Derselbe wünscht Ober und Mitt.-labtheilung getrennt, damit sich der Lehrer mit der Oberabtheilung besser ausredrn kann; ebenso billigt er nicht die BertlKilung des geschichtlichen Stoffe« auf dir kinzUnen Schuljahre in chronologischer Folge. Herr Landrabbiner vr. Salzer konstatirtr aber auf Grund seiner Praxi«, da» er dem Vorschläge de« Herrn Cornelius ivegen Zeitgewinnes beistimmen muß. Bo» einer speciellen IBerathung de« Lehrplane« im Plenum wurde au» dem schon oben rnvähnten Grunde abgesehen. Bei dem von der Berliner Fachcommission ausgegrbenen Plane erregte beim Herrn Vorsitzenden da« Fehlen wesci» licher Theile de« täglichen Hauptgcbete« große Bedenken. Der grüßte Theil der Berachoth der Sohamoaa ©a»rt, welchc sich aus die Messiasidee und auf Jerusalem beziehe», sind t« Plane unerwähnt geblieben. Die Eintheilung de« Plane» in drei Abtbeilungen begegnet der Ansichten de« Herr» Referenten. Bei der Berthe,lung de» biblischen Geschlchrsstoffe« wurde dir Verlegung de« 2chüpfu»g«bericht« in da» dritte Schuljahr gerügt. Dagegen den ganzen biblischen Ge schichtsstoff al» Prop heten- und nicht al« Künig«geschichn darzustellen, wie die« der in Rede stehende Plan darzustellen sich bestred«, sei ein schöner, erhabener und bemernnSwerther Gedanke. Ebenfall» billigt der Referent die Bertheilung in chronologischer