Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 15 (1884)
- Issue
- 15. Jahrgang Nᵒ 4.
- Date
- 1884-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
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— 31 Mit de» erworbenen Rechten haben die Juden auch Pslich ten übernommen. Dieselbe» sind hauptsächlich folgende: 1. Die Matrikel sind ordnu»g«grinäß zu führen; der argen Ivärtiac Zustand, bei tvelchem in Gemeinden mit 1500 «eklen lind« Juni noch kein einziger Geburt«fall immatrikulirt war. ist unitaltbar. 2. Wo keine ordentliche Schule ezistirt. sind die Sinder ,» die gnneinsamen (Simultan-) Schulen z» schicken. :t. Die Rabbiner müsse» qualifizirte, absolvinc Heute sei». Der Talmud allein genügt nicht; sie inüsse» auch weltliche Bildung besitzen. I» die Talmud- Thora-Schulen dürfe» Sinder, die vorerst die Volk«sch»len zu besuche» hal>en. nicht geschickt werden. In all' diesen Beziehungen. fuhr der Sultusminister son. iverde er, insolange nicht diesbezügliche Gesetze geschaffen iverde», int lt<erord»ung«wege verfüge»; vorher werde er jedoch, wir seiten» der Songrrsipartri, auch Vertrauensmänner der Otlhozen zur Beraihung zielte». Schliesgich versicherte der Minister^der Deputation, das, der ungarische Staat die Juden auch ivriterhin in ihrem Leben u»v Vermögen be» schützen iverde: er erwarte jedoch von ihnen, das, sie sich von ihren christliche» Mitbürgern in Sitten unv Gebräuche» »>cht mchr so schroff absonder» und ihre Sinder auch dem Handwerk und Ackerbau zuntende» iverde». 9fu|)lanb. Hketeraturg. (Schluß., Der Ausschluß von Arm lern. Die Juden dürfen nichl Bürgermeister. Altmeister, von Geschworene» in Eriminalfällrn in Westrußland nur und vvl. Ltadträtl-en nur '/, f«tn. Besonder» erniedrigend ist da» an den Orten, wo die Juden in überwiegender Majorität sind. Die unmvtivirtr Verminderung der jüdische» Militairarztr aus 5 '/, steht im Widerspruch mit den Gesetzen von 1861 Alle» Andere steht ihnen gesetzlich ossrn, de faoto aber ist ihnen Alle» verschlossen. Höchsten« zehn jüdische Etaaiabeamte girbt» (die meisten im Justtzfach«) und einen jüdischen Offizier I Run kommt die falsche und verkehrte Äesetze»au»legung. Da« Recht der ausgedienten Soldaten, überall zu wohnen, wird in manchen Orten den Juden bestritten, weil e« im Militairdienstgesetz von 1874 nicht wiederholt bestätigt ist. obschon e» >» Gesetzen von 1876 und 1879 ausdrücklich hervorgrhoben wird. Da« Gesetz von 1858 betreffend da» Verbot sür Jude? innerhalb 50 Werst von der Grenze zu wohnen, ist widersinnig mit rückwirkender Srast auf dir Juden Brssarabien« angewendel worden, welche» erst von Rumänien an Rußland abgetreten worden ist. Die Vertreibung au« dm Dörfern, au» Siew, die Apothekerfrage, zeigm, wir Willkühr und nicht Gesetz maßgebend ist. Zum Schluß weist er aus da» Gesetz ohne Strafe für seine Verletzung (da« Halten christlicher Dienstboten) hi>>, da« trotzdem von einzelnen Behörden al« noch zu Recht bestehend erachtet wird. Au« dem IV. Abschnitt Einige« nächsten«. Ker«ifch1e und neuefte Nachrichten. Htzerkl« Bei der Berrdigung«frier Eduard LaSker» i» der Synagoge wird außer dmi Rabbiner (Tr. Frankl) »ur Schenk Freiherr v. Stauffenberg eine Ansprache halten. Bei der (Yedächtnißfeier, die an> Abend de« Beerdigungstage« (voraussichtlich Montag 28. Januar) in> Saale der Singakademie stattfindet, wird zuerst der Aba. Dr. Ludwig Bamberger und sodann Professor Albert Hänel dir Verdienste de« Dahingeschiedenrn würdigen. Herr Rickert hält die (Ndächtnißrrde im berliner Handwerkerverri» ain ti. Februar. HtzerN«. Am 7. d«. Mt«, verschied hier Prediger Df. Chronik, der früher eine äußerst reformatorische Thätigieit al» Prediger in Holland und Amerika entwickelt, späterlji» >n schriftstellerischer Arbeit diesem Zwecke gedimt hat. Da» gegmwärug von der hiesigm israelitischen Refonngemeind« bmutzte Gebetbuch ist unter seiner Redaktion entstanden. Zuletzt gab er hier »Zeichen der Zeitheraus, daß er dainit nicht reüssirtc und kümmerlich sein Leben fristete, ivar auch ein Zeichen der Zeit. Wreski«. Dr. Livn. der. wie bekannt, wegen Majestät«- belridigung. zu einer Festu»g«haft von sechs Mrnaten vrructheilt worden war. ist vom Saiser begnadigt worden. (Der Magistrat und die Stadtverordneten von Breslau hatten mit einer an Einstimmigkeit grenzenden Mehrheit ein Gnadengesuch beim Saiser ekngereicht.) M»»»ß«l«, 2». Decbr. Ein Süiistler. welcher in Speyer in einer geschlossene» Gesellschaft im Münchskostüm eine Bierpredigt vvrtrng. ist von der Frankenthaler Straffammer wegen Vergehen« gegen die Religion zu drei Tagen Ge> f ä » g n i ß und in dir Svsten verurtheilt. (.Ouarg-, Operetten* Gesellschaft aber verhöhnt noch immer jüd. Eultu-einrichtungen aus offener Bühne.) 8. Bon beut hier domicilirende» Herrn Dr. S. Ladenburg. Vater de» jüngst von der Universität Siel zum Rector »lagnific»« ernannten Pros. Dr. Lade nburg erfahre ich soeben, daß Letzterer die Bestätigung seiner Würdt' Anfang Januar erhalte» l»at. Jtamlittg. Am vorigen Sonnabend Abend hielt Dr. Jona» vor fchr zahlreicher Versammlung eine» Vortrag ilb« den Propheten Elia. Redner schilderte die Entstehung und Entwicklung der Prophetie, die. zunächst al» Ergänzung de» Priestrrtl»»»» auftretend, sich besonder» in den Zeile» de» nationalen Verfall» al» Betvahrcriu de» religiöse» Sinne» beivährtc. I» einer solchen Zeit trat Elia aus, eine so mächtige und imposante Persönlichkeit, daß er i» der Ueberlieferung de« Volke» al« nie gestorben galt, al« der überall «Gegenwärtige und Rächer, als derjenige angerusen ward, der endlich alle »»gelösten Fragen beant» ivorten und dereinst al» Vorläufer de» Messias erscheinen iverde. Im Anschluß Hiera» wurden in geschickter Gruppirung die hervorragende» Momente au» dem Leben und Wirken de» Manne« hervorgrhoben, der. wie er gelebt, im Sturme schied. Kökn, 7. Januar. Gestern ist hier da» neuerbaute i»raelititschc Lehrerse»ii»ar-Äcbäude — von dem ehemalige» Düsseldorfer, jetzige» Posencr Rabbiner Dr. Feilchenfeld!jegründet — cingeiveiht worden. Diese Lehranstalt will Haupt» Schlich dem Bedürfniß der kleineren westlichen Gemeinde» nach jüdische» Lehrer» entgegenkomme»: Direktor ist Dr. Plat».*> ArauKkurl «. M. Die „Frkf. Ztg." bringt die Mittheilung, daß die kürzlich von Stnltgart verlegte American Public Library (amerikanische» Lefe-Jnstitut) zur Grundlage einer zu bildende» Laskcr- Stiftung gemacht werden soll. 7«ii* Die mechanische Abthcilung der Akademie der Wissenschasten hat Herr Moritz Levy in erster Reihe für die Wahl al» Mitglied de» Institut de France präsentirt, der a uch am :tt. Drcember v. I«. gewählt worden ist. Veter«ß»rg. Rach der Zählung von 1881 wohnen hier 16,826 Jude». Dr. Schwabacher in Odessa hat in seiner Predigt am ersten Chanuka-Abendc die Gründung einer Eolonie i» Palästina angeregt, welche den Namen „Montrfiore" tragen und eine Ehrengabe der Gemeinde Odessa a» Sir Mose« zu dessen IVUsten Geburtstage bilden soll. Der Bischof von Liverpool hat sich über den in London von Hofpredigcr Stöcker gehaltenen Vortrag, i» der nachfolgenden Weise geäußert: „Ich habe nicht die geringste Sympathie mit der antisemitische» Bewegung und ich vermag dieselbe nicht z» verstehe» Mir erscheint sie al« der schwärzeste Flecken im deutschen Charakter. Ein Sreuzzug um ein Volk, da« geliebt wird um de« Vater» willen, ttub dem so viele Versprechungen gegeben wurden, rin solcher Sren.zzug von Bekennern de« Christenthum» geführt, ist mir ganz unverständlich-. In Ve»-?forR besuchte La»ker die Sabbathschulc in der Gemeinde de« .Herrn Dr. .H n b s ch und in Cincinnati stattete er dein Rabbiner-Seminar einen Besuch ab und hielt eine kurze A»spracl)c an dessen Zöglinge. (Unser Cvrresp. hat noch keine Ahnung von dem erfolgten Ableben LaSkcr»..) •7 Der lit vor. Ar. „ich »ein .Verl. läget»." milgelheiüe Vorfall vv» de» einjädriften lt,»erslich»»g»dasl de« M. Lion iilcr leibet und) einer Berichtigung de» Ziaa>«ann>n(>e» an UnrichiigteNe». Der ttngetlagie dal sich so lange in ltmersuchang. aber nid» in Haft, (>es»uden. er ivurde al» »nid» iidersiihrl" sreigesprochen.