Israelitische Schulzeitung
- Journal
- Israelitische Schulzeitung
- Volume
- 1 (1882). Bestand UB Ffm
- Issue
- 5-6 (6.1882)
- Date
- 1882-06-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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M 5 6 .מ. Mai, Juni 1882. 1• Israelitische Schulzeitung. pädagogische Slätter für Schule und Haus. Unter Mitwirkung jüdischer Schulmänner Dr. M. Rahmer, Rabbiner in Magdeburg hera»«gegedrn »an Dr. Th. XIxoner, Landrabbiner in Siudllengifeld. Di« n3*r«ulitif4r ÄdniUcitung* erscheint als pädagogisch« Leilag« ,ur ״Israelitischen Lochenschrist" vorläufig m monatlichen Zwischcnräumen und für di« Abonnenten dcr »Wochenschrift" gratis.— Man kann aus dicselbe auch besonderadonniren. aber nur direct bei der ״Epped. der I«r. Wochen sch. ist" in Magdeburg, oder bei Herr» Robert Kries« in PeipziW. Da« Abonnement beträgt pro Quartal ES Ps. Insernt«» die gespaltene Zeile 20 Ps., sür jud. Lultuabeamte 10 Ps. — Ein»rln« Rummern vrrs.noet de iLrv-o>lion » 10 Pjg. franco. Srziehung-lehre für Israeliten.*) Die aus wahrer Menschlichket beruhenden pädagogischen Ideen berücksichtigen die Lindesnatur an sich, deren naturgemäßen Entwickelungsgang; e« muß daher der vernünftig denkende Pädagoge gleichsam dem Oden der Natur lauschen, um seine verantwortungsvolle Aufgabe auf würdige, dem hohen Zweck de» Menschenlebens entsprechende Weise lösen zu können. Das Naturwalten muß den Maßstab bilden für unsere Wirksamkeit, wenn sie eine segensreiche sein soll (Mikrokosmu» — Makrokosmus.) Das Wort Diesterweg'a: Jeder Lehrer soll ein Naturforscher sein" hat in dem Angedeuleten sein« tiefe Begründung. In der Natur herrscht Einheit in der Mannigfaltigkeit; die Menschheit soll diese Harmonie wiederspiegeln. Es müssen alle Hebel in Bewegung gesetzt werden, um die von den meisten Theologen sorgsam gepflegten religiösen Borurtheile von dem leichtempfänglichen Lindesgemüthe fern zu halten. (Friedrich Wilhelm III. sagte einmal: ״Es will mir oft scheinen, als ob c» eine Theologie gebe ohne Religion"). Die einzelne Menschen trennenden sog. H e i l »(?)lehren sollen dem Linde erst dann zugeführt werde», wenn in ihm eine genügende Grundlage für die die ganze Menschheit umfassenden Ideen geschaffen ist, die alsdann auf die divcrgirenden Neligionaansichten versöhnend wirken werden. Gottlob predigt unscr Buch der Bücher, die heilige Schrift, an vielen, vielen Stellen die Zusammenge- Hörigkeit de« Menschengeschlechts. Und der Glaube an die Menschheit birgt die beruhigende Erkenntniß in sich, daß die geistige Entwickelung der Menschheit st e t i g fortschreitet, wenn sie auch nur nach Jahrhunderten und Jahrtausenden bemessen «erden kann. H u m a n i t ä t ist, wie gesagt, die treibende Kraft und zugleich der Zielpunkt der Pädagogik. Wer diesen Satz leugnet steuert dem rohesten Barbarismua zu. Allgemeine pädagogische Wahrheiten sind nicht abhängig von dem individurllen consessionellen Standpunkte, wir können uns darum auch nicht erwärnien für »Schulkunden" mit spezifisch christlicher oder spez. jüdischer Tendenz. (Anders ist eine wissen¬ *) Ertichungtlehr« sür Israeliten. Sin« praktilche Anleitung zu einer religchssiitiichrn Erziehung und Unterweisung der Uinder oon I. Singer. Preis 1.7b Mark. schaftliche Vergleichung der in Bibel und Talmud enthaltenen erziehlichen Grundsätze mit denen das Pythagoras, sokrates, Plato, Aristoteles — der Scholastiker, der Jesuiten, des Comenius, des Franke u. s. «.). — Ueberdies ist die ״jüdische Schule" nach moderner Auffasiung so kurzen Datums, daß von einer ״jüdischen Pädagogik" füglich gar keine Nede sein kann. Man denke daran, daß die erste evangelische Schulkunde im Jahre 1855 von dem noch jetzt lebenden Schulrath Bormann verfaßt worden ist — nachdem ein Comenius, ein Pestalozzi, anderer Größen nicht zu gedenken, Bahnbrecher auf dem Gebiete der Pädagogik gewesen waren. An jüdischen Pädagogen von hervorragender Größe fehlt es uns noch. Doch haben ,vir schon seit dem Jahre 1865 eine ״Erziehungslehre für i»r. Eltern, Lehrer" von A. Lederer in Pcsth. Eigenthümlicherwcise ist auch die uns vorliegende, erst kürzlich erschienene ״Erziehungslehre" auf östereichischen Boden entstanden. Da« 30 Seiten lange Vorwort befaßt sich mit Widerlegungen des ״Talmudjuden" und sonstiger antisemitischer Verleumdungen. Es ist auffallend, daß der Vers. Delitzsch' Schrift gegen den ״Talmudjuden" gar nicht zu kennen scheint. Die ״Erziehungslehre" an sich enthält 20 Capitel. 1. Von dem wahren und hohen Werths der Linder. 2. Von der Mutter als erster Pflegen» und Erzieherin. 3. Vom Vater, als eigentlichen Erzieher. 4. Die körperl. Erziehung. 5. Von der geistigen Erziehung. In diesem Cap. erklärt uns der Vers, daß die im Lind sich befindenden Geisteskräfte eriveckt und angeregt werden sollen. Aber welches Mittel empfiehlt er den Eltern?! ״Man laff« da» Lind z. B. einige seiner Lörpertheile nennen, oder nenne sie ihm selbst und laffe sie dann von ihm richtig nachsprechen. Z. B. die Augen, Ohren, Hände oder Füße. Dann frage inan es nach dem Gebrauche derselben". Das ist derselbe Fehler, in den Pestalozzi verfiel, der von den Kindern sagen ließ: ״Die hintern Daumenknöchel liegen außen an den hintern Daumengelenken zwischen den Mittelhänden und den hinlern Gliedern der Daumen", (Siehe Pestalozzi'« Buch der Mutter.) Fichte sagt mit vollem Rechte in seinen Reden an die deutsche Nation: ״Das Pestalozzi'sche Buch für die Mütter lediglich als erste Grundlage de» Unterricht« betrachtet, ist der Inhalt deffrlben, der Körper de» Lindes, ein vollkom-