Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 13 (1882)
- Issue
- 13. Jahrgang Nᵒ 52.
- Date
- 1882-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
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402 Interesse de» StaatSwohl« tragen, verschwindend klein ist, bewilligte, Herr Szalay sprach auch das große Wort gelassen aus. daß alle Juden in Ungarn vom nationalökonomischen Standpunktc aus beschäftigungslos seien, wobei wahrscheinlich der geehrte Redner die systematisch lxtriebene Iudenhetze vom ökonomischen Standpunkte aus für sehr produktiv hält. Herr Szalay sollte rin Patent nehmen auf seine hohe nationvlökonomische Weisheit! Ein Sprung von dem ungarischen Abgcordnetenhause nach dem öslrrrcichischen Rcichsrath liegt nicht - allzu fern. Au» den politischen Zeitungen »verdcn die geschätzten Leser wissen, daß in Oesterreich die alten Zünfte, die man längst todt glaubte, wieder zu neuem Leben auferweckt »vcrden sollen, daß von Jedem, der ein Handwerk treiben will, vorerst der Befähigungsnachweis gefordert wird. Was das nur ein jüd. Blatt angeht'? — wird so mancher Lehrer fragen. Run, man wollte einen Trumps gegen das Judcnthum ausspielen. Fürst AloiS Lichtrnslrin klagte die bisherige Gesetzgebung an, daß sie nur das Capital lxgünstigtc und hiermit der Rare, die das Capital in Handelt hat. zur unumschränkte», drückend empfundenen Herrsel»aft verholsen hat. Dcßhalb müsse diese Gesetzgebung mit Stumps und Stiel ausgervltct werden und eine neue an ihre Stelle treten, die von der Auffassung au«- gehr, daß jeder Beruf, den der einzelne ergreift, ein ihm vom Staate verliehenes Amt sei Letztere Anschauung ist stark sorialistisch und da wir nicht in den Geruch kommen wollen, socialistische Lehren zu propagiren, so wollen wir für heute adbrechen und nur noch die Bemerkung machen, daß auch der »Giftbaum der Börse* voin Rcfcrentm Grasen Bclcrcdi mit einiarn liebenswürdige» Complimrntrn bedacht wurde in Entgegnung auf eine ga»j ausgezeichnete Rede des jüdischen Abgeordneten Ritter v, Sochor. 8--t. Gerichte und Corrrlpondrureu. Deutschland. In» de« fffth. (Or.Corr.) lieber die Petition de» Hilföpsarrer Walter zu Bcrgbirten, worüber ich Ihnen bereits Bericht erstattete. »velche in ihrem Schlußantrag dahin geht, die Gehälter der katholischen Geistlichen durch Erhöhung denen der protestantischen und jüdischen gleichzustelle» oder die Gelallter der beiden letzteren auf den Betrag der erstercn herabzusetzen, erstattete am Bezirkv-rag de» Unter-Elsaß vom 1. Dcermber Mitglied Schäfer den Bericht der vierten Commission, welcher die Petition zur Berücksichtigung nnpfichlt. Professor Gognel erklärt Namen» der Commission, daß diese sich gewissen Ausführungen der Petition nicht anschließen könne. Mitglied Pick mißbilliatr es. daß der Commissionsbericht gerade diese Ausführungen mit Stillschweigen übergeht und die Petition einfach zur Berücksichtigung empfiehlt. Gegen d e Erhöhung der Gelsältcr der katholischen Geistlichen habe er nicht» zu erinnern. Das Ansinnen aber, wenn dieses nicht gelingen sollte, diejenigen andern Glaubensgenossen zu ermäßigen, könne er kcilirswegs als ein Werk christlicher Liebe erachten. In glcichem Sinne sprachen sich die Mitglieder Gie«, North und Gunzert au«. Mitglied Or. Adam beantragte die Gleichstellung der Besoldungen der Geistlichen und Mitglied Schäfer erklärte, die Eommission habe keine Herabsetzung der Gehälter der protestantischen und jüdischen Geistlichen beabsichtigt, sondern nur Gleichstellung lämmtlicher Eonfessionm. Rach dem Borschlag de« Landgericht«. Direkter« Or. Gunzert beschloß der Bczirt«lag— ohne sich gewissen Au«führungen de« Bittsteller« anzuschlteße« — die Aufbesserung der Gehälter der katholischen Geistlichen zu befür- Worten. — Die in Mülhausen wegen Umgehung der Militairpflich» seit fünf Wochen verhafteten jüdischen jungen Leute sind am 4. d. Mts. gegen Caution entlassni worden. Daraus schließt man. daß die Voruntersuchung beendet sein muß. . K««t»rg, 21. Derember. (Or. Corr) Bor einigen Tagen brachte die „Reform* ein »Eingesandt* des Or. Sennewald. Lehrers an der Talmud-Toraschulk, zum Abdruck, etwa folgenden Inhalts: Or. S. klagt darüber, daß ihm vom Obcrrabbincr Stern, dem Ephoru« der Schule, nicht gestattet worden, zu der für die Beerdigung seines etwa vicrzehntägigcn Lindes festgesetzten Stunde die Schule zu verlassen, während er einem jüdischen Collegen sogar einen Urlaub ettheilt hätte, einen kranken Bruder zu besuchen und als dieser gestorben, die achttägige Trauer im Hause abzuhalten. Anfangs hielt man im Publikum eine solche Handlungsweise vom Oberrabbinrr unglaublich; man ko»nte sich nicht denken, daß er so unverantwortlich l-andrln könne, in einer Zeit wie die jetzige die Folgen, welche daran« entstehen konnten, nicht zu bedenken; — als aber die Wahrheit sich hcrausstrlltr, war die Entrüstung eine allgemeine und nicht nur in jüdischen «reisen, sondern selbst in christlichen ivard der Rus vernommen, ei» solcher Man» dürfe nicht länger an der Spitze einer Bcrwaltung stehen, er compromittire dicscllx und provocire einen Racenhaß, von dem wir hier, Gott sei Dank, bisher nichts verspüren. Die Dircction der Schule trat in Folge dessen Tag» darauf zusammen und richtete ein Schreiben a» die Redaction der »Reform*, worin sic ihr Bedauern darüber ausdrückte, daß Or. S. nicht vor der Veröffentlichung den ihm bekannten Weg der Beschwerde bei dem Vorsitzenden eingeschlagen, der ihm die Erlaubniß sicher nicht ve> weigert l-ätie und sich mißbilligend über die Handlungsiveise des Oberrabbiner« aassprach. Hoffentlich wird die Angelegenheit damit ihre Erledigung finden*- und nicht durch an'isemitische Federn »ocki »veiler aufgebauscht und entstellt werden. Am vorigen Sonntag fand znm ersten Male durch den Prediger des israelitischen Temprlvrrbands. Or. Jona», dir Trauung eines Paars nach jüdischen» Ritus statt, trotzdem der Bräutigam als Kind nicht in de» Bund Abral)ain aufgenommen »vorden war. Die Zustiinmung der Dircction soll »nit schivachcr Majorität erfolgt sei», nachdem Herr Or. I. rin Gutachten dahin al>gegclxn. daß er keinen Unterschied darin erblicke, ob Jemand da« Gesetz der Beschncidung oder rin andere« mit gleicher Strafe lxdrvhtrS übertrete. Berichtigend bemerke ich zu der von der »Wochenschrift* in voriger Nummer gebrachten Mittl»eilu»g, daß Or. Leimdörfer nicht zum Rabbiner svndern zum Prediger am israelitischen Tenipel erwählt worden.**) Während die hiesige Missionsgescllschaft e« sich viel Geld kosten läßt, Juden zum Christcnthumc überzuführen und kürzlich sogar einen öffentlichen Gottcsdirnft bei der Taufe dreier Evnvcrtiten veranstaltete, erhielt der Tempelverband sowohl wie sein Prediger jüngst eine namhafte Summe Geldes von der christlichen Wittive eines vor einigen Jahren verstorbenen Juden, damit sie Aufnahme im Judenthume finde und eine Ruhestätte neben dem Grabe ihre« Gatten eiwerbeii könne. Stuttgart, 12. Decembcr. (Or.-Corr.) Dem Hofmusiku» W. Schwab ach er in Stuttgart wurde von Sr. Majestät dem «ünig Karl au« Anlaß der Vollendung seine« 48. D'cnstjahre« an der ft. Hofkapelle die goldene Civil» verdirnst Medaille am Bande de« ftronordenS verliehen. *) vir unterdrücken au» diesem Grund« einen anderen au« Hamburg un» zugegangenen Berich», der die Intoleranz de» Herrn Ober radviaer» mit scharfen wohlverdienten «Berten geibeit. Hier hat sich da» l'tz» UÖO rS“UM 1DD3 BW BW VtzNV.1 »**« so recht erfüllt. ' »Ne».) **> Uit« komm! e* weniger aus de« Titel »l« aus dt» Tdütlgtri» a». Der ist un» der «echt» Naddlner, der l« O«.str Hiüel» lebt und lehr«. (Red.)