Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 13 (1882)
- Issue
- 13. Jahrgang Nᵒ 45.
- Date
- 1882-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
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in Sir Emerson Tennant« Such der .Pionier, der Zivilisation in.•r9lmi"_eflunat wird. Mehr all 'Jt Jahrhundert lang nahen der Berstnrdrnk -in. der LÜtz sowochl wie in der Gesellschaft del Westendes eine h.'rvorragend« Stellung rin. Den Baronütel verlieh ihw der Kaiser von Oesterreich, und dieser Titel wurde von der Königin von England mit Rücksicht aus seine Verdienst« um di« Entwickelung Ceylon« durch königl Beschluß auch fllr England bestätigt. Bon seinen beiden Söhnen ist de» eine Herny. dal vielgenannte rege und beredte Parlamentsmitglied für Greenwich. (Köln. Zeit.) Rnsland. Die »Rowo Weremja" (dal »Racenblatt") berichtet, daß ein MLdchengymnasiu», von ZrkalerinoSlaw von SSä Schülerinnen 175 Jüdinnen sind. Leider Gottes merkt man in den Gemeinden noch nicht viel von Bildung. Prügeln in de» Synagogen, Haß und Streit der dümmst-a Dinge wegen schänden das Leben der Juden, Am Simcha«. Tboia haben Chaffidim in Breinsk (Horadno) »inen vmd des .Hawetiz" i» der Schänke'entdeckt, ihn voller Wuth in Stücke geriss n und diese verbrannt! In Vresin bruunteu a« 12 Oktober mehr all 100 Häuser nebst allen Bote Midrasch ab. (Hameliz) Feuilleton. Kaiser Wilhelm und die Aüdin. Ein« deutsche Geschichie und Urieglerinn», unq von »over« «teuer. (Schluß.) »Gebhard, denke an Deine Mutter!" »Wie kaltsinnig Du sei» kannst. Sara — was hat wohl »eine Mutter, was Hai Allel dal. ival unsere Eltern miteinander gedadt haben, mit unserer Liebe zu thun? Sage «o heraus, liebst Du mich o:er liebst Du mich nicht?" Sara beugt, fich über den Kors ihres Gebhard und in «in-in langen, langen Kuffr verschwamme» zwei deutsch« Seele» im Schlosse der französischen König» in dem in ein« Ambulance nmgewantelte» Gemäldesaal, m welchem «tat unterhalb der Darstellung sranzötchen Ruhmes «in deutscher Held seine Seelaueg,haucht hätte, und ein deutscher König gewandelt. Der todte Bruder konnte nicht mehr Zeuge dieser Seen, sein, aber einen lebend«» Zeugen hatte sie doch gehabt. Lieutenant Schumann war hereing,treten. Er war täglich getom»'«», nm den schwerverwundete» Freunden seinen Besuch »u machen. Die Kunde von dem lode des Unteroffizier« Saalseid hatte >h» gleich Mm Eintritt ins Sä lob erreicht. Er trat vor die Leiche und drückte stumm sein, Thetlnahme au dem Tod« des Freundes dem Paare aus, das Arm in Arm daneben stand. »Bor allen Dingen muß seht nach Berlin geschrieben werden," benerkie Gebhard von Malberg. »Ach ich kan» ja nicht mehr schreib«!', Schumann, wie wäre es, wenn Du an «eine Eltern schrrrden — ich kann doch damit keinen Fremd«n beau'tragen." Lieutenant Schum«»» gerieth in sichtliche Verlegenheit, dis er sich zu den Worte» sammelte: »Lieber Malberg, Du wirft mir Zutrauen, derb ich größere Dienste Dir abzuichiagen unfähig bin. Laß mich heute in dieser ernst, n Stunde, offen über «in« Sach« sprechen, in der man Dich, ich weiß nicht, aus welchem Grunde, in auffallender Unk.nntniß erhalten hat. Ich bin in Deinen Auge» tinmer noch der alte, geiiebie Hausgenosse und Freund Deiner Familie, der geschätzte Lehrer Deiner Geschwister, das bin ich für Deine Eltern schon lang« nicht mehr. Ich bin von ihnen in einem schlimmen Zerwürsn!ß geschieden. Ich liebt« Deine Schwester Clärch.n, sie mich. Di« Entdeckung unseres Verhältniss.s kostete mich meine Stelle all Hauslehrer und die langjährige Freundschaft, tie ich b.i Euch gesund«». Als Evangelischer, als ein Bürgerlicher, der el nicht wagen durste, dis zur Baronesse Elara emporzublicken, mußt« ich über Hals und Bein Lanthtn verlassen. Daher die Reserve, mit der ich als Lamered in demselben Bataillon mich anfangs gegen Dich verdiekt . . . ." »Schumann, liebst Du meine Schwester noch?* »Ich hänge an Llärchen mit allen Fasern meiner Seele." »Bist Du ihrer Lieb« sicher?" »Ich glaube es." »Run, dauu mache mir mal mit Sara hier vor mir aut dem Bett rin Gerüst zurecht, legt einen Briefbogen darauf, gebt mir einen Bleistift, ich will zum ersten Male die linke Hand zum Schreiben gebrauchen, und sollte ich auch nur ein Dutzend Worte zusammenkritzeln.' Gebhard von Maibera dachte einen Augenblick nach. Dann schrieb oder malte er langsam: »Liebe Eltern, mein Lebensretter ist bei Gott, meine Pflegerin meine Braut; der König selber hat unser: Hände zusainmengesügt. Sara bittet mit mir um Euren Segen. Um gleichen Segen bitte ich für meine» besten Freund Schumann und Clärchen. Euer Gebhard." » * * Es war gegen End« des Monats Januar 1871. Seit einer Woche schon batte der streng« Winter heiteren Sonnentagen Platz gemacht. Rach dem Schlosse Eanthin in Oberschlesie» waren eben wichtige Rachrichteu gekommen, oie Versailler Friedens-Präliminarien waren abgeschlossen. Der junge Baron von Malberg, dem die Amputationwunde glücklich ohne Eiterung geheilt und die verlorene Hand durch eine künstliche ersetzt war. war von Versailles mit der inzwischen ihm bürgerlich copulirteu Gattin uns in Begleitung de» Lieutenant Schumann, der auf zwei Wochen Urlaub erhalten, abgereift. Sie mußten »ach dem letzten, von Saarbrücken geschriebenen Briese am 31. Januar Rachnnttags, aus der nächsten Eisenbahnstation eintreffen. Dahin fuhcen von Eanthin der alte Baron und Willy, um die ersehnten Gäste einzuholen. Im Schloss« Eanthin abe.- war tf^« Treiben. Ein Hochzeit»- und ei» Berlobungsmahl wurden zuglei- «er Zeit zugerichtrt Di« alte Baronin blickte ernst dazu. Es tonnt« aber kaum zweifelhast sein, daß ihre Pflichten als Hauswirih»» und Gastgeberin, Pflichten, die st« stets sehr ernst genommen, r» waren, tut ihrrm Antlitz da» strenge Gepräge gaben. Was so" ich vom Hochzeits- und V rlobungsmahle sage»? Es ivar, ivie man sich denken kann, li» freudig ernstes. Rach ansgehobener lasel suchte die junge Gutsherrschast alle die bekannlen Räume im Schloss« und im Park« aus, die unzählige Erinnerungen bei »hnen hrrvorriesen. Lieutenant Schumann aber und sein Elärchen wanvelren die lange Buchenalle« enilang. unter deren dichlen Schallen sie. einst an lauen Sommerabenden, scheu um sich blickend, die ersten Schwüre gewechsen. Sie erzählt.» sich, was sie seit ihrer Trennung gelitten» daß sie, sie i» der Potsdamer Straße in b.rlin, er vor Weißenburg und Worth bi» Versailles mit den Ekdanken immer bet einander gewesen. »v. ich habe Deine Schrützüge wohl erkannt," sagte Llärchen, »als Du meiueu armen Eltern das Geld schicktest." »SchweigLlärchen. Ich hall« Mammon vollauf tiu Kriege, kounle daher mein Gehalt als Lehrer, da« ich i» Reustadt weiter bezog, wohl entbehre», sage davon nur Deuter Mutter nichts." »O, da» weiß Ich schon. Al« dcr erste Briet, den Gebhard mit der Linke» geschileben, ankam und der Pater ihn vorlas: Mein Retter ist bet Gott, mein« Pflegerin meine Braut ..... da weinten wir Alle, meine Mutter aber schlug dir Hände über den Kops zusammen. Gebhard und Sara, Du und ich. da» war ihr zu viel. Der Baler aber sagte ihr: Laß da« gut fein, Mama, Jstdor hat Gebhard gerettet, Sara rettete uns Alle. Ich aber sagte zu Mama: »Und Schumann hat uns am 1. Oktober gerettet." — »Der König hat sie vereinigt," sagte mein Bater. »Und Du. Mama, ver>twg'st uns," sag:« ich." »Und sie hat'» durch Kopfnicken bestätigt." So hatte der siegreich« Krieg auch di« Borurtheil« des Standes und der Lbstammung über den Haufen geworfen uno zwei glücklich« Herzensbündiiisse geschlossen.