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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1882-01-01 · 13. Jahrgang Nᵒ 42. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
13 (1882)
Issue
13. Jahrgang Nᵒ 42.
Date
1882-01-01
Page
[Seite] (sequence 7)
Language
German
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— 627 — Fe ui He ts». Kaiser MlhÜ^aad die Jüdin. 9me bmtfe«« Geschichte unk ltH(t<vnnnmmg son R»k(tt Mecher. (Fortsetzung) S« mi am 1. D.tobtr 187Cy fr b«c, Mmgeitflund« zwischen 8 und S Uhr. In der LqtSdamersiraße, da, wo'Berlin ansängt, in da» Dorf tzchoneberg üderzitgeheu, in der einsamen Stille am botanischen Saiten, in einem von dem spekulativen Wirth nochdürftig modernisirten Hanse, drei Treppen hoch, sehen wir ein« ältliche, würdige Dame, die die Spuren verblühter Schönheit noch in starker Ausprägung, und «in kaum achtzehnjährige» Mädchen, da» die ausblühe-d« Schönheit in üppigster Entfaltung zeigt, beide al» Mutter und Tochter leicht erkeuntlich, beide i« .bescheidensten wirthschastlichen Morgenauzuge uub bei ihrer niedrigen häu-lichen Berrichtungen eine vornehme Lournure keine«wegverleugnend, damit beschäftigt, di« zwei Zimmer, au» denen die Wohnung besteht, aufzuräumeu, mit Besen Bürsten, Scheuertüchern tüchtig «mhnzuwirthschaften, Möbel zu verschieben, Geschirr zu'einigen, Fenster zu putzen, während ein sünszehnjährtger Sbvbt, »weit« Gtzmedild der Mutter, Eimer aus Eimer mit Soffer «ml Bnüuken iu^ dritte Stockwerk schleppt und da« Holz, da« er selbst aus dem Hose gespaltet, in oie Küche besorgt. Bor de« Hause ab r geht ein gebeugter alter Herr aüf und ad. Wer Vit Pol«damer Straße heute noch beobachtet, dem kann e« nicht entgehen, wie da regelmäßig de» Morgen», um 8 Uhr herum, bald ein unverkennbarer Seyelmrath, bald ein ebenso erkeuiUlicher Major a. D. auf der Straße «scheint, wie ein Augur nach de« Himmel schaut, da» Wetter zu prüfen, auf und ab promenirt, di« Zeitung«srau empfängt, ihr je nachdem dl« „Boß'sche" oder di« „Germania" abuimmt, wieder einige Toure« macht, dann den Briefträger anredet, di« Briese auf offener Straße liest, von Zeit zu Zeit nach den Fenstern hinausdllckt, um zu sehen, ob die Lüftung vorüber, und dann stch in da« Hau» wieder zurückzieht. 9Ba» soll auch so ein unglücklicher Berliner Miether machen? Er hat zwei oder drei Wohnzimmer, de» Abend« verwandelt er sie in Schlafzimmer, e>ne« für sich und die Frau, eine« für die Söhne und eine« für die Töchter, die Tische werden zusammengeklappt, dafür Bette» ausgeschlagen, »der vom Sophä die Zeitungen und Bücher adgekramt, um vrtlen darauf zu packen, mittelst de« Vettschirme« werden au« einem Zimmer zwei gemacht: de« Morgen» verwandelt sich dann die Bühne wieder, die „versatzstücke", um im Theater-Idiom zu reden, werden umgrtauscht, e» erfolgt der Eouliffen-Wechsel und große Lüftung, «ährend welcher Papa auf der Straße promenirt und Audienzen ertheilt, nämlich der Zeitungsfrau und dem Briefträger. Mit einen« Seufzer, der die Sehnsucht nach Eanthin ausdrücken mochte, wo e» noch besondere Schlafzimmer gab, schaute Herr von Malberg wied>rholentlich nach seiner Wohnung hinaus, die Fenster standen immer noch offen. Auch blieb dir „Germania" recht lange au», ebenso wie der noch ungeduldiger gerade heute erivartete Briefträger. Inzwischen war sein Töchterchen beschästigt ei» über dem Schlofsopha hängende» Bildchen, ein« mittelmäßige Lithographie, etwa» frisch auszuputzen, den Rahmen sammt der Scheibe. „Du solltest da» Bild lieber ganz abnehmen und verstecken", sagt« Frau von Malberg zu ihrer Tochter. „Das Andenken an Eanthin wühlt schon so blutig in unserm Innern herum, daß wir deffer thun. Alle« fem zu halten, wa» die Vergangenheit un» fortrvährend vorführt. . . ." „Du weißt doch aber Mama", sagte Elärchen, „daß Väterchen Nicht davon laffen will. . . . Mir ist da» Bild auch schrecklich. ... Ach, diese» Fenster, da» «var einst da» meine» Zimmer». . . ." „Und da «vohnt« Herr Schumann" fiel Willy ein, sich sein«« Lehrer» erinnernd. I Elärchen trocknete sich eine Thräne. „Diele schattige, düstere Buchen-All«" — diese Worte sprach sie nicht so laut, sondern mehr innerlich — «.«* oft bin ich da glücklich entlang gewandelt und habe ausgeschaut — glücklich? nicht immer!" Jetzt trat Herr v. Malberg ein, mit der „Germania" und mit Briefen m der Hand. Frau von Malberg, Elärchen, Willy stürzten auf ihn zu. „Hat Gebhard geschrieben?" „Einen langen, langen Brief. Alle« steht gut. Sein RegimentS-Eommandeur bat auch geschrieben, eine Karte, er grarulirt zum Eisernen Kreuze — „Gebhard hat da» Eiserne Kreuz erhalten?" „Gewiß, Kinder." „Oh der Brave." E» herrschte freudig« Aufregung in der Famil« Malberg. Wenn schon jede» Lebenszeichen Gebhard», d. h. jeder Brief» der von seiner Hand anlangte, bejubelt wurde, so mußte wotzh die Meldung von der Auszeichnung, die sein Math vor dem Feind« ihm eingebracht, die Freude noch verdoppeln. Der alte Papa hatte kaum Zeit, Hut und Regenschirm abzulegen. So sehr wurde er von den Seinen bestürmt, den langen Brief vorzulesen, damtt der Inhalt von Allen -zu gleicher Zeck vere schlunge» würde. Stehend la« er. während di« Frau Baro» nia auf dem Schlassopha Platz nahm, Elärchen und Willy aber sich vor dem Vater postirten. Der Brief erzählte von der Ankunft vor Pari«, von dem ersten Treffen aus den Höhe«' von Sceauy am 18. September gegen Vinoy, von dem Einzüge und.der E1«st»sernirung in Brrsaikle», von wo da» Bataillon, bei dem Gebhard stand, auf Borposten, nach ('tarches unterhalb de» Mout Valerien marschirt war. Von dl» war der Briet datirt, der ferner meldet«: „Diesen Morgen gab eff eine Festlichkeit, die Vertheilung der ersten, an dar Regiment gelangten Eisernen Kreuz«, zu welcher der Mont Valerien seine Brummstimme lauter als die Tag« zuoor ertönen Uetz» Bon meiner Eompagnie sind zwei Offiziere decorirt worden, außer mir Premier-Lieutenant von.Rosenberg, der sür de« Hauptmann, den wir krank in Epernay zurückgelaffen haben, die Eompagnie führt —" „Also Fritz von Rosenberg auch —" unterbrach hier die Baronin den Vorleser — „Da wollen wir doch ja heute, «och ein Gratulation-schreiben adgehen laffen. Ach, wa» wird die alte Freifrau sich freuen, meine gut« Freunoin, Gertrud v. Rosenberg-Lypinki, geboren« Gräfin ». Reiner»dorf-Paczen»ki« Tenczin —" Eh« di« Baronin zu Ende, hatte der Baron' schon fort« gefahren: „Auf die 11. Eompagnie sind auch zwei Kreuze gefallen, aus den Hauptman» Graf v. Reventlow und den Reserve-Lientenant Schumann. —" „Schumann! riesen wie au» einem Munde Willy und Elärchen. „Lies weiter", warf die Baronin ei». Außer den Offizieren sind bei meiner Eompagnie zwei Unteroffiziere und drei Gemeine —" „Doch nicht mtt demsrlben Eisernen Kreuz?" stel di« varouin wieder ein. „Liebe Frau, die Urkunde vom 11. Juli sagt: Da» Eiserne Kreuz soll ohne Unterschied de» Range» oder Stande» verliehen werden." Frau v. Malberg schüttelte den Kopf, Herr v. Malberg fuhr fort: „Bei der 13. Kompagnie sind nur 1 Unteroffizier und 3 Gemeine ausgezeichnet worden, die Namen der Gemeinen iverden Euch nicht interessiren, der Unteroffizier aber ist Isidor Saal —" Weiter kam der Vorleser nicht. Die Ueberraschung band chm die Zunge. Die Frau varouin aber war vom Sopha ausgestanden und nahm dem Baron den Brief au» den Händen, wie um sich nlit eigenen Augen von dem Inhalt« zu überzeugen, und la» daiin den Brief für sich zu Ende. Der Baron fand erst jetzt Zett, stch zu setzen, um di« „Germania zu überfliegen. (Forsetzung folgt.)

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