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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1882-01-01 · 13. Jahrgang Nᵒ 34. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
13 (1882)
Issue
13. Jahrgang Nᵒ 34.
Date
1882-01-01
Page
[Seite] (sequence 7)
Language
German
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du# dem Lehen «t«s Elntshlhnlten. «»» A. M. (Döttsetznng ) 9fr unertMTtrt* »»trag, btt rintn, alle Hoff« iiuitatn üdsrsteigendfn Glückswechsel bedeutet«, raubt« de» Ueber« rasHn» säst dt« Besinnung, und erst »ach längerer Paus» und st.undltchem Zureden seiten« de« -rasen, gewann er genügst« di» Fassung wieder, »in mit thtänensrüchtem Auge seinen Dank — aber auch «in« Ablehnung zu stammeln. .Wir sehr ich durch Ihr ehrende« Anerbieten mich g«d»de» »nvz» Dank verpstlchtet fühle," sagt« er, .kann ich nicht besser bekunden, al» indem ich «us eine» Posten verzichte, dcffen Lnnahm« metne ksthnsten Erwartungen übersteigen, mir aber auch al« schreiender Mißbrauch Ihre« hochfinntgen Vertrauen« erscheinen würde. Ich habe in meinem Leben nicht« ordentlich gelernt, die Llementarkenntniffe einer Menge nützlicher and »othwfndlger Dinge fehlen mir ganz und gar und der Eingeweihte wird, aus den erste» Blick, eine Unzahl durch den grüßten Fleiß kaum zu ergänzender Lücken gewahren. Wie sollte ich allen Ernste« daran denken, den Ansorderungen eine« so wichtigen Amte» genügen zu können f Rein. Herr «ras. metne gegmwärtige pr.cär« L>ge wird mich nicht bestimmen, dem Sirenengesang der au« Ihren Worten mir e»tgegrn:«»t, Folge zu leisten; »überdies," fügt« er zögernd hinzu, .wollt« ich auch, ich dürste e« gar Mchl wagen;" — und hier erzählte er kurz ohne jede erläuternde Randbemerkung, seine Begegnung mit dem Professor. .Potz Blitz", polterte der «ras, in gutmüthigc« Aerger heraus, ,va» ist wieder einer von der rechten Sorte, di« mir dem ganzen gelehrten TrSvel gründlich verleidet hat. Mein Eaudidot der Philologie. der gewesene.Hauslehrer meiner Binder, war auch so einer voin mötier. 'iltat mußten die armen Jungen nicht für D>nge im stopfe beherbergen! Die Edda, den Ursprung der skandiuaoischrn Götterlehre. die Runenschrift, de» Druideucutt und tausend andere Sachen, deren Ramen ich nicht einmal behalten konnte; und wenn ein stomma in der deutschen Composition fehlte, so stellten sich alle Haare de« Eiudidaten schmustrak« in die Hohe; — wa« aber der Inhalt dieser Komposition war. da« kümmerte ihn weniger, und der «eist seiner Zöglinge schrumpfte, unter un« gesagt, bei tiefer exotischen Eultur, immer mehr zusammen. Da dachte ich mir, nun ist'» genug de« grausamen Spiele«. Ein gelehrter Fachmann, der drei dicke Bände über Pädagogik geschrie» den, konnte den stindern nicht die nothwendignen «rundregeln der ges»nden Bernunft beibringen, vielleicht findet ein einfacher, gescheuter Mensch, der vom Ballaste de« deruf-nläßigcn strimSkram« nicht lnhindert ist, eher de» richtigrn 2veg. Sie wissen genug, mein Zieund. zu diesem Zwecke, und würden Sie weniger verstehen, e« wäre mir schier lieber. .Ueberdie«," fuhr er ernster fort, »sorgen allerlei Maitre«, die mit den» handwerk«- mäßigen Rüstzeug versehen sind, für di« moderne Au-stattung de« inneren stopfe«. Da wird in allen inöglichen lebendigen und auch wdten Sprachen die Zeit nach beliebter Methode rodtgefchtagen. Bon Ihnen verlange ich nur, daß Sie die Knoden in ihrer Muttersprache richtig denken, sprechen und schreiben lehr>n und den heimischen Boden genugsani kräftigen, damit er die ergiebige Saat ausländischer Samenkörncr leichter ertrage." Dieser aufmunternken UederredungSkunst gegenüber erlahmte jeder weiter« Widerstand; und da auch Magnu» der a'so degränzten Ausgabe sich vollständig gewachsen fühlte, so wurden die Bedingungen de» Vertrage« sofort stipulirt und sei» Einzug in'« Hau« für den nächsten Tag festgesetzt. Lin geschmackvoll und bequem eingerichtete« Zimmer mit der Autficht aus den großen Hausgarten, wurde am folgenden Tag« de« neuen Erzieher, zu alleinigem Gebrauche angewiesen und in den beiden ruhigen, artigen stnaben von 18—14 Jahren seine Schüler chm vorgestellt. Rach getroffener BereinbaiNug fetten einige Stunden de« Tage«, der Aufsicht der für di« anderen Lehrer bestimmten Arbelten, einige dem selbstständigen Unterricht gewidmet sein; die übrige Tageszeit und die Abend«, an denen er die stnaben nicht in» Theater begleiten mußte, waren dem Hauslehrer zu eigener Verwendung überlaffen, wenn er e« nicht vorztehrn sollt«, an den.!l»liten. lm engeren Fautilienzirkel verlfbten Thsenbemden sich zu bsthetltgen. Bon diesem huldvollen Zugeständntß inacht« rr vor» läufig keinen Gebrauch. »inen desto ausgedehnteren hingegen von der Erlaubniß, au» der prachtvollen Bidliochek, süt Unterricht«' und Privatzwccke, di« nüthigen Requisiten zu holen, oder auch daselbst in vergilbten, werthvollen Folianten zu blättern. — So lebte er in dem groben, von zahllosen veiuchern, von Musik und Tanz oft widerhallenden Schlöffe, in einen« stillen Winkel, still für sich hin, überglücklich wie er e» noch zu keiner Zeit seine« Leben« gewesen. — Roch hatte er, außer mit seilten Zöglingen und ihren« gütige» Pater, mit keinem Menschen im Hause «in Wort gewechselt und auch da« Bedürfniß nach Umgang und Mttth«llu»g war bi« nu>« noch nicht rege geworden. Stach und nach drängt« sich ihm tndrß dt« Ueberzeuguug aus, daß eine Annährung au se«n« Eollegen, im Interesse der geineinschaftlichen Sache, der sie dienten, dringend geboten sei, und wie wenig die« auch seiner Steigung entsprach, so ließ er e« doch an wiederholten, freundlichen Versuchen nicht fehlen. Die kühle, steife, ja ablehnenvr Haltung der Herren vom Fache dem Eindringling gegenüber, belehrte diesen zur Genüge, daß ein Perständniß hier nicht zu erzielen wäre, und ob auch diese ihm ausgrzwungenr Isolirthnt. für ihn persönlich durchaus keine Entbehrung bedeutete, so schmerzte sie ihn doch im Hinblick auf die Erziehung, di« unter dem Mangel eine« Gedankenaustausche« der Mitarbeiter, »othwenbig leiden mußte. Ein paar harmlos« Fragen sollte» diese« gewiffe Etwa», den unausgesprochenen Antagoni«mu«, der in der Luft schivebtr, zu Heller Feindschaft ansachen. In seiner klaren, ruhigrn Weise trug einst MagnuS seine Schüler nach Ziel und Bedeutung de« Alexanderzuge« nach Asien, bann der strenzzüge. Al» e« sich herausstellte, daß die stnaben von den folgenreichsten Episoden der Geschichte nichts al« zuverläffig« Daten und äußere Vorkommnisse zu berichten hatten, so folgte eine eingehende Besprechung der angeregten Gegenstände mit der Weisung für die Schüler, diese und noch manche andere, in der Folge beleuchteten, historischen Themata unter den angegebenen Gesichtspunkten schriftlich zu bearbeiten Diese Arbeiten, getüncht vom Geiste des Erziehers, wurden eininal im kindlichen Triumph« von den stnaben dem Geschichtsprofessor vorgeiegt, erzielten aber, zu dercn nicht geringem Erftaunen, eine ganz andere al» die beabsichtigte Wirkung. In gewaltigem ZorneSauSbruch erklärte der Professor diesen unverschämten Eingriff in sein Gebiet nicht dulden zu wollen und fordert« kategorisch di« Einstellung der Exercitien. Dieser gehäffige Ausfall, der in beleidigenden Ausdrücken gegen die Person de« Lehrersich ergehend, auch eine Untergrabung der amtlichen Autorität in sich schloß, erforderte energische Abwehr. MagnuS wollte nicht nachgeben, e« wurde an die höchste Instanz appellirt. der Graf unterzog die beanstandeten, einen solchen Zündestoff enthaltenden Aussätze einer gründlichen Untersuchung — und entschied zu Gunsten de« .Hauslehrer». Der Professor resignirte zwar nicht, wie er anfangs gedroht hatte, auf den einträglichen Posten, aber eS konnte nichts fehlen, daß die «tust, die MagnuS von den Vertretern der Schultaktik trennte, iuimer weiter und unüberbrückbarer wurde. Diese« unleidliche Verhältniß war bi« nun die einzige schwarze Wolke am Horizont dejungen Gelehrten; Verwirf lungen ganz anderer Art lauerten in» Hintergründe und sollten nur zu bald aus da» Haupt de» Arglosen sich entlade». Eine« Abends hatte er nach besonder« ermüdender Ta> geSarbeit sich eben zurecht gerückt und mit frischem E.fer zu seinen Büchern gegriffen, al« ein einfache« Pochen an seiner Thür ihn au« der kaunr erlangte» Ruhe scheuchte. Ein Diener berichtete verstörten Antlitze«, daß Hugo, der jüngere Knabe, plötzlich erkrankt sei, und Riemand sich getraue, dem «.«rasen, der gerade große Gesellschaft habe, die Meldung zu »rachen. MagnuS eilte in» Zimmer der stnaben und in eine n ihm selbst unerklärlichen Angstgefühle ordnete er an, daß der ältere Bruder da« Schlafzimmer verlaffr, er selbst wolle diese Nacht hier zubringen. (Fortsetzung folgt.)

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