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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1882-01-01 · 13. Jahrgang Nᵒ 28. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
13 (1882)
Issue
13. Jahrgang Nᵒ 28.
Date
1882-01-01
Page
[Seite] (sequence 7)
Language
German
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frtttli»|. Da« Wochenblatt .Woschod", plaidtrt für dt« schleunige Mßhelmnu-der ,i»t«ri»M>schea MHnraranQca gegen bi« Juden", sowie für die Veröffentlichung neuer Bestimnmngen, welche die Rechte der Inden wesenilich erweitern, .damit da« Volk einsehe, daß die'Vergewaltigung der Juden «d» wirkliche« verbreche» fei." Petersbur«, 6. Juli. Seiten« de» Minner« de« Innern ist an die Grenzbehörden die Weisung ergangen, die Rückkehr auSgtwanderter Jude« in jeder Weise zu erleichtern und nur diejenigen Vorsichtsmaßregeln eintreie» zu lassen, die nothwendig find, um Mißbräuche und da« Linfchletchen Unberechtigter zu verhindern. Wie au« Warschau gemeldet wi.d, hat der dortige Odervolizeimeifter in Autsührung der vom Minister de« Innern erlassenen Verfügung zur Hintanhaltung von Exceffen gegen die Juden an die ihm untergebenen Polizeiorgane eine Anweisung gerichtet, der zufolge letztere streng darüber zu wachen habe«, damit bei dem geringsten Anzeichen einer Beiebung der antisemitischen Agitation die vorgeschnebenrn Vorsichtsmaßregeln sofort und rechtzeitig zur Anwendung gelangen. Re» - York. Am 5. Juni verstarb hier 57 Jahre alt, der Rabbiner von Montreal, Herr Abraham de Sola, ber an der dortigen Universität Proseffor de« Hebräischen seit 1872 war. Er hat eine englische Uebersetzung der Bibel und mchrere Arbeiten über Liturgie veröffentlicht. (Arch. i«r.) Feuilleton. Waist zn thun? Et» Veite«, zur Litsuu« der euss. Judeusragr. Bon rtnrai russischen lutoanfcmr. (Fortsetzung.) Di« Leiden der Jude« rühren nicht von ihrer Hartnäckigkeit, nicht von dem Verluste ihrer Helmath, sondern von einem ganz andern Factor her, der bet allen andern välkern, dt« ihr« Heimath und Sprache verloren, nicht vorhanden war. Dieser verhängnisvolle Faktor ist di« Zerstreuung. Wenn ein Volk freiwillig oder durch die Umstände gezwungen, seine Heiniath verlassen hat, so zerstreute e» sich nicht nach allen Enden der Erdoberfläche, sondern bewegte sich in ganzer Masie immer weiter, di« e» einen relativ wenigbewohnten Ort fand und sich dort auch in ganzer Masse niederließ. E« veränderte blo« seinen Platz, die Unistände aber, die e« in seiner Heimath umgaben, blieben bei ihm auch unverändert. Aus dem neugewählten Platze trat e« nicht al« Gast, nicht al« Mielher, sondern al« neuer Wirth aus. Indem e« in seiner ganzen Masse im Lande erschien, wurde e« vom ersten Anfänge an zum vorherrschenden Elemente — da« Land ging faktisch in seine Hände über. E« fing an Dörfer und Städte zu bauen, seine Sitten, seine Gebräuche, seine Gesetze einzusühreo, während die eingeborene Bewohnerschaft entweder unter veniselben al« schwache Minderheit sich auslöste »der gar davonging. Wenn ein Volk aus seiner Wanderungsstrecke sich nicht zerstreut, sondern wenn nicht mit der ganzen, so wenigsten« mit der größten Mehrheit seiner Masse beisammeubleibt, entwickelt e« sich auf dem Wege, sowie aus den neuen Platz angekoinmen, immerfort. Allmählich, ohne Zivang ändert sich feine Sprache^ ändern sich seine Sitten und e« vergeht gewöhnlich kein halbe« Jahrhundert und sieh! da« Volk bekam e-ne etwa» veränderte Phisiognomie, lebte sich vollständig mit feiner neuen Heimath ein und in dem e« in derselben Felder, bte e« selbst bearbeitet, Städte, die e» selbst aufgebaut, erblickt, indem e« in diesen Dörfern und Städten fast durchweg freie Länder sieht, da entflammt in ihm zu dieser neuen Heimath eben solch« Liebe, wie e« sie früher zu seiner alten zu hegen pflegte, di« e« beinah schon vergaß und ihrer zuweilen nur noch in Liedern und Märchen gedenkt. Würde sich aber da« Volk zerstreut haben und in jedem Lande al« eine Minderheit austretea, so wäre e« überall al« fremder Herkömmling betrachtet worden, seine Sitten würden überall al« barbarisch angesehen, sein Glaube und seine Bräuche überall verspottet und niedergetreten. ES wäre überall nur ein Her» künnnling. ein Gast und »irgend« yeimisch, nirgend» Werth, von überall würde man e« al« einen Hernmstreicher jagen, auf den jeder sich berechtigt fühlt, Steine zu werfen, da e« weder Volk noch Staat hat, die ihn in Schutz nehmen könnten. Nicht minder traurig wie die äußere Lage müßte auch, da» innere Leben eine» solchen zerstreute» Volke« sich gestalten. Denn ein Volk in seinem eigenen Lande wohnt, ,o entwickelt e« sich ruhig fort und verändert sich den Bedürfnissen der Zeit und de« Orte« gemäß ES braucht nicht jeden noch so alten Brauch heilig zu halten, weil er bei ihn nicht al« Band zwischen der glücklichen Vergangenheit und seinen zerstreuten Brüdern zu dienen braucht. — Ganz anter« aber ist e« mit einevl zerstreuten Volke; e« muß auch ganz unwillkürlich conservatio werden, weil seine Vergangenheit mit seinem vergangenen Glücke in Verbindung steht, während e« in der Gegenwart und in der Zukunit durchweg nur Leiden sieht. Seine zerstreuten Mitglieder fühlen, daß sie einst doch sich vereinigen niüflen und daß sie bi« dahin strenge Solidarität beobachten müssen, um ihr« Lage nicht noch unerträglicher zu machen,und so halten sie oerzweiflungSfest an alleoem, wa« ihnen geinein ist. Der geringste Brauch ist für sie ein Heiligthuvi, weil dies« Bräuche, mögen sie auch au« den Zeiten der Süudfluth herstammen, sie zusammenhalten. Die Ursache der Leiden der Juden ist also somit nicht die Hartnäckigkeit de« Volke«, nicht der Verlust Palästina'«, sondern vorzüglich jener traurige Umstand, daß sich erfüllt da« Wort de« großen Propheten: »Und wird Euch zerstreuen über alle Enden der Erve." Unsere Aufgabe ist jetzt uun klar: jusammeiizulösen unser Volk und au« einem Herumstreicher «inen ansäffigen Bürger zu mache», ihm irgendwo aus de: Erde einen Winkel anzuweisen, wo «» zum unabhängigen Elemente werden könnte, wo e« selbst ausbaue», wo e» selbst Felder bearbeiten möchte, wo die Handwerke sich in seine» Händen befände», wo .«» Wirth sein könnte und seine Sitten und Bräuche al« solch« de» Orte» wären.... Da« ist die emzlge und radikalste Lvsun« der Judenfrage. Aber w o sollen wir einen Platz für unser Heimathland suchen ¥ Der Vers, zählt alle Gründe aut, die gegen Palästina sprechen und fährt dann fort: Da auf Amerika der Blick vieler Juden schon gerichtet ist und Hunderte von Familien schon dahin gezogen sind, so muß man unbedingt A m e r i l a den Vorzug geben, um nicht unter dem Volke statt Vereinigung eine neue Zersplitterung hervorzubringen. Wähle man ganz am Ende (?) der Verein. Staaten ein Territorium au«, daS am wenigsten bevölkert sei» soll und lenke man di« Emi» gration dahin. Man kündige diesen Punkt al« Verernigung«» ort an. so werde» von allen Ende» der Welt dahin Juden zusammenströmen. In erster Zeit werde» sie unter direkter Regierung der Union stehen, nachdem sie aber auf ihrem Territoriuni zuin vorherrschenven Eieinente werden und sie di« Zahl 60.000 erreicht haben, können sie, der UnionSkonstitution gemäß, darum bitten, ihr Territorium al« Staat zu erklären und e« in de» Gesammtkürper der Rordamerikan. Eonsöderation aufzunehmen. Auf diese Weise würde der Uebergang von Abhängigkeit zur Selbstregierung leicht und unvermerkt vor sich gehen. Die Juden haben viele Ä käste und Energie, allein sie wissen nur nicht, wohin und woraus sie sie anwenden sollen. Zeige man nur ein bestimmte« Territorium an und mit märchenhafter Schnelligkeit »erden da Dörfer und Städte auswachsen, die Felder werden sich mst Getreiie und die Flüffe mit Schiffen bedecken. Do.« ist die natürlichste, die glücklichste und zugleich die leichteste Lösung der Judenfrage. Dazu ist uur Lines nöthig — >em Volke ein Territorium anzuweisen. (Schluß folgt.)

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