Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 13 (1882)
- Issue
- 13. Jahrgang Nᵒ 22.
- Date
- 1882-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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M tt. 1882. Israetiiische Jahrg. X.IMI. Wochen-Zchrtst skr die religiösen und fotialnt Intereffen deS IudenthumS. «. t*Mvt Imunt km » 4 « u1114 »rl4«ln«nHct „8 «»!(«*■ »It r»4«u» »!•««" krt «Itm W«» Ix»er» nab Vu4baa5Iuuk«n »Im«l|<krll4 II Mxrk. MI k Ir (litt Aule-kunß: Ra4 vederrria « uk km Auklank«: 1« Ml. iiofttca. fhit. « »♦*««•> |lkrII«. •laplaiiaiaKru ktr .Wa4«ul4rll.' I »5 VI-, I k«< .«tarraturklalt«* t 15 VI. Btrontn'ktllidjn Krtactnu »nb tzrrousgrber Rabbiner Dr. Ml. Mahmer in Magdeburg. fir tzvahrhelt, Nicht Mb Frlrbe»! n«ftr«l< Wr kl« .M a 4 * u f 4 r I, t*. »I, für k«,„I|. j k 1141811 > r ot u r b I 11\ kl« krrtarlMUnM Prl»,rll« aktr »mit Raum mrMn atlt 90 VI. krr<4nrt unk fink au«I4ll«b>>4 «it kl« Crnlral* >nndtic«n*Vrk«klllon uau O. L, 'Jwibt Sc Co., ftrant'urt a. M* Raitikatv »inlu, (amkurv «»in. Mln4»n> 3 I r 14. ■ I« U, V » r I« k. «iuiulnkai. Magdeburg, 24. MaU f\n balt: ttitMlM Httlhl t Vrofrffor Kran, Delitzsch fibrr di» RichlbetheUigung b«r Lhristen an den «ammlungrn für di» »rtfolgttn russischen Juden. — U»b»r di» Colonifation Palästina'«, vericht« um» »orresp»«d«N»r«r Deutsch tand: veilin. verlin. «u« Beuthen Ulm. Alzey. Au« Rheinhessen Oesterreich: wi«n. Pest. Rußland: Nowno. Amerika: Eincinnati. Palästina: Jerusalem. veremtscht« und neueNe Mackirichtrn > Magdeburg. Gießen. Rordhausen. Trencsen. Wien. Wien. Wien. London. London. Holland. Aeggio. Ärailo Sistova. Niem. Rußland. Petersburg. Inserat«. Wochen- Jaul. ista Sirrun 6642. Aalender. Donner-tig . . 1 14 Freitag .... 2 15 konRibtud . 3 16 ■jr^yra (» u. 8) p. 2. ksnatsg.... 4 17 Msatsg .... & 18 Dienstag . . 6 19 Mittwoch . . . 7 20 iTsnner-ta, . . » 21 Professor Kranz Delitzsch über dir Richißetheiligvn» der Christen an de» Sammlungen ffir die mftlfltrn russischen Inden. Unter der Ueberschrikt: »Die Sammlung für die russischen Gemisihandelten und Vertriebenen" läßt sich der, allerdings von, MisiiouSgeist allzusehr angewehte, aber nicht« destoweniger von echter Humanität erfüllte greise clilntherische Leipziger Professor Franz Delitzsch wie folgt vernehmen: »In den Quittungslisten der Spenden für die vielen Taufende, welche da« Opfer entiesielter russischer Bestialität geworden sind, üderwiegen in auffälliger Weise jüdische Namen. Warum halten die meisten Christen ihre Herzen und Hände verschlossen? Christlich ist da« nicht, denn wer tonnte ein Wort au« dem Munde Jesu oder seiner Apostel ausweisen, aus welche« diese Zurückhaltung sich stützen könntet Sagt man: die Juden sind reich genug, »m für die Ihrigen auszukomme». so ist zu entgegnen: haben wir nicht schon viele Ealamitäten fast au»schliesilich christlicher Bevölkerungen: Ueberschwemmungen, Feuertbrünste, Hunger«nöthe erlebt und unsere jüdischen Mitbürger freigebig mithelfen gesehen, ohne dasi sie sagten: die Christen mögen für die Ihrigen sorgen? Oder sagt man: die Juden sind unsere Feinde, welche in ihrer Habgier und ihrem Hochmuth an unserem Ruin arbeiten, so ist zu antworten: da« gilt doch nicht von allen, und gesetzt, daß ,« von allen gälte, sagt unser Herr nicht: »Liebet eure Feinde?" Sagt nicht sein Apostel: »Laß dich nicht da« Bös« überwinden, sondern überwinde da« Böse mit Gutem?" Wir sagen so gern und mit Recht, daß da» Christenthum die Religion der Humanität ist, die Religion der Menschenliebe ohne Ausnahme und Schranke, die Religion Dessen, der seinem Volke di« zum letztem Athemzuge vergebenswillige fürbittende Liebe bewährt hat - warum lassen wir un» die I Gelegenheit entgehen, diese» Bekennt nisi durch unser Verhalten und Handeln zu bekräftigen? Warum tragen wir durch kalte«, müßige» Zusehen da» Unsrige dazu bei, Diejenigen abzustosien, die wir zu gewinnen suchen sollten? E« sind Christen, welch« raubend und mordi'nd sich auf die russischen Juden geworfen, ihre Frauen und Kinder geschändet, ihre Körper verstümmelt haben; wir sollten al« Christen Da«, was Christen »erbrochen, zu sühnen suchen — warum steigern wir da» Aergerniß durch unsere Thrilnabmlosigkeit? Ein Aussatz in dem »Evangelisch-kirchlichen Anzeiger" von Berlin Nr. 20 erinnert an da» Gleichnisi unser.» Herrn von dem barmherzigen Samariter. Ist nicht die Judenschaft in Rusiland jetzt der Mann, der in die Hände der Räuber und Mörder gefallen ist? Israel liegt am Wege in seinem Blute und wir sollten vorübergrhrn wie der Priester und Levit? Wir sind zu jeder Zeit verpflichtet, Israel» Herz zu gewinnen — nun denn, hier ist ein Anlasi, wie er günstiger aber auch verantwortlicher nicht gedacht werden kann.*) Opfer, freudige Mithülse in dieser himmelschreienden Roth al» thatsächlicher Prot.st gegen die unchristlichen Judengemetzel alter und neuester Zeit — da» wäre eine würdige und sicher nicht unwirksame Apologie de» Cbristenthum». E« kommt nicht aus die Höhe der Gabe an — auch schon die geringste sagt, dasi der Geber jene russischen Gräuel »> Hier guckt der Pserdesuß der Mission allzusehr hervo.--, um diesen Preis verzichten selbst die unglücklichsten Juden aus Unterstützung. (Red.)