Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 13 (1882)
- Issue
- 13. Jahrgang Nᵒ 19.
- Date
- 1882-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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M 19, 1882. Israelitische Jahrg. \tll. Wochen-Lchrist fit dte religiöscu und sociale» Interessen des Indenthums. für dt« .» » ch«»s ch r i f t". , ' dlscheLtteralurdlatt'. Verantwerllicher Ziedactnir und -crans-eber »t« für dck?..I». Msschetmt \tUn a. |»H«t (Mat de« » ssche » tItch erlAriiKiifcen Rabbiner Dr.M. Aahmer i„ Magdeburg/ v MlU .».schUrzuch «n tzt» >««»neen»Erv*dtti»n o«m O. L*. I>*tib« 1 Ke Co, ftrant'art a. •!««•<»‘•'I. Berit«, 0»»v»r^ Dia, «a,ch,n> Zürich, Wien. Viril k. einzninche». »ier««l|ÜVeIich Rlt Urtiter Z»Ie»».n,: Di, Cetrrrei« ( «.; m, Vm »«♦!««»•: >» Wf (»oftrc*. * «nt. 4 Brttr«) |l V r 11 *. >«cheIn»»W«r, »er .S*4ent<»rtft* 4 •» »t. »e» #*tter«ttn*l«lt»' I 15 *t. fix Wützetzett, Recht »»V Fel «seit! Magdeburg, 1V. Mai. A n d »11: reit««»« Artikel r Ein» gelchichllich» »eminiseenz. — Brief« au« Beelin Ul. veriecht« MB» »»rres»»»»«»»«»r Deutschland: Berlm. Berlin. Berlin. Stettin, ililn. >»l Baden, »u« tz essen. Darmstadt. Oesterreich; Lember,. Rußland: Petersburg Petertbarg. »us Aarschtu. Uiew. »meril«: New-Aark. Brr«tfcht« m»d neue ft« Nachrichten i Magdeburg. Berlin. Berlin. Laim»'. Dien, iloronini. Dien. Dien. Lemberg. N«- l»»e« »ul Rußland, »u« Sambin Petersburg. Petersburg. Petersburg, «»slau. Pari«. 3«f<r«te. Nochen- B»i. 1683 lj»r 6U12. Kak,«der. Dennre-is, . . n 23 Omer 37 -reite, .... 12 23 I . 33 ksaeebee» . 13 24 l’r'pnaimCBii.saiP.s. 30 Eeeete, .... 14 25 , Remnondsemsrgiiung. , 40 Rsuteg .... IS 26 . " Tireste, . . 16 27 . « Mill»och . . . 17 26; . « T,a,er«te» . . 18 29 1 rf'T'V . 44 Sine geschichtliche Reminiscenz. Da» optimistisch« Bewußtsein, daß di« Idee de» freien MenschenlhumS, di« allgemein sittlichen Grundsätze, unbeirrt durch die Gegenströmungen, in immer gröbere Kreise dringen würden, — ist der einzige Hoffnungsstrahl, der unser Gemülh belebt, wenn wir die unveräußerlichen Menschenrechte in den Staub getreten sehen, d a, wo sie sanctionirt sein sollten. ES liegt nur eine schwache, mit Bitterkeit gemischte Genugthuung für die in ihrer Menschenwürde Entehrten in dem Gedanken, daß sich da« Rad der Zeit niemals ungestraft hemmen läßt. — E« ist eine psychologische Eigenheit de« Judenthum» zur Zeit de» Druckes und der Verfolgung ähnlicher Perioden zu gedenken. So führen uns die augenblicklichen ruffischen Vorgänge zu einer Betrachtung und Parallelisirung der letzten Vertreibung der Juden aus Böhmen. Am 22. Decbr. 1744 erschien da» Decret der Kaiserin Maria Theresia, daß am letzten Januar 1745 die Juden Prag verlaffen haben sollte« und nach Verlaus von 6 Monaten sollten die Juden in-gesammt auch da» Königreich Böhmen räumen. Di« Zahl der in Prag besindlichen Juden wird verschieden angegeben; wir folgen hier dem Berichte S. Wolf'» in s. .Vertreibung der Juden au» Böhmen" (Jahrbuch für die Geschichte der Juden Bd. 4), der eine Einwohnerzahl von ca. 7000 annimmt. Die Historiker haben sich bemüht. Gründe zu erforschen, die da» unselige Edikt geschaffen haben; unserer Ansicht nach ist die Frage eine sehr müßige und nur in der Raturgeschichte de» Judenhaffe» begründete. ,Au» mehrerlei triftigen Ursachen" — also heißt e» in dem betr. Schriftstück und damit ist Alle» charaktertsirt; vorhandene triftige, schwerwiegende Ursachen würden gewiß n.it der minutiösesten Umständlichkeit aufgetischt worden sein, aber die kurze in ein mysteriöse» Dunkel gehüllte Phrase sollte eben die mit Vorurtheilen erfüllten Geister noch mehr anstacheln- Pros. Schneller sagt in s. Geschichte von Böhme» Bd. lll. S. 36: Bei dem Geheimniffe, welche» die österreichische Regierung von jeher über die Gründe ihrer Befehle beobachtete, erschöpsie man sich in Muthmaßungen über diese plötzliche ungerichtlich« Verweisung. Warum also kein Gericht? Und warum eine Strafe gegen Alle und gegen die Unschuldigen? Eine wirklich naive Auffaffung! Die bedrängten Juden ivandte» sich an ihre Glaubensgenoffen in Holland und England, in der Türkei und in Polen, die Regierungen zu beeinfluffen. daß da» oerhängnißvolle Edikt ausgehoben würde. .Bon der allgütigsten Lande-mutter", so heißt e» in einem Rescript, wurde die Vertreibung au» Prag um einen Monat verlängert. Am 3l. März 1745 wanderten die Juden au» Prag. Die böhmische Statthalterei legte sich für die Juden in» Mittel — nicht au» Humanitären Rücksichten — und mittels O»dre vom 15. Mai 1745 wurde e» den Juden gestattet, vorläufig im Lande zu bleiben. Den in der Umgebung von Prag wohnenden kranken Juden erlaubte die Kaiserin, nach Prag kommen zu dürfen. Ein relativ freudige» Ereigniß erhellte die niedergedrückten Gemüther, indem die Kaiserin am 4. August 1746 beschloß, die Juden dürften noch 6 Jahre in Böhmen bleiben Jntereffant ist e», wie hiergegen die sonst fürsorgliche Statthalterei demonstrire: „«» sei wünschenSwerth, die armen Juden au» den« Land« zu weisen, hingegen die reichen in demselben zu laffen!" Auch die Interventionen fremder Staate», Englands, Holland», Venedig» zu Gunsten der Juden scheinen chren Grund in der Befürchtung gehabt zit haben, daß der Welthandel lahm gelegt würde. .Die Kaiserin mochn wohl