Mannheim
Compact Memory

Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1882-01-01 · 13. Jahrgang Nᵒ 14-15. · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
13 (1882)
Issue
13. Jahrgang Nᵒ 14-15.
Article
Beilage zu Nᵒ 14-15.
Date
1882-01-01
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal additional
OCR quality
93% known words query
IRI
…/5369809-5935096-5938073-5938074--4535-5376831
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

— 116 — Gepränge bestatten lasten sollten, «a» auch von denselben gewiffenhaft besorgt wurde. Baron Insel« von Rothschild wurde wie ein armer Jude in einem ungehobelten hölzernen Sarg, ans welchem weder Wappen noch Orden«zetche« in tu blicken waren und dann in einer schmucklosen, von »wei Pferden gezogenen Leichenwagen vom Sterbehause nach dem Bahnhos« überführt, um in Frankfurt a. M. neben seinen Bittern ,u ruhen. Mit den Tefillin find auch einige köstliche Anekdoten verbunden, welche mir bekannt geworden sind. Ein Rabbiner in Oesterreich wollte seiner Gemeinde ad oculot demonstriren, daß die Feier de« zweiten Festtages überflüssig sei und, um birst» Ziel zu erreichen, erschien er am zweiten Festtage in der Synagoge mit den Tefillin um den Irm und am Haupte. Die», berechnet« er. wird seine Wirkung nicht verfehlen und wird Jedermann in seiner Gemeind« Überzengen, daß der zweit« Festtag null und nichttg ist. Allein die Gemeindemitglieder dachten ganz ander», indem sie ihrem Herru Rabbiner sagen ließen: Bi» jetzt hatten wir vom zweiten Festtage da» Privilegium, keine Tefillin anlegen zu brauchen Run aber mehren Sie, Herr Rabbiner, die Zahl unserer Unterlassungssünden, indem sie un» die Verpflichtung auserlegen, das Gebot von den Tefillin am zweiten Festtage zu beobachten, wa» wir ebenso wenig thun werden, wie e» an den übrigen Tagen de» Jahre» geschieht. Wollen Sie, Herr Rabbiner, den zweiten Festtag wie bisher feiern, und auch wir wollen wenigsten» dadurch der festlichen Feier AuSd.uck geben, daß wir von den Tefillin un» befreien. Sin sehr angesehener Mann in Wien schickte vor vielen, vielen Jahren seine beiden studirenden Söhne während der Ferien nach Italien. Diese kamen rascher zurück, al» der Vater sie erwartet hatte „Ihr seid - schon wieder zurück," begrüßte er sie; „warum seid ihr nicht länger ausgeblieben?" „Well," antworteten die heimgekehrten Reisenden, „uns da» Geld au-gegange» ist." „So," replicirtc der Vater; ,e» muß wohl in dieser Saison Alle» in Italien sehr thruer gewesen sein. A propoe, meine Lieben, habet ihr nieine Worte beherzigt und täglich jeden Morgen die Tefillin angelegt?" „Gewiß, gewiß. Papa!" lautete die Antwort der Herren Studenten. „Zeiget mir doch einmal eure schönen blausauimtnen Tefillin-Beutel, welche die gute Mutter euch eigenhändig gestickt hat." fuhr der Vater sott. „Hier sind sie!" Der Papa öffnete sie vor den Augen seiner gehorsamen Söhne und aus jedem Beutel fiel eine Banknote von 100 fl. heraus. „Seht ihr, Schelm«, da» ist eure gerechte Strafe. Hätt.t ihr Wort gehalten und nreinen Wunsch auch nur ein einzige» Mal erfüllt, so würde jeder von euch 100 fl. mehr zur Verfügung für einen längeren Aufenthalt in dem schönen Italien gehabt haben Ich schenke euch da» Geld zun, zweiten Male und sage euch: In jedem Tefillin-Beutel ist ein Schatz enthalten, ein Schatz de« Vertrauen» zu Gott und zur eigenen Thatkrast. Durch mich seid auch ihr in den erblichen Adelsstand erhöbe,, worden und die» haben wir den Tefillin zu verdanke». Ihr unstet, daß ich au» eigener Kraft mich eniporgearbeitet und durch mein gemeinnützige» Wirken mir da» Adelsdiplom erworben habe, und dazu haben mir di« Tefillin verholfen. Jede« Morgen befestigten sie mein Vertrauen aus Gott und verliehen mir jene Elasticität de» Körper» und de» Geiste», die wir Juven haben müsien, wenn wir e» zu Etwa» bringen, Earriör« machen und uns auSzeichnen wollen." Und die Söhne erscheinen heute noch am Sterbetag« ihre» Vater« mit den Teslllin geschmückt, im Tempel der Wiener iSraelittschen Eultu»-Gemeiade. Professor Moritz Oppenheim. Einer interessanten Skizze von Kaule«» in der Frankfurter „Dida»kalia" entnehmen wir da» Folgende über de« verstorbene» Professor Moritz Oppenheimer: „Wie Heinrich Heine, der größte Poet mosaische« Glauben», war auch Moritz Oppenin«i«irrti+n ttmrinr IV ttMirir n »lr|>r*-«-| T—* ■ hei«, der beb: ltenst« Maler aleicher Eonfeffion in de« erste« «gen de» neunzehnten Jahrhundert« geboren. Sein« Wieg« stand in unfein berühmten Rachbarstadt Hanau im bescheidenen Hause eine» Kaufmann». Der Vater ließ dem Knaben gleich alle« se ien Kinder« eine sorgsälttg« Erziehung zu Theil werden, hatte aber nicht» wenig,, im Sinn, al« einen Künstler au« ihm zu machen; denn vor 80 Jahren hatte die bildende Kunst so wenu Aussicht auf lohnenden Erwerb, daß Rimand diesen Berus laählte, den nicht ein eigener «nbrzwinglicher Drang trieb, lind da« war beim jungen Oppenheim im höchsten Grade der Fell Aber erst al« er achtzehn Jahr« alt war, ließ man in seiner Familie die Boruriheile fallen und rüstete ihn au« zur Wanderung nach der Akademie in München. Di« bairisch« Hauii.stadt war 1818 noch nicht da« Eldorado der deutschen Kur ft. vielmehr da» gerade Gegentheil, denn di« in den Hallen txi Akademie thronenden Musen trugen noch. Puder und Toupet» und den Gott der bildenden Künste konnte man sich nur mit e nrm dicken Zopf oorstellen. Unter solchen Berhälinissen hielt Moritz Oppenheim nicht länger in der alten Kittelsbacher Residenz au», alr zur Absoloirung der akademischen Klaffen erforterlich war. Mit zwanzig Jahren ging er nach Pari», arbeite-« neun Monate im Atelier Reignault'» und | wandert« dan > zur alten Weltstadt Rom. Hier ereignete sich nun folgend« Episode Bon der nach dem Schutzpatrone der Malerei benannten Akademie San Luka erfolgte ein Preisausschreiben; di« Bewerber mußten sich eine Eonclav« gefallen lasten, jeder I teilnehmend« Maler wurde so lange eingesperrt, bi» er seine Arbeit vollendet hatte, und zwar zwei Stunden, längere Zell wurde nicht gewährt. Al« dann da« Kollegium die Zeichnung?» prüfte, entschied e» für eine Eomposition: „Die Samariterin am Jacobsbrunn". Schon wollte man dem Schöpfer deri lben den Preis zuerkennen. da wurde kund, daß der Glück, che „Oppenheim" heiße und ein „Jude" sei, und nun verweigeite man die Prämie. Sofort aber trat au» den Reihen der Richter der Däne Berthe! Thorwaldsen hervor, der große, damals fünfzigjährige Bildhauer. Er verlangte, nun solle diesmal überhaupt eine Prämie gar nicht ertheilt werden. Sodann wandte der große Meister von Stund' an dem hintangeji tzten jungen Mann seine Protection zu. bestellte bei ihm ein <Gemälde :„Die Rückkehr de» jungen Tobias", und e» hat d efe» Werk Oppenheim'» heute noch einen Ehrenplatz im Tho maldsen-Museum zu Kopenhagen. Rach fünfjährigem Aul enthalt in Rom verließ Oppenheim Italien und domicilirte sth in Frankfurt a. M. Damal» schrieb Ludwig Börne in unserer Stadt seine berühmte Zeitschrift „Die Wage." Oppenheim malte nun Birne'» Bildniß. Rach seinem Bild« hat Professor Kauperl die schön» in unseren Anlagen ausgestellte Marmor-Büste Börne'» nek^llirt. Oppenheim bekam nun sehr zahlreiche Bestell»ngeih $u Porträt», unterließ aber nickt, zwiicherbnrch eigene Compositionen zu schaffen. In weitesten Kreisen b kan nt geworden ist sein Genrebild „Rückkehr ei,.«» jüdischen FreinulUgen"; e» wurde durch Lithographie und Klipserstich vervielfältigt und fand sehr große Berbrettung. Viel Glück machte auch ein Bild „Lavater'r Betehrung»versuch bei Mose« Mendelrsohn". Zu großem Ruhme gelangte der Meister erst in vorgerückten Jahren. Er begann den allgeinein bekannt gewordenen Eyclu«: „Bilder au» dem altjüdischen Familienleben."') Durch den «unstverleger Heinrich Keller wurde diese Reihenfolge vervielfälttgt und fand eine Verbreitung über die ganz« Welt. Sie ist ein Hauptgegenstand Ix» Export- und Kunsthandel« geworden. Di« wenige Menschen vom Glück begünstigt, erreichte Moritz Oppenheim in voller Gesundheit da» hohe Alter von 82 Jahren. Er wollte seine Angehörigen zu einem Ball führen, at« er am 26. Februar Abend» einen, plötzlichen Tod« durch Schlngflnß «i lag. Er wurde nach einfacher jüdischer Sitte begraben. », Wir «irSe, dies»« «wer, «ch ein« riechend« «eir»,itz » •«**. ««ttef Ma JbWrt -ries» ta Mt*»

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.