Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 13 (1882)
- Issue
- 13. Jahrgang Nᵒ 14-15.
- Article
- Beilage zu Nᵒ 14-15.
- Date
- 1882-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Beilage zur ,Israelitischen Wochenschrift." -kr. 14. «. 18t Magdeburg, dm 6. April 1862. IS. Jchrgaug. Brief« oiti Ofterreich. Wien, den 25. März 1882. Unmittelbar nach dem Meffaphgebete besuchte ich. seiner freundlichen Einladung folgend, Dr. Jellinek; und ich hatte nun in deffen Wohnung Gelegenheit, einem zweiten, weihevollen Gottesdienste — und da» war e» im erhabendsten Sinne de» Worte» — beizuwohnen, der mich lies ergriffen und al» treuen Anhänger de» Judenthum» mit begeisterter Freud« erfüllt hatte. Ich beschritt nämlich die Borhalle zu Jellinek» Studierstube; doch da tönten mir au» dieser ernste Männerstimme», die in edler Begeisterung über die höchsten Ideale de» Judenthum» lebhaft debattirten, entgegen, ich blieb stehen und lauschte. Jellinek hatte eben da» Wort; er erörterte mit heiligem Eifer und mit lauter Stimme einen Riesenplan, der wenn er gelänge, dem Judenthume und seinen Anhängern auf dem gesammten Erdenrunde unendliche» Heil brächte. Ich kann natürlich den in Rede stehenoen Plan, da er noch im Stadium der Borberathung sich befindet, nicht der Oeffentlichkeit übergeben; doch soviel zu bemerken erlaube ich mir. daß e» Jellinek bereit» gelungen ist, für denselben nebst vielen anderen hervorragenden Persönlichkeiten, auch zwei der angesehensten Mitgliederder hiesigen jüdischen Aristokratie, Frei Herrn Albert v. Rothschild und Ritter Wilh. v Gutt- .n a n n, zu gewinnen, beide Männer, die trotz ihrer hohen socialen Stellung und de» immensen Reichlhum«, den sie besitzen, von warmer Begeisterung für das Judenthum und die Jntereffen deffelben beseelt sind, und stet«, wo es gilt, da» Judenthum zu fördern, mit rühmen»werther Bereit- und Opferwilligkcil ihren mächtigen Einfluß in die Waagschale werfen und reichliche Mitttl auf den Altar de» Judenthum» niederlegen. E« ist darum nicht zu zweifeln, oaß unter der Protektion solcher Männer jener Plan von günstigstem Erfolge begleitet sein werde. — Doch ich kehre zum Gott,»dienst« bei De. Jellinek zurück Wer war nun die Gemeind«, di, da Jellinek'» Worten lauschte? Keine Kopf an Kopf gedrängt, Menge, wie unten im Gotteshause; die Gemeinde bestand Ansing« nur au« 2 Männern; aber diese beiden Männer wogen jeder Tausende aus. E« waren die Herren Mocatta au« London, und Ellinger au« New-Aork. beide Delegirte der Glauben-genoffen ihre» Lande» — ersterer ist angesehene« Mitglied de» Mansionhouse-Eomilö» — um in allen größeren Städten Europa'» unter eine einheitliche Leitung zu stellende Eomitö» behuf« Gründung von Riese» Eolonien für die ruffischen Ju» den in Amerika zu errichten. — Ihre Bemühungen sind bereit» in London. Pari«, Frankfurt a/M., in Berlin u. a. Städten von dem glänzendsten Erfolge begleitet gewesen. Nun auch hier in Wien beabsichtigen jene beiden Männer, die, zu den angesehensten Mitglied«» n der Gesellschaft London« und Rew-Aork« zählend, in ihrer edlen Begeisterung für da« Judenthum nicht Zeit und Mühe scheuen, um unseren bedrängten ruff. Glaubenr -enoffen zu Hilfe zu eilen — eine Versammlung zur Bildung eine» zu dem genannten Zwecke zusammentretenden Eomitä» zu bilde«. — lieber den Verlauf der «eriaminlung. wie überhaupt über die Resultate der Bemühungen der Herrn Rocatta und Ellinger tu Wien werde ich s. Z. den Lesern diese» gesch. Blatte« au»sührlichen Bericht erstatten. — Doch mögen mir zum Schluffe dieser Zeile« noch einige Bemerkungen gestattet sein. Herr Ellinger — wie ich von ihm vernahm, au« Fürth ln Vater» gebürttg — erzählt« au« «utopfle, daß die ruffischen Juden in Amerika bereit» jetzt rüstig und mtt Eifer bei den Bahnen al« Taglöhner und sonst auch in allen übrigen Dienst» leistungrn beschäftigt sind und daß sie sich überhaupt mit staunenswerther Schnelligkeit in die neuen Zuständc zu schicken wiffen, und daß daruvl die EolonisationSpläne van dem günstigsten Erfolge begleitet zu fein versprechen. Ez würdc den mir hier zuaewiesenen Raum weit überschreiten, wollte ich über die äußerst intereffante Debatte, an der sich später, um der Versammlung auch gleichsam formell den Charakter eine» Gotte-dienste» zu verleihen, der Oberkantor Singer und endlich auch der bekanme Schriftsteller und Sekretär der hiesigen J»r. Allianz, De. M. Friedländer, berheiligt Hallen, — ausführlichen Bericht erstatten. Doch da» wenigsten» will ich den Lesern nielden: Der Eindruck jener Debatte war für mich so erhebend und gewaltig, daß ich unwillkürlich au^rufen mußte: Israel ist noch nicht verloren, wenn e» auch in unserer Zeit noch Männer wie Mocatta und Ellinger hervorzubringen im Stand« ist, di« in geradezu flammender Begeisterung für da» Judenlhum die Mühe und die Opfer nicht scheiien, vom fernen Amerika und London al» evle Miffionäre de» Judenthum« nach Mittel- und Osteuropa zu kommen! Sie erwerben sich durch diese ihre edle That nicht nur ein Ruhmesblatt in der Geschichte de« Judenthum«, sondern in der Geschichte der Humanität überhaupt. Ein jüdischer Bürgermeister. Stirbt ei» Altagimensch, so trauert nur seine Familie um ihn, und die ihm sonst im Leben persönlich nahe standen; doch mit dem Augenblicke, wo der Grabhügel sich über seinem Grabe gewölbt hat, ist sein Name für immer in da« Meer dcr Bergeffenheit gesunken. Scheidet hingegen ein großer Mann au« dem Leben, so steht sein ganze« Volk trauernd an seiner Bahre und ruft ihm Worte de« Danke« uno der Anerkennung ui sein Grab nach für die edlen Thaten, die er während seiner irdischen Laufbahn für die Menschheit und sein Volk oollaracht; e» bewahrt ihm pietätvoll ein ruhmreiche« Angedenken, den größten Lohn, den die Nachwelt einem großen Todten bringen kann. So hat da« jüdische Oesterreich in Ignatz Edler von Kufsner einen seiner größten Söhne verloren. Wir wollen hier in Kürze den Lesern dies«» weitverbreiteten Blatte« von seinen großen, unsterblichen Verdiensten um die Humanität, um Stadt und Land, und insbesondere um da» Judenthum berichten. Ignatz Edler v. Kufsner, einer der reic-sten und angesehensten Männer der österreichischen Residenz, ja der ganzen österreichischen Monarchie überhaupt, hat einen unversiegbaren WohlthätigkeitSsinn den meisten der unzähligen WohlthätigkeitSanstalten Wien« in dem ausgedehntesten Maße zugewandt, und sich so einen ruhmvollen Ranien nicht nur in der Geschichte der Stadt Wien, sondern auch in der Geschichte der Humanität erworben. Tausend« und Tausende armer und unglücklicher Mitmenschen tröstete er durch seine milden Spenden und seinen liebreichcn Zusprnä-. Er errichtet« u. ». ein große« Waisenhau« und bereitete so vielen Hunderten rin traute« Heim. E« haben in ihm Tausende ihren «ater und tröstenden Retter verloren. Nicht minder aber halte sich der «erblichene auch unsterblich« «erdtenste um die S t a d t rrworbe». in der er sein« Wohnung ausgeschlagen hatte, um Ottakring. Mit imoerdroffeuer Lieb« und Sorgfalt gab er sich seinen Bürgerpflichten hin. Seine Mitbürger ehrten ihn aber in würdiger Weis«, indem fle ihn drei Mal« beinah« «tnftlmmig zu ilwem Stadt-