Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 13 (1882)
- Issue
- 13. Jahrgang Nᵒ 13.
- Date
- 1882-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
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VeiMtti. Sie VlutanNagen wagen sich wieder hervor. Di« Griechen wollen durchau» den Jude» an den Kragen. In Kairo ist ein ermordete« Mädchen gefunden worden — natürlich haben « die Juden gemordet. In Oberegypten verschwindet ein griechische« Kind — die Juden haben e« getütet! Zum Lerger der Wutheuler ist ti wieder gesunden worden. E« ist der Vorschlag gemacht worden, in Aegypten keine Maroth zu backen, sondern den Bedarf au« Europa ,u beiiehen, um all dem Unsinn jeglichen Boden zu entziehe«. Thöricht! — Dummheit muß allsgeklärt und Bosheit durch Strenge zur Rüde gebracht werden! Andere Mittel Hellen nicht«. (1*V nnont triei at „Blulbefchuldigung, Zündstoff und schließlich — blauer Dunst!* R-d.s Nkw-Orlean«. Bor einigen Jahren mußte Herr Juliu« wei« ein der Gesellschaft der jlld. Erziehung gehörende« Bauterrain übernehmen, um die Schulden dieser Gesellschaft zahlen zu können. Obschon er mehr ai« den damaligen Werth gezahlt hatte, hat er jetzt die 30,000 Mk.. weiche der Verkauf de« im Werthe gestiegenen Grund und Boden« eingetragen. dem Judah-Turo-Hospital und dem jüd. Zufluchtshause hier geschenkt. sArch. i«r.) Feuilleton. Verloren und gefunden. »in« Lrtüt»lung aus der Z»U de« 3>>j«drtge« »liege«. (Schluß.) In der Stadt hatte nian bereit» sichere Nachricht von dem Sie,« der Schweden und obgleich voransprengende Netter die Verwundung de« König« gemeldet batten, mochte» die Bewohner doch nicht von einer feierlichen Einholung de» Sieger» adstehen. Wiederum war Kaspar der Man», der seine hohe Stellung begriff; vom Thurnie herab gab er mit seinem Horn da« Zeichen, daß der Wagen de« König» herannahe. Wiederum war Opitiu« dazu ausersehen, den König mit einem paffenden Glückwunsch zu empfangen. Gertrud, die in der Stunde der Gefahr von de,» Anschauungen ihrer Zeit geheilt war und den jüdische» Jüngling mit schwesterlicher Liebe in ihr Herz geschloffen hatte, blieb m,t Rüben unter der Menge, die vor der Komihurei Spalier bildete. Festliche« Glockengeiäute bezeichuete den Moment de« Einzuge« Gustav Adoli« in da» Walllhor und langsam, wie e« der leidende Znstand de» König« erforderte, rollte der Wagen die Bergstraße hinab zur Konilhuret. Al» er stille hielt, ertönte die laute, kräftige Stimme Ehr» Opitiu»: „Der Heer segne Deinen Ausgang und Deinen Eingang von jetzt und in Ewigkeit. Amen!* „Brav gesprochen, Pastor*, sprach der König lächelnd, „aber bald hättet Ihr mir können am Grabe sprechen, hätte mir der Herr der Herrschaaren durch diesen hier — er zeigte aus den abwechselnd eri>iaffenden und erröthenden Pagen ~ feinen Schutz nicht gesendet. Vor allem Volke sei e« hier bezeuget : Er hat mir heute da« Leben gerettet." „Die Füße seiner Frommen bewahret Er. die Bösen aber vergehen in Finsterniß, denn nicht die Kraft allein macht den Mann zum Helden* (I. Sam. 3. 9) versetzte daraus der bibelfeste Opitiu». Auf Oxinrierna, seinen Kanzler, gestützt, hatte der König die Stufen zur Komihurei erstiegen und mit einer freundlichen Handbewegung verabschiedete er die zu seinem Empfang Versammelten Der Page folgte ihm wie in Träumen versunken, nur aus der obersten Stufe wandte er sich um, die ihm beifällig und jauchzend zuruiende Menge zu überschaue». Ein heller goldener Strahl der untergehenden Sonne traf da« bleiche aber edle und weiblich schöne Antlitz und. „6ata!* erscholl e« plötzlich au» der Menge herau« mit einem so gewaltigen und erschütternden Aufschrei, daß Aller Augen sich aus den richteten, der ihn ausgestoßen hatte, auf Rüben, der mit erhobenen Armen, mit entzückten Wicken dastand mit einem geisterhaften «uSdruck, at« erblicke er eine überirdische Erscheinung. Auch der Page blickte verwirrt und erschrocken auf und — „Rüben! mein Rüben I* jubelte er — wir müssen eigentlich .sie* sagen — im Tone de« höchsten Entzücken«, stürzte di« Stufen wieder hinab und warf sich lachend und weinend in die Arme de« von Niemand gekannten Fremdling«. „Gelobt seiest Du Herr der Weit, der Du Tobte belebest '* hatte Rüben nach der Vorschrift der Religion in überwallender Inbrunst gesprochen, Ehrn Opitiu« aber war der Erste, der in dem Gewühl abgerissener Berufungen, unverständlicher Wechselreden, jauchzender Fragen und jubelnder Antworten zwischen Sara und Rüben, Ahatz und Gertrud ein besonnene« Wort sprach: „Bedenket, daß Ihr hier nicht zu Rande kommen werdet, hier auf der Gaffen I Kommet Ihr Alle meine Lieben, kommet heim und laffet un« dort de« Allgütigen Gnade danken und preisen.* Dort in dem traulichen Stllbchen de» Pfarrhauses saßen sie in heiliger Liebe eng vereint, die Menschen verschiedener Nationalität, verschiedener Stellung und verschiedenen Be. kenntniffe«, aber einig in dem Gefühl glücklich »berstaudener Gefahre» und in der Hoffnung aus eine lichte Zukunft. Sara hatte sich mit Hil'e und au» dem Vorroth Gertrud« schnell ln die ihrem Geschlechte paffenden Gewänder gekleidet und so kam ihre eigenartige Schönheit erst recht zur Geltung. Aus dem Schlachtfelde hatte sie in dem einen Kosacken jenen Wächter erkannt, dem sie Koniecpol«ki auf dem unliebsamen Ritt von Wy«zegrad besonder« anempfohlen hatte und nur der furchtbare Gedanke, wieder in die .Hand ihre» Verfolger» zu fallen, gaben dem Mädchen Muth und Kraft, den Schub abzuseuer». der dem Könige da» Leben gerettet. Au« Rüben» Worten und Blicken quoll e« wie tieie« Gebet zu Gott, an deffen Güte er in ftnsterem Unmulhe g''zweifelt hatte und der in so wunderbarer Fügung sich gnadenvoll bewährte. Gertrud schmiegte sich an den ritterlichen Abatz so wie der schlanke Epheu sich an die starke Eiche schmiegt und Opitiu« konnte nicht Worte genug finden, Rubens männiiche Ent« schioffenheit, die ihm da» Leben gerettet hatte, zu verherrlichen. Wir haben wenig mehr zu berichten. Der König, der am anderen Tage de» Zusammenhang erfuhr, entließ seinen bi«herigen Letbpagen mit reiche» und kostbareil Geschenken. Die Trauung Ahatz'« von Dohna mit Gertrud Opitiu» fand am nächsten Sonntage, dem Tage vor ihrer Abreise nach Havelberg in der Pfarrkirche in Anwesenheit de» König» Gustav Adolf von Schweden statt. Die Rath»bra«erei hatte für da« Mahl unglaubliche Menge» von bestenl Hochzeit-gebräu geliefert, nichtsdestoweniger behauptete später Kaspar vom Loch, er hätte »och mehr trinken können, wenn er nicht damals nach einigen Stunden etwa» „unpäßlich* — be'runken sagte der Büttel Ehlert — geworden wäre. Rüben und Sara begaben sich unter dem Geleite von Dohna'« durch Brandenburg nach Holland, wo ihrem Volke ein ruhige» und sichere« Asyl bereitet war, während in Deutschland noch Jahrhunderte lang blinder Fanati«mu«, roher Eigennutz und bornirte Unwiffenheit die Juden verfolgte» und mißhandelten. In Amsterdam lebte noch lange Jahre reich, angesehen und glücklich der schwedische Hosgeldwechsler Rüben mit seiner Frau Sara inmitten zahlreicher Kinder, von denen die älteste Tochter Deoora durch Schönheit und Sanftmuth allgemein bekannt war. Man erinnerte sich in der ganzen Gemeinde noch de« Tage», an welchem der junge Pole zum ersten Male zur Thora ausgerusen war und mit thränenerstickter Stimme Bircha« Hagomel (da» Gebet für Errettung au» Gefahren) verrichtete. Eine kurze Zeit darauf fand die Hochzett de» Paare« statt, an jedem JahreSgevächtniß der Mutter re» frommen Weide» Rüben« aber fasteften die Eheleute und spendeten den Armen reiche Geschenke. De Caro.