Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 13 (1882)
- Issue
- 13. Jahrgang Nᵒ 12.
- Date
- 1882-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
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95 — Wandt crh«bt. befand sich das Lager der Polen. E» war dieselbe Stelle, von der aut im Jahre 1577 Zborowtki ge« gen dat Heer der Danziger einen entscheidenden Sieg gewann, in Folge dessen auch D. am 4. Oktober dieset Jahret geplündert und den Flammen übergeben wurde. In der Thal war diese Lagerstelle von Natur schon außerordentlich befestigt, da sie östlich und südlich durch den Müblenkanal, westlich durch den Lübschauer See gedeckt wird. Nur nach Norden, das nach Spangau zu liegende Terrain war eben und offen. Rur aus zwei Brücken, die von Rokittken und Schliewen aus zum See führten, konnte man in dat Lager der Polen eindringen; Gustav Adolf mußte et al'o vor allen Dingen so einrichte», laß die Polen ihr festes Lager verließen. Nur wenige schwedische Abtheilungen näherten sich unter heftigem Gewehrseuer den Brücken, das Gros der Armeen blieb, den Polen unbemerkt, hinter den Bergen bei Lübschau. Die Schweden zogen sich absichtlich zurück, bis sie in der Nähe der Ihrigen waren. Plötzlich brachen die schwedischen Dragoner bi»ter den Bergen hervor und »un begann aus der ganzen Linie ein fürchterlicher Kamps. Zweihundert Finnen stürmten da» Dorf Rokittken, um den Zugang zum polnischen Lager zu beherrschen, aber die polnischen Kanonen scuerten tapfer dazwischen, so daß die Finne» sich zurückziehen mußten, nicht ohne dat Dorf in Brand gesteckt zu habe». Dem Feldherrnauae des Königs entging dieser Umstand nicht und sofort stürmte er mit fünf Cornet-Ablheilunge» auf den bedrohten Punkt. Aber noch ehe er dorthin gelangen konnte, warfen sich ihm acht Husarenkompagnien und die Leibsotnie KoiliecpolskiS entgegen Der König lhat Wunder der Tapferkeit und et gelang die Husaren zum Weichen zu bringe». In der Hitze der Bersolgung aber entfernte er sich immer weiter von d>n Ecinigcn und bald sah er sich von fliehenden, feindlichen Reitern umringt, nur sein treuer Leibpage war keinen Augenblick von seiner Seite gewichen und drängte sich auch jetzt in dieser gefahrvollen Minute an seinen königlichen Gebieter. Zwei Kosaken aut der Leibsotnie deS Kronseldherrn sprengte» in diesem Augenblicke vorüber, plötzlich aber riffen sie ihre Pferde herum und stürzten aus die beiden Schweden lot. Mit einer seltsame» Freude, die doch nicht dem Könige gelten konnte, da sie ihn nicht kannte», riefen sie ein mal über das andere: Slawa! Llawa! Der König kreuyte sofort mit dem einen der polnischen Reiter das Schwer», der andere hatte sich auf den Leibpagen gestürzt, nicht um mit ihm zu kämpfen, sondern ihn zu entwaffnen und gefangen zu nehmen. Der Streit war ungemein hitzig, ein Hieb des Kosaken hatte d>m Degen det Königs das Stichblall, ein anderer den Rand seines Hutes sorlgenomme»; der Stoß aber, mit welchem Gustav Adolf endlich seinem Gegner de» Leib durchbohrte, hätte für ihn höchst verhüngnißvoll werden können, denn noch hatte er seine Waffe nickt sreig> macht, als der zweite Reiter von dem Pagen abließ und auf de» jetzt u»be wehrten König losstürzte. Der Page, der beim Anblick der feindlichen Reiter todtenbleich geworden war und sein Gesicht wie vor einem grauenvollen Wiedererkennen abgewendet hatte, bemerkte die Gefahr, in weicher der König schwebte, riß, wie von einer unwiderstehlichen Gewalt getrieben, ein Pistol von der Seile und schoß eS mit geisterhaft geöffneten Augen auf den Feind ab. Die Kugel ging durch den Kopf det Kosaken und Gustav Adolf war gerettet. Der Page jedoch sah nicht aus, als hätte er soeben eine Heldenthot vollbracht, eher schien eS, alt wollte er ohnmächtig vom Pt'erde sinken. .Dielen Schuß werde ich Dir all meiner Lebtage nicht verg.ffen, wackerer Junge!" rief der König ihm zu. .Bist Du verwundet? Gott Lob nein! aber höllisch müde wirst Du sein. Du kannst Dich ja kaum mehr halten! Du mußt mir sofort in't Hauptquartier nach D. folgen, dort will ich Dir königlich danken! Sporne Dein Pferd unh nun zurück zu den Unfrifleu!" — Dort hatte sich der Kampf völlig zu Gunsten der Schweden geändert. Immer wieder und wieder zurückgedrängt, hatten sie endlich die Brücken mit U halben Ka.thauen forcirt und die Reiterei der Polen in daS e», e Lager zurückge- . drängt. Der Kampf würde an diesem Tage mit einer völligen Vernichtung deS polnischen HecreS geendet haben, wenn nicht den aufs Neue kämpfenden König nocj zuletzt ein Schuß getroffen hätte; den Hals streifend ging die Kugel durch die rechte Schulter. Gustav Adolf mußte vom Pferde steigen und in einem Wagen zur Stadt gefahren werden. DaS Heer im höchsten Grade iür das Leben deS Königs besorgt, ließ sich an den erfochtenen Vortheilen genügen und stcnd von der weiteren Verfolgung deS Feindes ab. Aus drs Königs Befehl mußte sich der noch immer zitternde Page zu ihm in den | Wagen setzen, der sich von einem sinnische» Regiment eSkortirt, langsam sortbewegte. Auch Ahatz von Dohna, der den | Gang der Schlacht inmitten der neutralen Vermittler von i einer Anhöhe aus beobachtet hatte, schloß sich nun dem Zuge an I und erfuhr zu seinem größten Erstaunen von der Lebens-! reltung tes Königs durch jenen Pagen, der ihm schon gestern so | seltsam anfg>fallen war und der auch jetzt mit einem sonder- I baren Ausdruck der Angst und Erregung wie im Traume i vor sich lniiblickle Das wußte und ahnte Ahatz noch nicht, daß zur selbigen Stunde ein Anderer feinin Schwiegervater vor dem feindlichen Mordstahl und seine fl raut vor unendlicher Trauer behütet und gerettet hatte. (Schluß folgt.) 3«ttung«lcf((n bifttt da4 täglicb zwei. ,l m einr Morgen- und Abend Au«gabe erscheinend» „Berlur-r Tageblatt" in der Rrichhaltigk it, Manniglalligkeit UN» ül.dieaenheit leine» Inhalt« di« interessanteste and anregendste Lektüre In Folge dess n vermochte ,« sich einen les en Slam» »an ca. 7VVV0 Abonnenten zu erwerben und gleichzeitig zu der gelesensten und verdreiteist.n Zeitung Deutschlands e»,por)»schwiug n. Dir am« Verbreitung de« „Berliner Tageblatt" lielert außerdem den besten Beweis, dast «» die Bedursrisfe de» ze»tung«lesenden Publikum« »in weitesten Mah- I» befriedigen weiß. Durch täglich zweinalige« Erscheinen ist da« „B T." in der Lag». alle Rochrichlen stet« 12 Stunden srllher al« jede nur rin P al täglich erscheinende Zeitung zu bringen. Da« „B. 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