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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1882-01-01 · 13. Jahrgang Nᵒ 11. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
13 (1882)
Issue
13. Jahrgang Nᵒ 11.
Date
1882-01-01
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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— 82 — hetmffch zu «wrbffl oder jo bleiben, in welchem der Grundbesitz ihn«, nicht gestattet ist. Der vierte Punkt macht di« Juden rechtlos und drückt sie zu Paria« nieder. Sie dürfen nicht mitwählen, wenn ihre Mitbürger durch eigene Wahl ihre Häupter ernennen; st« werden machtlos und w»h r l o « ihren etwaige« Feinden in die Hände geliefert. Der fünfte Punkt, welcher den Anschein hat, al« wenn er den Juden eine Wohlthat erweisen wollte, enthält in der That nicht« al« Hohn; denn wie könnten in Rußland ohne Beihilfe der Regierung sich die Luden in etnem fernen Lande«theiie ansiedeln! Mann kann sich leicht vorstellen, wie tief niedergedrückt der Muth unserer Brüder in Rußland ist. Sie erwarten wenig Gute»; aber beim Bekanntwerden dieser entsetzlichen Vorschläge werden ihre schlimmsten Befürchtungen weit über» schritten sein. Roch wiffen die Unglücklichen nicht« von dem, wa« sie bedroht. Welcher Jammer «iid sich erheben, wenn all die« Schreckliche zu ihren Ohren dringt! In England. Frankreich, Deutschland und Amerika ist man gegenwärtig bemüht, kür die jüdischen Auswanderer au« Rußland Sorge zu tragen. Sollten aber, wa« der allgütige Gott gnädig verhüten wolle, jene fünf Punkte die Bestätigung der Kaiser« erlangen, so müßte» vielleicht zwei Millionen Menschen au«wandern, für di« Sorge zu tragen alle menschlich« Kräfte übersteigen würde. E« muß daher Alle« ausgeboten werden »m die Genehmigung uud Au«führung jener entsetzlichen Vorschläge hintenanzuhalten. Wenden wir uns zuerst an unfern Vater im Himmel. Mögen doch alle unsere Brüder und Schwestern an allen Orten, wohin unser Mort gelangt, einen allgemeinen Fast- und Bettag einsetzen.*) Wir schlagen vor, den Rasttag de» Neumonde« Nissan, Montag, den 20. März, hierfür zu bestimmen. Wir bitten ferner alle unsere einflußreichen Klanben«genoffen aus Mittel und Wege zu denken, wie e« möglich sein möchte, das grenzenlose Elend, welche« die ruffischen JlHen bedroht, zu Gebür Er. Majestät de« Kaiser» von Rußland zu bringen und Allerhöchstd. flebcntlicht zu bitten, zu verhüten, daß Millionenhunschuldiger Menschen vernichtet werden, ihm vorzustellen, daß es dem ganzen Reiche nur zum Unsegen gereichen muß. wenn Millionen fleißiger und intelligenter Bewohner deffelben unglücklich gemacht werden. Deputationen müßten au« Pari«, au« London, au« Berlin, au« Wien, au« Frankfurt am Main, au« Copenhagenrc. nach Petersburg rnttendet werden; die Vermittelung allerhöchster Persönlichkeiten, welche den« ruffischen Kaiserhofe verwandt und befreundet find, müßte angerusen werden. Welcher Jude wollte, wenn ein solche« Unglück droht, zurückstehen, wer wäre nicht bereit. Vermögen und Leben einzusetzen, um da« drohend« Verderben abzuwenden! •i Lblq-r und Borschlaq qrht von )kt XrDaction de« ,J«> raili," au«; «inmtithiges »and,ln Ihul hier lorptlt notb, wo <* sich um da« «ot)I unserer l^laudrnlbrüder Handel«, find wir Alle eine Partei. Statt de« Fasten» scheint unu sedoch siteldspenden prak» «sicher; Qlg und;i22 siiw ja bekanntlich — auch nach BuchltabenzLh- «unz — «letchwerthig. (Red. d. .I«r. Dochschrst.") ( Dte L««vergrr «adbinerverfammlung! Trübe ist der Hirzont Israel«. Ringsum von Feinden , umgeben: Ruff«n. Rtmänen und deutsche Antisemtten und in j Galizien ein« Rabbiner- und .gute Iüden"-Bersamiulung! E» i ist etwa» seltsam Tra,tsche»l trine einzige Ration von so vte- ' len Feinven umgebet und im eigenen Haut« der »nglückseiigfte Bruderzwist! .^anattlmu« u.id Fortschritt sind di« wei u»erbittttch.n Duellanten, unbetüminert, daß die Zeiten o fürchterlich ominö« s nd, daß jede« Zerwürfaiß zehnfachen Schaden anrichier. Gegen zw>ihund,rt Mänrer sitzen zu Gericht, um über da« gal,zische Iudenll u n da» Damoklesschwert zu zücken. Noch liegt »»« der Wortlaut der Beraihung und der Beschlußsaffung nicht in seine«,, ganzen Umsange vor — und wird derselbe nwhl ki uin an» Tageslicht gelangen, weil die Finsterlinge da» Licht zu scheuen haben — um da« ganz« Maß des Unheil« z> ermrffrn, ivelches di« Klautradbinen anzurichtrn gedenken. Besehen wir »,S einigt der Schlagwürter näher, mit welchen nnihergewon, n wird») Trennung der Gemeinden in orthodoxe und rortich itlliche, >») Keine» zu Amt ui«d Würden gelangen z i laste», n.lcher nicht streng orthodox ist, «0 keinen Schulbesuä, d) U««gi lligkeit grschloffener Eioilehen, «) Uedernahm: de« galizisch«» Lind.'SlnaffasondS. Dia galizischen Juden fol.cn nach bom Vorhaben de« Rabd. Schreiber in zwei he erogrne Iad-nthümkr, zwei einander sich feindlich gegenüberstehende Laxer, getrennt werden. Diesen soll nun der Berneine» jüdischen Priester« sein : den Fluch der Zwiet acht, den Bruderhaß au«zus»reuen! Und «elihen Biuchtheil ai Judenhaß überläßt Rabbiner Schreiber dann noch den unbes hnittenen Judenfeinden k Unserer Ansicht, einen nur untergeord «elen Thell, denn jenen bleibt ja höchsten« da« Rauben und Morren zurück, wa« wohl aus die Dauer nicht unterhalten werden kann und darf. Also hat Rabd. Schreiber den Anttsenittn in llalizien da» Handiverk gründlich gelegt — er hat ihnen, so zu sagen, die Waffe entwunden. Sehe, wir von dm Trägern dieser neuen Emanation e«nes wüthenden Zelot,«mul ab. um mit de» Thalsachen zu rechne». welch' bierturch g.-schaste» werden soll. DieIudengemernden tollen getheilt werden. eSsvllaus der einen Seite die Intelligenz, au, der anoern Seite alle« wa» iveder de« Schrr den« noch Lesen» kundig und den Mun'o nicht austhun rann, s ehe», denn dies« Ignoranz müffe ja da« Eharakterislicon einefromm«n Gemeinde in Galizien sein. WaS wird die Folge sein? Die Blinden und Lahmen «verden nach jeder Richtung l in übervnrtheilt, angegriffen. Keinen besitzen, «velcher sür sie das Wort oder die Feder führt; schließlich werden die Einnabalti« in di« unförmlich breiten Taschen eine« gottergebenen ltabbiner« resp. .guten Juden" «vandern. Die Partei der Intelligenz wird sich auf da« engste Terrain zurückziehen an» jede Eommunication niit den übrigen ausgeben, uin ihre eigenen Weg: zu gehen und wer «veiß. wohin jene achtbare» impulS- und tongebenden Familien sich verstrigen werden. D»« Odiitm, Juden au« dem Verbände des Jusenthum« gedrängt zn habe», wird auf Rabbiner Schrvib-r und dem Belzer Zaalk falle». — Diese werden eS vor ihrem eigenen Gemiffen, riie vor dein Stuhle de» höchsten Richters zu verantwarten haben. G>rad,zu sinnlos, unpral lisch und unau»führbar ist der weite Beschluz der Rabbiner,i«rsammlu»g in Lemberg, nur rommen Jude« die Wahl in Repräsentatlvkorpern zu gestatten. O, von welche, geistigen Unreife zeigt doch eine derar tige Beschlußsaffung. Diese frommen )t,Präsent ritten würden gleich ihrem ooranleuchtenden Vertr« er in all>n Sprachen gtündlich schiveigen, höchsten» unvei nünst g lachen, wenn man über Juden Gift und Galle vergießt, wie neulich im österr. Reich-rath« Wa« die Livilih: anbelangt, so gestehen wir aufrichtig, daß die Rabbinen i « Galizien keine, ja nicht di« mindeste Veranlaffung haben, gegen da »selbe zu remonstriren.

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