Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 13 (1882)
- Issue
- 13. Jahrgang Nᵒ 9.
- Date
- 1882-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
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71 Kaum hatte der vom Empfang de« Schwedenkönig» heimgekehrte Stater ei versucht. Möglichkeiten zur Erklärung für da» Ausbleiben de» Bräutigamauszusuchen alauch schon Fritz der Reitknecht de- Landhosmeifters erschien und die baldige Ankunit seines Herrn ankündigt-. In aller Eile erzählte er die Ereignisse der vorigen Nacht. Schneller, al» man e» anfänglich hoffen konnte, hatte sich Rüben erholt, kein edle- Organ war verletzt und nachdein er bizum Abend unter Dohna» treuer Wacht und Pflege geruht hatte, hielt er sich für kräftig genug, den Weg nach D. zurückzulegen. Deß der Angriff auf Rüben nicht der Person des jüdischen Fremdlinggegolten habe, stand fest, da- Verschwinden der beiden Briese zeigte ja, daß jenes feige Bubenstück gegen dir Sendung des Jüngling» gerichtet war. Ein Feind der Pastor-leute mußte den Wehrlosen überfallen haben, und diesen zu entdecken wollte Dohna mit Rüben» Hülse versuchen. Wir schreiben keine» Roman, unsere Hauptstärke besteht in der geschichtlichen Relation und glauben darum von der Pflicht entbunden zu sein, da» Wiedersehen der Liebenden im Hause de» ehrenfesten Psairherrn Opitius zu beschreiben. „Sohn Israels," sprach unterdeß Ehrn Opitiu» zu Rüben. »sehen wir un» so wieder i Gebt mir Eure .Hand, Ihr seid ein braver Mensch, braver, al» Mancher, der auf» „Krwz gelaust ist!" Wohl vermuthe ich, welch' ein Schurke Euch so jämmerlich hat zugerichtet, aber so wahr mir Mott helfe, ich will e» so klar an den Tag bringen, daß e» von Jedermann begriffen wird! — Vorläufig blieben diese Andeutungen am unklarsten demjenigen, an den sie gerichtet waren, aber auch ohne die« war Rüben» Zustand nicht für längere Auseinandersetzungen geeignet. Der Pfarrer hatte im Dachstübchen ein bequeme» Lager ausschlagen lassen, dorthin führte er den Kranken. Gleichsam al« Pfand getreuer Eiastfrrundschast hatte Opitiu» di« hebräisch« Bibel, die er besaß, aus seiner Arbeitsstube geholt und sie für den fremden Gast aus den Tisch gelegt. »Run, hier ruhet au»", müder Mann, sprach er sich freundlich verabschiedend, „und da» Wort Gotte», dasfich gleich Euch verehre, möge Euch erquicke«, daß Ihr Eure» schweren Kummer» Euch getröstet." Rüben aber suchte noch lange sein Lager nicht auf, so schwach und müde er war, wankt» er unaufhörlich von einem End« zum andern de» engen Stübchen». So lange er unter freundlichen Menschen gewesen war, hatte er sich ruhiger und leichteren Grmüthes geiühlt, jetzt aber in der Einsamkeit stiegen jene traurigen Bilder der Heimath wieder auf, wiederholten sich jene peinigenden Seldstqualen und Seibstanklagen, die im Laufe de» Fahre» den Jüngling in die Welt getrieben, die da« schöne Antlitz mit Gram durchfurcht und die dunkeln Augen mir dem Autdruck unsäglichen Schmerze» erfüllt hatten. „O, wäre ich doch gestorben", murmelte er in abgebrochenen Sätzen, „hätte ich doch der sterbenden Debora jenen unseligen Eid nicht geleistet! Ihre Tochter zu schützen, habe ich geschworen, — geschworen, Allmächtiger bei Deinem Namen, Körtest Du k und Du ließest mich schwören, während die Räuber da« Opfer packten I Fluch Dir, Du Höllensürst Koniecpolski! O Herr, warun, ließest Du den'Unreinen siegen über Un> schuld und Reinheit k Sara, Sara, Tochter Debora'», wo bist Du? Gott meiner Väter, mein Leben nimm zum Opfer, aber verleih« den Schwede» Sieg über da« Gezücht der Ottern, de» Staub seiner Füße will ich küssen, wenn er heimkedrt, der große König, siegreich au« dein Kampfe mit — verivtscht sei setn Name, — mit Nebukadnezar." Also tobten Wnlh und Verzweiflung im Herzen Rüben». Unwillkürlich halte er sich dem Tische genähert und da» Buch aufgeschlagen, welche» Opitiu» dorthin gelegt hatte. Mit freudigem Erstaunen erblickte er die theuren Zeichen der heiligen Sprache und wie selige Ahnung überkam r» ihm plötzlich, al« er die zufällig ausgeschlagene Stelle in den Psalnien laut vor sich hin sprach: „Lobsinget dem Herrn, ihr. seine Frommen, und preiset seinen heiligen Namen, denn einen Augenblick währet sein Zorn, seine Huld aber lebenslang; am Abend kehret Weinen ein, gegen Morgen aber Jubel .... Du verwandelst mir meine Klage in Reigen, Du lösest mein Trauergewand und gürtest mich mit Freude, auf daß Dir lodsinge meine Ehre und nicht verstumme, Herr, mein Gott, immerdar will ich Dich preisen." tPs. 30.) Thränen rollten über da» bleiche Antlitz de» Dulde:», er küßte die Stelle, die er gelesen, er schloß da» Buch und dehmülhig wendete er sich nach Osten und mit tiefer Inbrunst begann er da» herkömmliche Abendgebet: „Und Er, der Allbarmherzige sühnet Schuld und Strafe, er verdirbt seine Geschöpfe nicht, milde hält er gar oft seinen Zorn zurück, o Herr hilf! erhöre nn», o König, wenn wir zu Dir rufen!" Wie heilender Balsam aus eine Wund», also senkte sich himmlischer Trost auf da» gepeinigte Herz de» edlen Jüngling» herab und seit ein» in Jahre zum ersten Male entschlief er mit dem Geiühl der Hoffnung und der frohen Zuversicht. Auch unter dem Dache de» lutherischen Pfarrer» hatte sich da» unvergängliche Eigenthum J-raelS heilkräftig und wunderthätig bewiesen! — Unterdessen genossen Gertrud und Gras Dohna in vollen Zügen die Freude de» Wiedersehen» und al» in später Abenvnunde ein Leibpage de» Schwedcnkönig» de» kurfürstlichen Landhofmeister »och zu Gustav Adolf entbot, kam e» Gertrud vor, al» seien erst einige Minuten seit der Ankunft de» Bräutigam» verflossen gewesen. ES war rin schöner, wohlgewachsener und schmiegsamer Bursche, dieser Bote Gustav Adolf», seit Kurzem erst war er in königlichen Diensten, aber von allen wohl gelitten und von dem Könige mit Gunst und Wohlgefallen behandelt. Seitdem de» Königs scharfblickende» Auge ihn unter polnischen Krieg-gesaugenen erspäht und zum persönlichen Dienste beordert hatte, war der Page siet» in seiner Nähe und auch im Feld« hielt er sich, von den Uebrigen abseits, dicht an den königlichen Herrn Ahatz von Dohna folgte dem Rufe Gustav Adrls» und verabschiedete sich von Gertrud. Der Schwedenkönig aber empfing den Landhofmeister mit außec ordentlicher Güte und ließ sich dessen Erlebnisse seit der Trennung in M> rienburg berichten. Sodann nahm er da» Wort: „Schon morge.r will ich dem Krons.ldherrn cntgegenziehen, wie auch 'mmer die Entscheidungaursalle — sie steht in Gotte-Hand — Euch bin ich zu großem Danke verpflichtet. Ihr habt hier eine gar herrliche Festung erobert, gleichet die Tochter dem Vater, drnn seid Ihr glücklich zu preisen. Will'« Gott, besuch ich da» Jüngie.chen im Pastorhaus«. Ihr aber lebt wohl und wenn wir un« nicht Wiedersehen — morgen gilt» Leben oder Tod — dann entbietet meinem kurfürstlichen Schwager, Eure n Herrn, meine» königlichen Gruß. Er solle intt sorgen helfen, daß nicht Rom t» Euren schönen Landen triumphir« uni daß die reine Lehre nicht mag untergehen. Bleib' ich ani Li ben, dann bin ich zur Hochzeit mit Verlaub Euer und de» braven Opitiu« Gast". Der .Heltenkönig lächelte mit gewinnend« r Freundlichkeit und Ahatz rntserntr sich mit einer tiefen ,'hrfurcht«- vollen Verbeugung. De» König» Leibpage aber sä auete «hm mit den großen, räthselhaft dunkeln Augen sinnend und träumerisch nach. (Fortsetzung folgt.) Lehrlings-Gesuch. 2H6UJ %üt mrtn Ikanulactutun» Atoke» nta«r«n-i»»sch«st in (jro* t nn »•1,11 such« rinn» UetzrlinP - Wtgbtbutg. Herma»« Ara«». Bt*Ufre*g 60. 1*««] iroD Sr Vfia»«r» un» lonftlgM «a«a»st reit» tu uro, zu f, u f r n gesucht.' CflfTt-n mit Nnguke kt« Preise« sin» Wl »er SfiMkilimi k. I Pt. schleunigst odzug«»«,. vrieftaften »er «»»actlvn. "* ch« muiiliN für fit. 10 zutllctbleiben bl« Lorresponk. Stettin, Mannheim, Au» Aleftsai» », Larnoreitz, *Ut<»> Krctkau, Prlinu, Pest, »u« Atühre'i (Schiub), London, fteregork, ckoprnhc gen.