Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 13 (1882)
- Issue
- 13. Jahrgang Nᵒ 7.
- Date
- 1882-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
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Anderen, einte Besseren. (Man lest in der beiliegenden Nr. dt» „Jüd Litbl." die Vesprechmtg diese» Buche».) Trvtz alledem kann durch die russisch«« Juden M: chroicksch« Jndenfrage akut und international «erde«. Sine furchtbare Ber»t«vrtung legt sich heute aus die Gemüther derjenigen, «ekche die inAkllgente, aber unglückliche, ja zum Theil verwahrloste jüdische aber nicht deutsch« Bevölkerung «n» Halbasien dewnßt oder unbewußt nach solchen civilisirten Staaten ziehe«, die mit Ihren eigenen Krisen vollauf beschäftigt sind. Alle diejenigen, die schon mit englischem Geld« den Zukunftestaat Neu-Judäa erschauen, die gleich un» sich an den herrlichen poetischen Visionen Di»- raeli'» und der G. Eliot erbauen, die diese aber heute von Deutschland au» (oergl. einzelne Leitartikel in anveren jüd. Zeitungen) in Scene setzen wollen, erinnern wir daran, daß jede» Land die Juden hat, die e» verdient und e» glebt viele russische Juden, die Rußland verdienen. Wir können noch nicht in Zeitungsartikeln mit jubelnden Tiraden austretrn und rufen: „kommt zu un»", wenn un» da« Herz blutet bei dem Elend und der Gekahr, welche eine leichtsinige übermäßige Emigration und auchKolonifation herbeisühren können. Die Hauptsache ist jetzt nicht: „Heran« au« Rußland", sondern: „Wie schützt man die bereit» Autgewandertm vor dem Verhungern?" Diese Frage wußten un» schon viele Emigrationsideologen nicht zu beantworten. Man gehe nach Brody und sehe sich da» herzzerreißende Elend der dort Jn- »erntrten an, auch Krankheiten und Seuchen könnt« die wohlwollende österreichische Regierung nicht verhüten. Darum erheben wir di« gegengewichtige Stimme und sagen: Je mehr sich die civtltsirte Welt für da« Unglück der rusitschen Juden erwärmt, desto »«.sichtiger muß vorgegangen werden. Oder wollen wir etwa den von der „Time«" mit Recht al» höhnisch charakterisirten Rath der „Kreuzzettung" befolgen und den Engländern einige 100,000 russische Inden in da« luftig« Alt-England senden? Die Hauptsache ist noch einmal: Geld, Geld, Geld. Dann aber kommen nicht schöne Projekte, sondern die wetteren thatkräfiigcn Arbeiten der berufenen Allianzen, dev Deutsch-J»raelttische» Gemetndcbunde» und der Vorstände der Grenzgemeinden, die zu Grenzcomitü» wieder wie früher zusammentreten müssen. Doch warten wir die Verhandlungen auf dem außerordentlichen Gemeindetaqe zu Berlin in nächster Woche ab. Zur Krage der Kolonisation Palästina'-. ii. E» entsteht nun die Frage: Darf jetzt schon an eine solche Kolonisation und mit welchen Mitteln gedacht werden? Eine Kolonisation un großen Stile haben wir vorhin eine Utopie genannt und die Gründe dafür angegeben. Auch würde e» an dem Material zu einer solchen unter den Juden selbst fehlen. Der Ackerbau will überall gelerat sein, ja zum günstigen Betriebe deffelben bedarf e» sogar einer gewissen Familientradition. Woher will man hierzu die Elemente aue der Judenheit nehmen? Tie russischen Juden, an welche man in erster Linie gedacht hat, sind seit Jahrhunderten bi« auf w««ige Au«nahmen vom Ackerbau »«»geschloffen, und ist ihre Entwickelung eine solche, daß e» unmöglich sein würde, die Masse der ruffischen Auswanderer sofort al» Ackerbauer zu verwenden. Schon die Acclimattsation derselben würde eine schwierige, mit Menschenopfern verknltzfte sein. Die jetzt in Palästina wohnenden Inden Ersten auch im Allgemeinen, allerding» mit A«»»ahmen, wenig geeignet für den Ackerbau sein. Namentlich find die Juden von Jerusalem und Laset, den Hauplgemeinden de» Lande», durch da» Unwesen der Ehalukka zu sehr demoralikirt und stammen »um großen Theile al« Otnnanderer au» solchen eurvpäischon Beoötterungrschichken welche sttr Ackerbau--oioäien am Allerwenigste» laugen. Auch dürfte Äe über all« Matzen peinliche und minutiöse Auslegung undHanotwbnng M> Leremonialgesetze, wie,fie gerade bei den palästine isischen Juten herrscht, dem Betrieb« de» Ackerbaues in ma«<i>«r Hinsicht hinderlich sei«, wenn auch schwerlich in einem solchen Maße, wie e« einem Fernstehende« erscheine« möchte. Ganz ande, » gestattet sich die Sache, wenn man die Frage zur Erwägun; stellen wollte, ob e» nicht zeitgemäß sei« würde, den Besuch mit einer jüd. Kolonie in einem kleinere« Maßsicde zu mache». In dieser Hinsicht ist man christlicherseit« mit einem guten Beispiele vorangegangen. Eine Anzahl deutsch-r Familien, inebesondere au« Württemberg, welche einer oesondern evangelischen Lecke angehören, haben vor etwa 22 Jahren in der Rähe de» Karmelgedkrge» eine Ackerdaucolc-nic gegründet, welch.', ivenn auch «licht in glänzenden, doch in ganz guten Verhältniffen sich besinnet. Auch in der Rahe »o» Jaffa hat eine deutsche Gesellschaft einen größer« Gruldbesitz erworben, aus welchem sie den Ackerbau und den Export von Landespr wukten mit gutem Erfolge betreibt E» ist de» »alb nicht adzusehen, weshalb e» nicht auch einzelnen Juden oder, noch bester, kleinern Genossenschaften von Juden gelmger sollte, einzelnen Ackerbaucoloniea von mäßigem Umfange z t gründen, inedesondere wenn sie sich unter den Schutz «in r europäischen Großmacht stellen könnten. Solch» klernern Kolonien würden leicht BetheiUgung und Unterstützung finden lönnen bei einzelnen palästinensischen Juden, welche, wenn auch an Mitteln arm, doch völlig acclimattsirt und mit den 'Üerhältniffen de» Lande« vertraut find. E» giedt sicherlich in den Dörfer» und kleinern Städten de« Lande» manche jüdische Familie, welche sich auf diese Weise gern ein« ehrenvoll« Existenz sichern möchte, wenn ihr Gelegenheit und Mittel gewährt würden. Sollen doch jetzt schon vereinzelte Bittgesuch! dirserhalb an die Alliance Jeru'sttte Universelle gerichtet ein. E« war ein 1-urchcm» richtiger Gedankt der Allianz, offenbar in ijorautsicht zukünftiger Ereigniff« und Verhältniffe, in Jaffa ein« Ackerbauschule zu gründeil. Allerdings scheint di-st« Schule »i« jetzt wenige Leistungen, namentlich in der Ausbildung tüchiger Ackerbauer, die auch wirklich diesen Beruf autjuüben gewillt oder in der Lage sind, ausw.isen zu können, alleir. aller Anfang ist schwer, zumal bei den so eigenthümlich verqustten Verhältniffen de» Lande» und bei dem ungeeigneten Mcterial von Schülern, welche dieser Schule ,«gewiesen u-erden konnte. Außerdem scheint ee, al» ob die Allianz mit itwae zu großer Aengstlichkeit und mit einer zu grozen Schonung durchaus unbegründeter Vorurtheile vorgehe In anderer Hiificht scheinen aber die Garlenanlagen, die Baum Pflanzungen und die Ackerfelder der Schule sich eine» guten Gedeihen» zu -:rsreurn und so auch hier die günstigen Erfolge einer rationellen Wirthschaft zu zeigen. Ee roürde dem» ich immerhin de« Versuch» werth sein, eine Anzahl k-irperlidi unk gelstlg gesunder Juden, namentlich au» der ruffischen Emigration, welche sich hierzu willig zeigten, au»zvwählen unidieselben zu veranlassen, eine gemeinschaftliche Ackerbaucolmi« n Palästina zu gründe». Mit Hül-e der Allianz, vielleicht in Anschluß an der Ackerbauschule, mit lllitterstützung von allerdings in erhedttchem Maße erforderlichen l-eldei n, die doch wohl auszutreiben und vielleicht nicht einmal für alle Fälle » fonds perdu herzugeben wären and ueter öinzunahme einzelner palästinenfischer Juden, ror alle n aber unter der Leitung tüchtiger Männer würde di« Sache wohl in die Wege zu leiten fern. Di« Kolonie kann sich von vorn herein ganz unabhängig von b;n slanattke.'« in Jerusalem conftituiren und diese» die Wege «eisen, weim st« sich in ungebührlicher Weis« entmischen wollten. Eine solche Kolonie würde sich in der Nähe von Jaffa ode: ou« Ilimatischen Rücksichten in einer mäßig