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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1882-01-01 · 13. Jahrgang Nᵒ 4. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
13 (1882)
Issue
13. Jahrgang Nᵒ 4.
Date
1882-01-01
Page
[Seite] (sequence 7)
Language
German
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naten so lange um die Liebe der schönen Jüdin werben lieh, denn als erst alle Mtttel erschöpft waren, erst, als er durch Zufall erfuhr, daß der Pflegebruder 'Huben siegreich in ihrem Herren trohnte, ichrit! er zur Gewalt. Lange umschlichen seine Helfer das Haus, lange entging Sara vorsichtig den gefürchteten ')lachstellungen, erst die Verwirrung, welche die plötzliche Erkrankung Debora'» über das still« Hau» gebracht, machte da» Gelingen dr» teuflischen Planes möglich. Stuf den, Wege zum Friedhof, wohin sie der Sille gemäß für das theure Leben zu beten eilte, ergriffen sie die Reiter KonieepolSki'», und während daheim Raben der Sterbenden den verlangten Eid leistete, wurde der Gegenstand des versprochenen Schutzes dein Bereiche seiner Macht entrückt. Am glücklichsten war Debora zu preisen. Ein mitleidiger Tod hatte sie den grenzenlosesten Jammer nicht erleben lassen, ihr geliebtes, stolze» und tugendhaftes Kind in den Armen eine» Wüstling» zu wissen. In der reinlichen, mit Blumei.sträuschen geschmückten Mansarde des bescheidenen Pfarrhauses in D. saß die blonde Gertrud, die liebliche Tochter Ehrn Opitius. Schon mit 6 Jahren war die Mutter gestorben und seit 2 Jahren war da- Hausregiment von der alten Dienerin Verona an Gertrud übergegangen. Ehrn Opitiu» aber batte Recht, wenn er seine Tochter i» väterlicher Zärtlich! it das .Täubchen" nannte. Wie genau kannte sie der Vater» Wünsche und Geioohnheige», wie besorgt war sie um seine Bequemlichkeit und mit welch sreudigem Stolze lauschte sie in der Lirchc den beredten Worten des viclbewundertcn NanzelrednerS. Sie mochte ivohl auch jetzt, wo sie sinnend H chiiitzte» Lehnstuhl saß, an jenen heiteren Frühlingssai n'.ag denke», wo sic ihrem stirchstubl gegenüber j neu hochgewachsene» brandenb nrgischen Offizier erblickte, der i» Andacht versunken schien. Wem die Andacht de» schönen LriegSinanne» gegolten, ob dem unschön gemalten Altarbilde, ooer der reizenden, in holder Verlegenheit erglühenden Pastorslochter, darüber meldet die Chronik Nichts; auch darüber lasie» die historischen Qu Pen Nichts verlaute», warum Abatz von Dohna, der Landhofmeister de» .sturfürste» Cieorg Wilhelm o. Brandenburg au» seiner zweitägige» Rast in D. da» Hau» deS hochwürdigen Pastor» OpitiuS vor allen Häusern der hochansehnlichen Narh»yerrn und so»stigen Honoralionen vorzog und dort fast den größten Theil seiner Rastzeit verbrachte. Die Quellen schweigen hierüber — ob auch der Wiesenbürger Johann Christian Gert davon Nichts weiß? Gert war ein entfernter Verwandler der verstorbenen Frau Ulrica QpitiuS und kam auf Grund diese» Umstande» oft in da» Piarrh.ru». Mit Gertrud veikehrte er auf dem Fuße gleichgültigen Wohlwollens, Vettern und Basen aber wollten wissen, daß der leichtsinnige und verschuldete Patron auf des Pfarrers Töchlerlem und auf da» Strümpflein holländischer Dukaten rechne, welches Ehrn Qpiliu» als Spar und Nothp.-nnig zurückgelegl hatte. Dohna'» Änkunfl änderte sein Betragen plötzlich. Mit dem scharssinnigen Instinkte der Eifersucht batte Gert erkannt, daß zwischen jenen schöne» herrlichen Mensche» ein Herzens - bündniß im Cntstelien sei. Am Tage »ach Dohna'» Ankunft hielt er osien bei Opitiu» um die Hand Gertruds an. In wohlgefügter Rede ermahnte ihn der Pfarrer zuerst für HauS und Ho» zu sorgen, daß sie vom Büttel nicht gepfändet werden, dann ab.r für seine Seele, daß sie in Liederlichkeit und Verschwendung nicht dem Teufel verfalle. Seit jenem Tage hatte Opitius, den selbst die katholischen ehrten, einen geschworenen Feind. Wir haben gesehen, in welcher Weise Gert diese Feindschaft zur Geltung zu bringen suchte. Gertrud aber laß sinnend im Lehnstuhl und dachte an Ahatz v Dohna. Einmal vor Wochen war er wiedergekommen, schnell und eilig, er reiste nach Pillau, Gustav Adols dem Schwedenkönig entgegen. Sie hatten damals dem Vater das süße Geheimniß mitgelheilt, und Opitiu» hatte sein Läppchen gezogen und hatte gesprochen: „So e» Gotte» Wille ist. seid gesegnet im Namen Gottes." Dann war Dohna abgereist und hatte seitdem Nicht» von sich hören lassen. Schon lange war der drohenden Lriegsläuste wegen kein Spielmann, kein fahrender Schüler, kein Sänger mehr in die Stadt gekommen, der ein Brieflein oder eine Botschaft hätte bringen können. Der bleiche fremde Mann den Corpora! Blumer gestern am Wallthor ausgegrissen und den, Büttel zur Einsperrung übergeben, hatte zwar dringend und flehentlich gebeten, dem Pfarrer der Lutherischen vorgesührt zu werden, al>er ohne die Erlaubniß des gestrengen Herrn Bürgermeister» durste solches nicht geschehen und ehe man Opitus von dem sonderbaren Begehren de» sii.sieren und verschlossenen Fremden benachrichtigt halte, waren die aufregenden Scenen de» heutigen Tage» gekommen. * * * Während nun die ganze Stadt sich durch den blasenden Thurmivächter in Angst und Verwirrung bringen ließ, hatte Gertru" ruhig iui Lebnstuhl von Ahatz geträunit, denn der vorsorgliche Vater hatte sie sofort durch einen Boten beruhigen lasse» Jetzt da Opitius mit heiterer Miene in ihr Zimmer ttat, sprang Gertrud wie au» tiefem Traume erwachend, auf und warf sich dem Vater in die Arme. „Gelobt sei Gott, daß Ihr «ndlich komn.t, Herr Vater, mir ivard angst und bange von wegen de» gräulichen Bla- 'ens vom Thurme; und was bedeutet denn dieser gräßliche Lärin?“ „Was er bedeutet? he! Jungier Tochter da» niöckite sie wohl gerne wissen, aber mulier tncent in ecclesia! und dieweil sie in Airchensachen zu schweigen haben, werden sie wohl in Staats- und ^rirgsailgelegeiiheitcil ein Gleiches thnn. So viel aber fki- Dir gesitg»,^>gehe hin, saubre und reinige Ha»» und Stuben, denn e» ist leicht möglich, daß wir schon in einige» Tage» hochgestellte Gäste zu beherbergen haben werden. Gertrud erglühte bi» ül>et die Stirn. „Ahatz?" — stotterte sie. „Ja es hat sich wa» am Ahatz, höher hinauf, Jungfer," höher hinaus! Und nun gieb mir Ruh-, ich bin müde nach all dem Reden iin Rath und — er fühlte Mitleid mit dem erbleichenden Linde — zuletzt wird auch der Landhofmeister nicht gar ferne sein." Der Wunsch de» chrivttrdigrn Herrn nach Ruhe sollte aber so schnell noch nicht erfüllt werde». Immer dringender halte o.r Gefangene im Thurme verlangt vor den Pfarrer der Liltberischen gefühlt zu werden, bis endlich der gutmüthige Büttel Ehlert es selbst übernahm, die - Erlaubniß hierzu von dem gestrenge» Herrn Bürgermeister einzuholen. Ter Einfluß kc» Pastor» mochte in den letzten Stunde» außerordentlich gestiegen sei», denn ohne weiteren Umstand wurde der fremd' Mann seiner Hast entlasieii und in das Pfarrhaus gewiefei. Dort nun erschien er jetzt und fragte finster und säst t otzig nach Gertrud des lutherischen Pfarrers Töchterlein. „Was hat Ihr mit Gertrud zu schassen, fragte Opitiu» barsch, den sonderbaren Menschen von oben bis unten mißtrauisch musternd! Ihr werdet doch wohl" — fuhr er einlenkend fort, als er in das edle von einem heftigen Seelenschmeez durchzuckte Antlitz des Fremden blickte — was Ihr meiner Tochter zu sagen habt, vor ihrem Vater nichtsverbergen wollen?" „Nein, hochwürdiger Herr, erwiderte der Fremve, ivohl könnet Ihr zugegen sein bei einer Botschaft, die ich an Eure Tochter auszurichteu habe, aber einem edlen Herrn — Gott segne ihn — habe ich eS versprochen, dieses Brieflein hier an de» lutherischen Pfarrer» Kind zu eigenen Händen adzugeben uiid was man versprochen hat, das muß man hallen." — Ein tiefer Seufzer, der au» dem Innersten eiuer betrübten Seele zu kommen schien, begleiteten diese letzten Worte, die der Fremde mit besonderem Nachdruck und traumverloren wie zu sich selbst sprach. „Einen Brief?" »ragte Opitiu», „Einen Brief habt Ihr und an meine Tochter?" „Von Ahatz!" jubelte Gertrud au» dem 'Nebenzimmer her, wo sie die Unterredung gehört hatte. Errötyend trat sie jetzt ein und von Erwartung glühend nahm sie dir» wohlverwahrte Schreiben ou» den Händen der Fremden entgegen. (F. f.)J

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