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Jüdisches Familienblatt · 1894-01-01 · 50 (1894) · p. Seite 390

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Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1894
Issue
50 (1894)
Date
1894-01-01
Page
Seite 390 (sequence 4)
Language
German
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39.) D gnädig!" Tann entzog der dichte Ranch seine Gestalt dm Blicken nnd seine Stimme ward nicht mehr gehört vor dem wildm Geheule des Pöbels, der in schauerlicher Buch um dm brmnmdm Holzstoß herumtanzte. Einige Jahn später findm wir in altm Urkunden dm gelehrtm Rabbi Emanuel Löwy sammt seiner Frau Regina nammtlich angeführt. Ob sie glücklich lebten und in Friedm starben, wissm wir nicht, denn die altm Ehronikm erzählen wohl viel schauerliche Züge von Jammer und Elend, die über Israels Volk in jenen Tagen gekommm sind, so wie der, dm wir soebm hier getreulich angeführt habm; aber sie berichten auch nicht ein einzigmal von ihrem Glücke. Die Juden Bulgariens. Eindrücke von meiner JupectionSreise von D. M. SrSndwal», Sn>ir«bdi»»r »*■ Ifllqari«». (SottVlmi*.) Auch während des Brautstandes zeigt sich die Superiorität des Bräutigams der Braut g^müber, e4 ist da» jedoch nicht biblisch-talmudischem sondern mohamedanisch-türkischem Einflüsse zuzuschreiben. Im Monate Ellul — vor dm Sefardim innig und sinnig Rachamim*) (Monat des ErbarmmS) gmannt —, Ving vor dem Neujahrstage ist es die Höflichkeitspflicht der Braut ihrem angclobtm Bräutigam eine Wachskerze zu reichm, damit er cm heiligster Tage deS Jahres — am Ber. söhuungstage — der schönm Sitte .der vielm Achter" Nachkomme. Ist doch das Licht tas Sinnbild des Lebens, schon von König Salomo in dm WeisheitSsprüchm als Symbol der Seele dargestellt, und ist ein Licht der Lichtquell auch für Hunderte. Und verschmolzm in Liebe, ganz aufgehn in ihrm Gattm will die orimtalische Braut. AIS Gegengabe fmdet der Bräutigam, — wie wtihrend des Brautstandes an jäem Feiertage — dolces (Süßigkettm), um zu bekunden, daß es sein heißestes Bemühm sein rrtrd, seiner zukünftigm Lebensgefährtin das Lebm zu versüß m. Wenn der Talmud so schön und finnig sagt, daß der Bräutigam am Hochzeitstage einem Könige gleich sei, so trifft dies im Orimte bei dm sefardischm Jüdm völlig zu; dmn nicht nur während der Trauung steht der Bräutigam mit der Erkormm seines Herzms unter dem Trauhimmel einem Könige gleich; auch im Hochzeitsgemache ist ein Thron für die hohm Gäste — Braut und Bräutigam —, reich umgeben von golddurchwirktm Teppichm, und unt der Grandezza eines Königs nimmt das Neuvermählte Ehepaar die Wünsche von Verwandtm, Freunden und Neugierigen entgegm. Wenn jedoch ein Thell — Bräutigam oder Braut - und mehr noch, wmn beide Theile schon oerheirathet warm — und nach dem Ableben des jeweiliger Gattm von neuem in dm Bund der Ehe tretm, darf die Trauung ncht in der Synagoge, muß vielmehr in sMer Zurückgezogenheit zu Hause vollzogm werdm; ist die Braut Witttve, so wird die Kethuba überhaupt nicht verlesm, und nur die üblichen Segenssprüche nebst Uebcrgabe deS Traurings finden statt. Tas Hochzeitsmal ist selbsttedmd je nach dm Vermögens- Verhältnissen, mehr oder minder reichlich; und eS find viel Gäste — sowie auch fremd« Personm — stets erwünscht. Die 7 Tage der Hochzett werdm nicht nur von dem jungm Ehepaare, sondern lei dem theilweise patriarchischm Zustand der Sefardim — auch von dm nächsten Berwandtm mitgefeiert. Daß oft mtt dem Schluß der 7 Hochzeitstage die Mitgift zu Ende geht, .gmirt dm echten Orimtalm nicht." .Wer Lebm *) Die i» diese» Monat geborenen -naben erhalten deshalb de» bia^haMi». gibt, gibt c uch zu effm," dieses talmudische Wott, ist jedem Sefardi tief eingewurzelt, und versieht daher in dm, Familienzuwachs einen wirklichen Segen, gemäß dem Wotte deS Pfalmistm (Psalm 187, Vers 3): .Sieh, ein göttliche» Erbe sind Söhne, ein Lohn der Leibesfrucht." Dahn die zahlreichen Scheidungm, die im Orimte Vorkommen. Wmn eine Eheftau 10 Jcchre hindurch ohne Leibe», flucht bleibt, dringt der Gatte auf Scheidung, die ihm auch auf Grund talmudisch-kabbalistischerUeberlieferung vom Beth-Din gestattet wird. Ich habe auf meiner Jnspectionsreifl dm Versuch gemacht, dieser Unsitte ein Ende zn machm; wer aber da» jähe Festhalten deS Orientalen auch nur theilweise kmnt, wird ein« - sehm, wie schwer solches Beginnen und wie undankbar zugleich dasselbe ist. Dmn der Orimtale — selbst schlau und listig— setzt diese Charaktereigenschaften auch bei seinem Nebmmmsch« vorauS; und hält ein uneigmnützigeS, selbstloses Wirkm für unmöglich. Und doch filhrt unmtwegteS Festhalten an dau einmal gewähttm Principe auch hier zum Ziele, obwohl langfam, sehr langsam. — Jawaacb, ja wasch (d. h. langsam, langsam) ist ein Satz, dm man auf Schritt und Tritt.i« Oriente zu hörm bekommt; es ist das LebmSprincip de» Rückstandes, in welchm der Orimt versunkm war, eS ist hier Rasten thatsächlich gleich dem Rosten. Ein Beweis deS SichgrhmlassmS ist die Thatsache, daß der Sefardi das Sitzm nach türkischer Att noch heute — auch beim Verrichten des Gebetes — vorzieht, und daß nicht nur beim Recitiren des Kaddisch-Gebetes, sonderu auch beim Verlesen der 10 Gebote aus der Thora, und deS LiedeS am rothm Meere. In gleicher Weise werdm die Gebetriemm au der Hand fitzmd an- und abgelegt. Die Nizwoth (zur Thora aufgemfm werdm) werdm licttirt, und zwar zu hohem Preis. Das OeffnM der Thoralade (Hechal gmannt), daS Anlegm der filbemm He Kodesch. —bei den Sephattnm „Rimnionim" gmannt — da» in die Höhe» hebm der Thora, das Zusammmrollm der Thora werdm sämtlich verkauft. Das Recitirm der Haftarah wird besonders licitirt. Ueberhaupt spielt daS Geld eine große Rolle, so wird u. a. auch daS SagmS eines Kaddisch nach dem Recttirm der Psalmm verkauft. ES ist nämlich in aüm jüdischm Gemeinden des Orimts Sttte — in dm ersten 6 Wochentagen vor Beginn des alltäglichm Gebetes — sämmtliche 160 Psalmm zu recttirm, und nach jeder Bollmdung einm Kaddisch zusagm.- Am Freitag, als am Tage der Erschaffung de» Menschm, an welchem Adam auch schon gesündigt — so lautet wenigstens die talmudische Ueberlieferung — wird ein eigene» Buch Zemach David vor dem Gebtte recitirt; und am Samstag werdm in der Synagoge vor dem Gebete Pijjuti» ■ gesungm und unmittelbar nach dem Mußafgebete — Schach-r rith und Mußaf werdm immer zusammm d. h. hintereinander gesagt — vereinigt mau sich in der Vorhalle der Synagoge , um Kiddusch zu machm und abermals alle 160 Psalmm vo»> sämtlichm Anwesenden recttirm zu lassm — eS herrscht Thcilung der Arbett, indem je nach Anzahl der ThcilnehxtA mehr oder wmiger Psalmm zu recitirm sind und zwar „in ' Stille" (von dm Spagnolm en cayadez gmannt) — ein gebratenes Ei, nebst Kuchen und dem obligatm Brau« zu verzehren. Das Ei soll an dm Tod erinnern, und i» That ist in die Samstag-Liturgie deS MußafgebetS der von Koheleth aufgmommm wordm, daß der Tag de» besser ist als der Tag der Geburt. ES ist interessant daß nichts desto wmiger bei dm Sefardin der Op vorherrscht, vielleicht ist dies jedoch der FataliS«»» MohamüranerS, da die Sefardim viel, fast zu viel — kürlcch und unwillkürlich — von dm Mohamedamern nommm haben. (Forts-»»», fl Der «dflthmtie. N»d-II« vo» «. Lau,er. Die Jude» voq D. M. »r»»w«ld. l. m. Ha»wer, Drsck Leist»« k Snaft. Bafl» »er

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