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Jüdisches Familienblatt · 1894-01-01 · 50 (1894) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1894
Issue
50 (1894)
Date
1894-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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1894 Dos „za»isch« ^tnMUUitbUtt" erscheint wSchentlich als «ratt».»eU«-e zur „Asr-rltetsche« w»chr»schttft". I«»«e ««»ttOGte N«<ch»»M«r «»» titflM 8l«tM ist >»ters«-t. — vir Einzelnummer kostet (O (fg. bei >er Expedition der »Jsr. wochrnschr.- Hnausgegeben von Dr. AI. Rahrner in Magdeburg. Hur Nnterhattung unö Krlrhrung für öie israrlilische Aamilir. Der Abtrünnige. Novelle von >. Langer. (Schluß) »Ja,'' sagte Emanuel, »laßt uns das Lied zur Be- -rüßung deS Sabbath anstimmen: Lecho Dodi! »Entgegen, mein Freund, der Braut mit Verlangen, Laßt un« den heiligen Sabbath empfangen." Alle stimmten mit ein, doch als er zur letzten Strophe kam: »Dftum zieh' ein in Frieden:" unterbrach ihn Ephraim. — »Frieden!" fragte er schmerzlich, »wo ist der Mensch auf Eckten,, dn den Frieden hätte. Für die Ehristen ist heute eine Nacht, wo die Freude und der Friede eingekehrt ist in die Hütten der Menschheit, denn heute feiern sie das Andenken jener Nacht, wo ihr Messias auf die Erde niederstieg." »Du bist jo ernst, Ephraim," sagte die Frau besorgt. »Ernst ziemt dem Manne," sagte Ephraim ausweichend, und legte die schneefeuchten Kleider ab: Regina brachte ihm das weite Ueberkleid, in welches er sich hüllte, und einen ernsten, forschenden Blick auf seine Frau werfend, fragte er: »Habt Ihr keine Rachricht über mich vernommen, seit mich die Stadtknechte aus Euerer Mitte wegholten." »Keine," versetzte die Frau, »denn Emanuel wollte nach Deinem Gebote unS nicht allein lassen, auch belchtte uns Dem Brief; von den Nachbarn aber kam keiner gegen Wien, daß er unS hätte Kund« bringen können." »Nun so ist'S gut," versetzte Ephraim tief Achem holend, »es. wäre auch der Mühe unwetth gewesen, einen Boten zu schicken; betraf doch die ganze Sache nicht mehr und nicht weniger, als eine Pfandschaft, wo man aus Mißverständniß mir zumuthete, das Geld zweimal genommen zu haben, was sich jedoch bald genug austlätte." Und Ephraim ttat zum Schranken ynd setzte das leinene Säckel hinein, dann begab er sich wieder zu den Seiniaen »nd sagte: »Run, Kinder, ich denke, eS wäre Zeit; der ^Sabbath geht an." Sorgfältig schloß man nun die Thüre und die Fenster, daß kein verrathcnder Lichtschimmer der Sabbathlampe hrnaoS- ^-Icktr über die Schneefläche; in der hintersten Stube, die K^leichsam dem Heiligthume des Tempels nachgebildet und »st so mancher seltne» Kostbarkeit geschmückt war, sammetten "'des HaoseS Genossen; selbst der Knecht und die Magd hlte nicht. Und während draußen die dunkle Nacht über Vom Winter starrende Landschaft ihren Mantel brestete der scharf pfeifend« Nordwind den Schnee von den Ge» herabjagte, daß er in stäubende» Wolken hinwirbeltt in Vertiefungen und Schluchten sich chnrmhoch auhäufte, die heulenden Wölfe sorgsam deusÄeu auswichcn. wen» keuchender Brost vo «Hütte ei» ' ' goß sich über Körper und Seele, denn in ttauter Heimlichkeit webte darinnen die poetisch-duftige Feier des SabbathS. Die festlichen Speisen standen auf dem Tische in den blanken Gefäßen, die Lampe mit duftigem Oele gefüllt, goß ihr mildes Licht über dir glückliche Familie aus. Ich sage glücklich, denn Ephraim stellte sich heiter, um den Seinigen nicht die Sabbathfeier zu verderben; früh genug, dachte er, würden sie das Gräßliche erfahren. Mit schweigender Ans» merksamkeit hingen alle an seinem Munde, wenn er Motte der Belehrung, der Gottesfurcht zu ihnen sprach; alle ehtten seine Weisheit, seine Frömmigkeit, und wenn ihnen nun be» kannt würde, daß er bereits ein Ehrist. ein Abgefallner vom Glauben seiner Väter— er mochte sich diesen Gedanken nicht weiter auSmalen. Es war sonst Sitte in diesem Kreise, daß der Bater de» Seinen das Wott des Herrn aus dn Schrift -vorlas. Auch heute erinnerte ihn die Frau daran. Ephraim schaudette, denn er hiest sich nicht mehr für würdig, das heilige Buch zu berühren. Er faßte sich aber und sprach; »Ei, was sollte ich ein schlichttt und ungelehttn Mann mir anmaßen zu lesen das göttliche Wott, da hier ein« sitzt, zu dem man Rabbi sagt. Lies Du Emanuel." Trotz dem bescheidenen Weigern deS jungen Mannes, wurde ihm daS ehrwürdige Buch gebracht und mit voll« männlich« Sttmme begann « zu lesen. Lauschend horchte die ganze Versammlung seinen Watten, als « zur. Stelle kam: »Und eS wird geschehen, so. Du beobachtest die Gebote des Ewigen Deines Gottes und wandelst in seinen Wegen, w«d«t die Völker d« Erde von Deinem Ruhme, von Dein« Größe reden, gesegntt wird sein Deine Leibesfrucht, die Frucht Deines Erdbodens und die Frucht Deines BieheS, gesegntt Dein Korb und Dein Backtrog, all' Dein Händewnk. — So Du ab« brechm wirst meinen Bund, und Dich wenden zu den Gütteru dn Fremden deS Landes, dahin Du mitten uut« sie kommst, wird mein Zorn üb« dich «glühen und ich wnde Dich verlassen, viele Leiden und Noch wnden Dich treffen, d« Himmel d« üb« Deinem Haupte, wird Erz sein, und dn Boden, d« unt« Dir, Eisen; ich werde Dich schlagen mit Pest und Aussatz. daß Du nicht wirst können geheilt werden, mit Wahnsinn und Blindheit und wnde Dich geben in die Hand Dein« Feinde, du wirst untndrückt und beraubt sein und Niemand hilft; Söhne und Tücht« wirst Du zeugen, ab« Dein werde» sie nicht bleiben und Du wirft zum Gespötte und zur Stachelnde sein unt« all' de» Völkern, dahin Dich d« Ewige treiben «std. — Und ti wnden üb« Dich kommen all' diese Flüche, west Dn vnlassen den Bund deS Ewigen, deS Gottes Dem« Bät«, den « mit ihnen geschlossen, da « sie herausgefühtt auS dem Laude Mizrajim- und weil Du gegangen und gedientt fremden Göttern und Dich gebückt vor chue», Söttn, die Du nicht gekauut, und die « Dir nicht zugetheilt." — Hier hielt Emanuel plötzlich im Lesen iune; dnm Ephraim

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