Jüdisches Familienblatt
- Journal
- Jüdisches Familienblatt
- Volume
- 1894
- Issue
- 49 (1894)
- Date
- 1894-01-01
- Page
- Seite 194 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/6492351-8722849-5962416--2522-5376697- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
ehrlich aufrichtig mit ihrem Gott und Glauben halten und nicht beide Gesinnungen ehrlich und redlich neben einander und miteinander bestehen und um des Einen willen, das Beiden heilig ist, sich gegenseitig verttagen und in der Liebe allen Widerspruch des Glaubens versöhnen — in jedem anderen Falle sich zwischen Vater und Sohn ein Widerspruch und Kampf erheben, der zu den ttaurigsten und trübseligsten Erscheinungen unserer Zeit gehött und gewiß nicht anders als mit solchen unseligen Gedanken enden kann. Es ist ein schönes Wort der Schrift, daß Gott die Herzen der Vötcr den Kindern und die Herzen der Kinder den Vätern zuwende und geneigt mache und so im Glauben an den einzigen Gott, in der Anhänglichkeit an den väterlichen Bund sich die Herzen, die die Natur verbunden hat. vollends im Geiste einigen müssen; aber es ist du» schöne Wott auch heutzutage wahrlich weiter nichts als ein ftommer Wunsch und eine schöne gläubige Hoffnung, die wir in unseren Gebeten wohl vor Gott bringen, die in manchem Herzen lebt, das einer besseren Zeit gewärtig ist und dahin wirtt, sie zu fördern, die aber nicht in's Leben zetteten ist. Vielmehr sind die Hnzen der Väter und der Kinder mehr denn je auseinander, es sei denn, daß der Vater den Kindrrn nachgehe und sich an ihren Glauben halte. Wo aber der Vater sich irgend eine heilige Scheu nhalten hat, da ttenr.en sich die Herzen mehr denn je. Es vergißt dn Sohn dir Achtung vor dem grauen Haupte und den Tank für die vielen Wohlthaten, die er bisher empfangen, und die Liebe, dir er für das geehrte Haupt stets im Herzen trug, und schmäht und schändet das Heiligthum seines Vaters. So es irgendwo gilt, so gilt es da: ,Es schändet der Sohn den Vater und die Tochter die Mutttt und die Schnur den Schwäher." Tie im Leben wohl sich hätten einigen können, daß sie ein Geist und eine Seele gewesen wären, die ttennt und entzweit dn Glaube, der sie in allem Andern hätte einigen und verständigen sollen. Es können die ungleichartigsten Meinungen und Ansichten in Sachen des Glaubens und der Gottesfurcht mit einandn bestehen. Aber das Eine, das heilig ist und untrüglich, muß Allen heilig sein und unvttletzlich. In dn Liebe zu ihrem Volke müssen ssch die Hnzen einigen, Mann und Weib und Batn und Kind, wie in dn Liebe zu ihrem Gotte. Tenn es ist dn Stamm, aus dem sie entsprossen sind, und ist dn Fels, aus dem sie gehauen sird, wie die Schrift sich ausdrückt. Wo abn der Sohn bei ulln Achtung und Ehrfurcht und Liebe, die n dem Vatn bezeugt — so das bei solchen Gesinnungen noch möglich wäre — die Geringschätzung und Verachtung, die er für sein Volk und dessen heiligste Interessen im Herzen hegt, nicht verbirgt und nicht verhehlt und den Stamm, aus dem n entsprossen ist, als einen zerfallenen und zertrümmerten mit Füßen tritt, und den geächteten und geschändeten Namen, den er mit seinem Blute sühnen und weihen und heiligen sollte, selbst dn Aechtung und Schändung preisgibt, und alle Spöttn und Vnächtn seines Volkes und seines Glaubens noch an Spott und Verachtung übertrifft; wo n es sich auf's Eifrigste läßt angelegen sein, das Fnmde zu ehren, das Eigene und Ueberkommene zu schmähen, die stemde Sitte zu heiligen, die eigene zu überttnen, ohne den Widersinn dn Einen odn den Sinn dn Andnen je zu würdigen odn zu ngründen; wo n nichts als Unfug, Unrecht und Versündigung auf dn einen Seite sieht und nichts als Achtbares, Edles, Ehrwürdiges und Heiliges aus dn andnen, und kein Hehl daraus macht, seinen Äel und Widerwillen, offen an dn Tag legt, sich seinem eigen« n, angeborenen Volke und seinen Bestrebungen abgeneigt zeigt, für sein Unglück kein Belleid, für seine Entwürdigung keine Theilnahme, für seine Erhebung keinen Wunsch und keine Hoffnung hat — geschweige, daß er sich mit den edlen Kämpfern in Reih' und Glied stellen sollte, um den heiligen Kampf zu Ende zu kämpfen — und immer nur den gleichen Widerwillen, den gleichen Spott, den gleichen Vorwurf al^j eine Seelenstärke zur Schau ttägt, als wäre das ein Heide», werk, den gefallenen Löwen zu verhöhnen und zu veffpotteal: — da kann zwischen Vatn und Sohn kein friedlichn und« einiger Sinn und Geist walten. Es müßte denn dn Vatn es sich gefallen lassen, an seinem eigenen Tische den Lästern seines Glaubens zu nähren, die Schändung seines HeiligthumKim eigenen Hause zu dulden; in denen, die n groß gezogen und mit seinem Schweiß und Blut genähret hat and mit seinem Segen hat reich gemacht, und mit seinem bewährte» Ansehen hat erhöht und verherrlicht in dn Welt, seinem. Volke den entschiedensten und bittersten und unversöhnlichsten Feind, statt einen heiligen Kämpfn für sein heiligstes Jnter» esse zu nziehen, und ihn für solchen Kampf dn Zerstörung, gegen sein eigenes Volk mit allen geistigen und weltlichen Mitteln zu rüsten und zu versehen, und ihm selbn die Waffen in die Hand zu geben, mit denen n sein eigenes Volk bekämpfte Solche Nachsicht, so Ihr den Schimpf so nennen wollen könnet Ihr wahrlich von keinem ehrlichen Manne fordern^ der neben dem, was er sich und seinein Hause schuldig ist^ auch das nicht anßer Acht läßt, was er seinem Gotte und Glauben schuldig ist, dn ihn in seinen trüben Tagen hat er< heitett und ihn in seinen glücklichen Stunden hat gekrästigt^ und seinem Volke schuldig ist, dessen Heil und Wohl stetSmit dem seinen war verknüpft und vttbunden, in dessen Lehren und Sitten tr stets seine Beruhigung hat gesunden^ in dessen Erhebung und Verhenlichung er seine schönsten und heiligsten Hoffnungen und Wünsche dereinst dachte in Er» füllung gehen zu sehen. Und doch ist das ein Geschick, das so Manchem ward bereitet und den Besten in Israel so schwnes Herzeleid gewähtt. Und wie wir es erlebt haben, daß sie ihre Väter in ihren Gräbern vnleuqntt und ihren Glauben haben ab ge schworen und den Namen, den sie in Ehren trugen, wie einen.^ Schandfleck und wie ein Brandmal von sich haben abgewaschen — und es ist das den schönsten und gefeiertste» Namen in Israel, die einen Klang und Ruf hatten durch- \ die ganze gesittete Welt, schon widerfahren, — so darf es ‘ uns auch wahrlich nicht wundern, wenn es dnen genug gibt, die mit den lebenden Vätern um ihre Anhänglichkeit und Liebe, die sie für den alten Bund noch im Herzen tragend grollen und zürnen und die Tage zählen, bis daß die Trauer^ tage ihres Vaters kommen, da sie alles Zwangesich entledigen und die schwachen Bande, die sie noch an ihr Volk.! und ihren Glauben binden, vollends lösen und zerreißen uud-' den neuen Gott und Glauben, dem sie ohnehin im Herze» waren zugethan, wie einen Schmuck sich anlegen, um chre» Frieden mit der Welt auf den Gräbern ihrer Väter abzu-- schließen . . . von der Landstraße des Lebens. von lNar lveinberg. Dem echten Feigling von Natur Steckt Zagheit schon im Blut. Und mancher eher den Kopf verliert, Als manchermann den tfut. Aus dem Spruchschatz des Talmud. Iver einst-ht. daß sein Thun verkehrt, Ist eines Bessern bald belehrt. küge fällt bald alleine. Denn ihr fehlen die Beine. Ter Jude. Bon Richard Landau, tr&naigc. Novell.' von S. Langer. (Fortsetzung.) — ffer Safern. — Bo» »er Laudstratze »rt Leie»«. Boa Mar Bei ul — 8U »e« SMdchschptz üftMlma*. Bon «ein». Berantwortl. Redactenr M. Ra >«er, Druck Leistner t Dravfck, Bettag