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Jüdisches Familienblatt · 1894-01-01 · 44 (1894) · p. Seite 174

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Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1894
Issue
44 (1894)
Date
1894-01-01
Page
Seite 174 (sequence 4)
Language
German
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PI Jijiimi — 174 — einen dummen Stteich zu machen. Sie an mich zu drücken, die frischen Lippen so recht von Herzen abznküsseu, das kam plötzlich so gewaltig über mich, daß ich eine Weile in stummem Kampfe neben ihr ging. „Eh dien?" fragte die silberhelle Stimme wieder. Ich lachte ein wenig brutal. „Ich dachte eben," sagte ich, „ob sie sich da oben auch so katzbalgen um eint Handbreit Boden . . . oder weil sie gegenseitig Anstoß nehmen an ihren Rasen . . . oder weil jedes dieser paar Häuflein Lebewesen sich einbildet, es habe alle Tugenden des Universums selber in Erbpacht genommen . . ." „Wie Sie sind bitter," sagte Blanche mit leisem Vor wurf. „Es hat ja genug gute Menschen, hüben und drüben.' Sie hat recht. Leb' wohl! Walter. lFortfeping folgt.) jüdische Theater in Amerika. fBon Siegmuud Bergmann. Spezialitäten des ameri- Cs soll hier nur einer Es würde zu weit führen, alle konischen Bühnenwesens anzuführen. Spezialität gedacht werden, die Newyork aufweist: die jüdi scheu Theater. Es werden in diesen Theatern jüdische Stücke ausgeführt, in jenem für europäischen Ohren unangenehm klingenden Jargon, den mar hier zu Lande „mauscheln" nennt. Im »kaumäuiu Opera-hoasogab man damals, als wir Amerika besuchten, eine historische Oper von A. Goldfaden. Für 2 Dollar Eintritt bietet das Haus wenig Komfort. Ein mächtiger, halbrunder Raum, mit schmutzigen Klappsitzen, auf den Seiten drei Ränge Proszeniumslogen, bis in die Mitte des Parketts vorspringend ein zweiter Raug, die Galette, im Hintergrund das Stehpattettk. Das Haus war vollbesetzt, als wir es bttraten und unter großem Aussehen die erste Parkttreihe beichten. Ein widerlicher Geruch empfing uns — ähnlich dem eines enthäutttcn Iltis — und Pfeifen und Füßcgettamprl. Das „Haus" war ungeduldig geworden. Der Theater-Zettel weist jüdische Druckltttern auf; er enthält „König Karl den Fünften" und „Kunz Bondettvsen, ein Bürgerspott, Hofnatt beim König Carl" und einen „Bürgermeistn von Obernheim" rc. Als Gast giebt fr einen „kaiserlich russischen Hofsänger", Mr. Korostaschewsky, an, welchn den „Rabbi Joselmann, Vorsteher dn Juden in Deutschland" darstellt. Bunt zusammengewürfelt, wie die Personen des Stückes, sind die Zeitepochen, die sie liefern müssen. Kunz von dtt Rosen muß einen wüthenden Antisemiten unttt „König" Carl V. abgeben, Rittn Ulttch (dn Handlung nach von Hutten) ein Judenverfolger untett Carl V. sein. Dn ganze Text ist ein blühendn Blödsinn, aus dem man nicht klug wird. Tasvertiefte Orchestn besteht aus zehn Musikern, welche mehr nach dem Gehör als nach Noten spielen, auch dn Kapellmeistn dittgint ohne Pattitur. Dennoch ist die Musik von eigenartigem Reiz. Es finden sich darin jene wehmütig-klagenden Melodien wiedn, welchen Max Bruck in seinem berühmten »Kol märeeine moderne Fassung gab. Diese schwermütigen Weisen, stei dem Musikschatze längswnschollenn Zeiten entsttömen, berühren seltsam das verwöhnte Ohr. Wie eine unbekannt fromme Weiie, oft wie die wehmüttge Klage eines gedrückten Volkshcrzens. Und mitten hinein klingt ein schauerlich modernes Bacchanale, einige Taste von Offenbach, einige von Rossini — zusammengestohlenes Zeug, von Herm Goldfaden willkürlich aneinander gereiht. Mau fühlt sich oft versucht, im Kapellmeistn den Komponisten zu prügeln, weil n die frommen Nationalsänge eines Volkes so mißhandelt; man möchte die einzelnen Perlen auflesen, die hin thatsächlich.... Tenn Sängn und Publikum sind scheußlich. Die wirflich ausnehmend schöne Baritoustimme des „kaiserlichen SängnS" vnkümmnt die schrille DiStooierung des Chors und deS Orchesters. Dazu das täppische Spiel des Hanswursten, de» faden Extemporö'S und dn schreckliche Jargon, welchn hier- Bühnensprache ist! Und erst daS Publikum! Nach dem erste«.! Aste gleicht dn Zuschaunraum einn Räubnhöhle. Stampfen^ Lärmen, Kiudngeschrei, dazwischen Zurufe von oben nach' unten zurück. Und dn Duft dazu! Man hält eS bei Anspannung alln Nerven nur drei Aste aus: dn ganze Schchb' einn mituntn wertvollen, immer eigenartig nationalen Mus«' ermöglicht nicht, den Ekel -zu überwinden. Man begrüßt dasquirlende, schmutzige Treiben dn »Bowry* wie eine Erlösung^- Trotzdem sind diese Theatn allabendlich gut besetzt. In dem. Juden «Viertel New Jorks wohnen ja Tausende vpn rumänischen und russischen Juden, welche keine andne Sprachesprechen, als diesen vndorbenen Dialekt. Sie leben abge». schlossen von jedn Zivilisation, unnahbar in ihrn Orthodoxie^' wie nebenan die Chinesen. Die Schauspieln sind im Gegensatz zu den chinesischen sehr schlecht bezahlt. Ein Dollar pro- Tag ist die Durchschnittsgage: Jtit „Künstler" lebm als» wirklich für und von ihrn Kunst. Kein beneidenswerte»: Dasein. Wo bist tz»? Es war geschehen, och, die erste Sünde In Gottes schöpfungsjunger, schönen Welt. Da rief: „Wo bist Du?" seinem zagen Kinde Dn ew'ge Vater zu, weil es gefehlt. Die» Wott, das mahnend einst erscholl im Eden, Da» hött seither, wer wich vom rechten Pfad, Sei'S in Gedanken, Thaten oder Reb»n. Er hött's, wie'S Adam einst vnnommen hat. O. wenn'S vom Himmel Dir ins Herz erschalltt. Dann merke drauf! Verschließe nicht Dein Ohr! Gott will ja, daß sein Kind zurück doch wallet Dahin, wo es gewesen ist zuvor. Er will ja, daß beglückt in Tugendreine Du sollst durchmeffen Deine Erdenbahn, Daß Du umglänzt vom hehren Tugendscheine Dich sollst der ewigen Vergeltung nah'n. „Wo bist Du? Hörst Du dieses Wott ettönen, Dann schaue um Dich und blicke dann zurück. Und such' mit Deinem Gott Dich zu versöhnen, Zu schaffen wiedn Dir Dein Unschuldglück! _ Louis Meyervon der Landstraße des Lebens. von Max Weinberg. In manchen katzen fraget nie, Räch kieinrich keine, nach dem wie, Doch weit mehr Menschen blieben stumm, wenn mau sie frag»' nach dem warum. Der brav« Mann denkt an sich selbst zuletzt! : Kaum glaublich mir, doch auch gesetzt, war zeuget solches denn für Dich? Das brav« Weib, in schwerster Stund, Wohl tausendfältig giebt sich'» kund, Denkt auch zuletzt noa? nicht an sich. Jubeuttecherrt. Briefe au« der Somu «. Frauke. (Forifetzuug.) — Jüdische Theater t» «»erila. Baus Siegmuud Bergmann. — W» bist Dok — Bo» der LaubstnHs^ des Lebens. Bo» Max Weinberg. Braeuviarll. Redacteur M. Rahmer, Druck Leistner b Hrewssi Verlag der „ikxpediti««", iämmtti^ ju Mqgbebm^ ■i-T cju i i rl' i if*• f* .

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