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Jüdisches Familienblatt · 1894-01-01 · 44 (1894) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1894
Issue
44 (1894)
Date
1894-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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1894 Nr. 44. Züdlsches Kur Nnterhaltung unö Welrhrung für öie israrlitifche Mmilie. Var „ISdtfch« erscheint wöchentlich als Grattr-Veilage zur „Arearlittscchen rv»«che»s«chrift^. Jede» «nbefxgte Nachör»ct a»» »lese« Viertle ist «entersa-t. — vi« Einzelnummer kostet (O pfg. bei der Expedition der »Irr. lvochenschr." Die Iudenriecherei: 8ri*f* aut der Sommerfrische. Mitgetheilt von G. Franke. Vierter Brief. Heut' früh Hab' ich Frau von Bomstroff zum ersten Mal in der Nähe geseh'n. Alle Wetter!- Sie lag nachlässig ausgestreckt in einer Hängematte, die zwischen zwei großen Fichten nicht weit vom Kurhause angebracht war. Wie eine orientalische Fürstin — auf weiche bunte Decken gebettet, in einem weißen Morgenkleide. Zu ihren Füßen, zusammengeknickt, auf einem kleinen, möglichst unbequemen Klappstühlchm — Mademoiselle — aus einem Tauchnitzbande vorlesend . . . Merkst Tu was? Mademoiselle gehött mit unter die .Dienerschaft" der gnädigen Frau, von der der Wirth sagte. Werner, der kecke und treffliche Schütze, dem ich den blauen Fleck an der Sttrn verdanke, und das kleine Mädchen mit dm großen, immer erstaunten Augm, spieltm eifrig in der Rühe des Weges. Sie bautm gemeinsam einm Wald im Walde aus kleinm Tannenzweigm und waren in ihr verdimstliches Werk zu vertteft, um irgmd etwas Anderes auf der Welt zu bemerken. Ich grüßte — wie ich fürchte, mit einem nicht allzu geistteichm Gesicht, denn die Ueberraschung, die beidm Fraum so nebeneinander zu sehm, war mir in alle Glieder gefahren. Mein Herz, das wahrhaftig nicht leicht aus seinem ruhigm Takte kommt, gerieth in einm hochgradigen Erregungszustand ... setzt auS und pumpte dann wieder solche Mmgm Blutes in der Sekunde über- Ist sie-s? Ist sie-s nicht?- Wenn sie'S ist — dieser Gruß — dies lei ste Rückwärtsbeugen des Kopfes, dies langsame Schließm der Augen . . . eS sähe der stolzen Helme ähnlich. — Ob sie nicht einen anderen Gruß für mich hätte, wmn sie wüßte, wer ich wäre? Aber ich konnte doch nicht so ohne Weiteres zu ihr gehen und sie fragen: Sind Sie Helene von Beck?". . Wahrhaftig, Mademoiselle's liebliches Erröthen fiel mir erst ei», als ich schon ein Weilchm in Gedankm weitergeschrittm war. Ordentlich etwas Zuttauliches, Dankbares lag m ihrem nettm Gesichtchen. Armer Schelm! Ich bin wohl der einzige Mmsch, der ihr bei ihrm hastigen Gastrollen im Speiscsaal manchmal kleine Aufmerksamkeitm erweist — aus purem Mitgefühl für ihre Berlassmheit. Werner lief mir vor die Füße, stieß sich die Nase an meium Spazierstock — blickte mit tiefsten Erstaunen an mir empor. . . .Du!" sagte er dann mit plötzlichem Erkmnm, .bitte, verzeihe mir!" .. - .Was denn, kleiner Kerl? Du hast Dir ja weher gethan als mir." .Nein!" sagte er wichtig, indem er sich die Nase immer von unten nach oben rieb und dabei von einem Bein auf's andere trat, .heute nicht, aber neulich, als ich Dich mit dem Tannenzapfen warf." Ich lachte. .Hast Du's noch nicht vergessen?" Er zog die Augenbrauen hoch. „O, gewiß nicht. Mademoiselle war so böse. Wie noch nie, weißt Du. Und ich habe ihr versprechen müssen, alle Abend beim Zubettgehm, daß ich Dir sagen wollte, es thäte mir leid . . ." .Und thut Dir's denn leid?" Er überlegte ein Weilchen. .Weißt Dn", sagte er dann ehrlich, .es sah so hübsch aus, wie Tu solchm Schreck kriegtest. Und wmn Du es erlaubtest — und Mademoiselle nicht so böse wär', so — thät ich's gern noch einmal ..." Der Kerl gefiel mir. Ich hätte ihm beinah gesagt, daß ich mit Vergnügen bereit wäre, ihm noch weiter als Zielscheibe zu dienen. Aber eine Frauenstimme rief jetzt: „Wemer!" — etwas befremdet, etwas ungnädig . . . Und unsere Unterhaltung wurde plötzlich abgcbrochm. Sonst geht mir's gut. Grandiose Pattieen überall! Meine Koppermanns verharren in ihrem knurrig-mißttauischen Beobachten und strichen auch die Wochcnmiethe ein, ohne sich durch besonderen Dank in Unkostm zu stürzen ... Uebrigens — hast Du je gehön, daß Insektenpulver unaustilgbare Flecke macht? Ich habe keine Erfahrung darüber, möchte es aber a priori bezweifeln. Die Donna Koppermann beklagte sich neulich gegen eine Freundin, daß ihr mit dem .gelben Zeug" die Bettwäsche ruinirt würde. Am Ende verlangt sie gar noch Schadenersatz! Adieu! Adieu! Walter. * * * Fünfter Brief. Es ist also richtig: Frau von Bomstorff ist Helene, meine erste emsthafte Flamme. Ich hab's von dm Kindem, die ich mit allerlei Listm und Süßigkeitm aus dem Automatm an mich lockte und ausftagte. Anfangs steilich ohne Glück, dmn die Schöpschm konntm gar nicht begreifm, daß Mama nicht immer „Frau Rittmeister" gewesm sein sollte. Ein Zufall brachte es zuletzt heraus, daß „Großpapa" bald käme. Ich horchte auf. „Wer ist dmn Großpapa?" — „O, der hat silberne Schnüre auf den Achseln — und so viel Ordm!" — „Wie heißt er denn?" — „Großpapa!" sagten beide vergnügt aus einem Munde. Erst nach langem Besinum fiel ihnm ein, daß Mama nmlich einm Brief geschricbm hätte: .An Herm Oberstlimtmant von Beck." Es stimmt also. Mir wurde doch sonderbar zu Much. Bei dem altm joviales Herm habe ich einm Stein im Brett. Er nennt «ich seinen Lebensretter, und mit einigem Recht

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