Jüdisches Familienblatt
- Journal
- Jüdisches Familienblatt
- Volume
- 1894
- Issue
- 43 (1894)
- Date
- 1894-01-01
- Page
- Seite 170 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Gegend interesfirte mich, offen gestanden, mehr als die Levt» chen, mit denen zusammen ich drei bis vier Mal am Tage die gemeinsame Abfütterung über mich ergehen lassm mußte. Allmählich aber . . . besonderde- Abends . . . wenn man den ganzen Tag stumm Natur gekneipt hat und voll sitzt von Eindrücken, wie die Arbeitsbiene von Blüthenstaub . . . macht sich das Bedürfniß nach einem Keinen Schwatz doch geltend. Wie gesagt, entgegenkommend find dir Leutchen hier nicht. Aber wenn ich nur einmal einen ernsthaften Versuch mache ... Ta ist z. B. eine Dame, Frau Rittmeister von Bomstroff.... Aber mein Papier geht zu Ende. Bald mehr von Deinem Jacobsen. Dritter Brief. Lieber Alter! Habe die Gewogenheit und setz' Dich ein bischen fest in Deinen bequemen, angeerbten Großvaterstuhl. Nämlich, um es kurz zu machen: ich gehe mit Heiratsgedanken um. Und zwar ernstlich. Du lächelst? Du schüttelst Dein Skeptikerhaupt? Es hilft Dir Alles nichts. .Das Unzulängliche, hier wird's Ereigniß!" Hier oben, wo Alles liebt! Wo die Pärchen wandeln, wo das Keine Kruppzeug herumtollt, wo holdeste Geselligkeit Alles vereint, was vielleicht ein paar hundett Fuß tiefer sich nicht mehr kennt- Herrgott! Das vertrackte Soloschlendnn, das Junggeselleu-Ludnleben habe ich satt! Gründlich!- Und auch zu Hause . . . Man ist deS Abends müde wie ein Hund, abgerackett wie ein Droschkengaul . . . Und dann die Mitthlingsgesichter .... oder mal ein paar Skatbekannte .... Und all' die Krankheitsgeschichten, die Einem schon den Tag über zu schaffen gemacht . . . brrr! Siehst Tu, wenn ich da einen Menschen um mich hätte, der gesund ist, heiter, der lachen kann, vielleicht auch ein bischen ttällem und das Klaviercymbal bearbeiten . . . Schade, daß ich's damals verpaßt habe, vor zehn Jahren. Das Mädel war mir gut, die Helene von Beck. Und die gnädige Frau Mama ... ich hätte nicht umsonst angekopft. — Schade! — Aber meine verrückte Pedanterie .... So ein junger Habenichts — ohne Praxis. — Und sie verwöhnt wie eine Prinzessin. Ich hätt's nicht über mich gebracht, zu sagen: Watte auf mich! Vorläufig biete ich Dir nichts, als .gute Aussichten" — davon man bekanntlich nicht satt wird . . . Genug, ich kniff aus, als ich merke, daß die Tändelei Ernst wurde. Wie sauer es mir geworden ist-genug! Hin läuft nämlich ein Frauenzimm« herum — siehst Du, die war' mein Fall. Volle, üppige Blondine (nur die Taille das Entsetzen eines Sachverständigen, dn sich vngebenS ftagt, wo Hnz, Leb«, Milz und Magm da Platz haben!) wundnvolle Farben und die Haltung ein« Hnzogin. Schon dn Name ist vettraucnerweckend: Frau von Bomstroff heißt sie. Das Ningt so voll, kräftig, imposant. Sie ist Wittwe und mit Sind uud Segel, Bedienung, Fuhrwerk und Reitpfnd hin oben. Tn Witth theilte mir unaufgefordett ihre Personalien mit. Und die Hauptsache: sie ninnett mich an Helene. — Wenn sie's wirklich wär'!- Mit meinen Parzen bei Tisch Hab' ich's gestern vndarben. Ich Unglückselig« ließ mir den Braten zweimal geben (hatte einen Wolfshunger nach einer sechsstündigen Slettnei). — Rai — Der Sturm dn Entrüstung! Man murmelte etwas von .Uebngriffen", .Unverschämtheit" und andnen anzüglichen Dingen. Man rief den Witth und benagte sich, daß .Andre", die nicht mehr zahlten als Alle, Begünstigungen beanspruchten. .Wir Biertrinker natürlich!" ... ries die älteste und strengste mein« — (lieber' 3 mit einem anklagenden Blick auf meinen Bein — (lieber' Himmel! eS war ja nur ein bescheidene- Moselblümchenl) Ich that, als wär' ich mit Taubheit geschlagen. Dir Sache war mir denn doch zu gewöhnlich. Nach dem Esse» bat ich den Witth, mir einen andnen Platz anzuweisen. Dn arme verlegene Kerl that mir leid. Er ist mir wohlgewog«». weil ich kein Knaus« bin. — Merkwürdig, daß n mein« Namen, den ich ihm sammt Titel genannt, absolut nicht behalten kann. Nicht blo-, daß n meinen ehrlich erwogene» Doctorgrad konsequent ignoritt, nein, mit ein« Bcharrlichkrtt. die ein« besseren Sache würdig wäre, nennt n mich imm« .Jacobsohn". Na — wenn's ihm Spaß macht! — Run hättest Du heut' Mittag die innige Genugthuuug. mein« Parzen sehen sollen! Es war ihnen also gelunge», mich fottzugraulen. Vielleicht halten Sie meiuea Rückzug gar für Feigheit! kl'importe! Da bin ich nun um eine Erfahrung reich« gewordr»! Du hast Dir immn eingebildtt, sagte ich mir, die allgemeine Wertschätzung, dn Du Dich daheim erfreust, sei da- Verdienst Dein« persönlichen Vorzüge und Tugenden. Da siehst Du also, wie wenig Du giltst, wenn Du gleichsa« nackt und bloß, als ein .großn Unbekannt«", in den Strudel geworfen wirst. Eine beschämende Erkenntniß, ab« — gesund k Herzlichen Gruß! Walter. (Fortsetzung, folgt.) 'ji Aus dem Spruchschatz des Talmud. poetisch übertragen von Max Weinberg. keil dem, der aufwuchr in de» HERRN kehre, Zn ihr sich müht, daß er sein wissen mehre, Nach ihrem Spruch gelebt stet» und gehandelt, In ihren wegen immerdar gewandelt, wa» sie verdate:i allezeit gemieden Und fromm, wie er gelebt, van hier geschieden, wer so gelebt, al» seiner Glauben» Hüter ksatt' mehr, al» hätt' er all« Erdengüter. (Serachoth,7.) » » veranuvörtt Richterinnen, ein wahr« weiblich« Torquauada, »artl. «edaaenr M. Rahwer, Druck Leipoer lt! wa» find doch di« Mäuse für lose Geschäpfe, Erspähten fic irgendwo offene ESpfe, So nehme» fie selbst nicht nur frank und frei, Nein, rufen auch gar noch Gesellschaft herbei. (Jenuchalmi, Baba mezia 8.) vom schlechten Zahler, Nimmt man auch Bleie — als Ihaler. _ (Saba kamma 47.) von der Landstraße des Lebens. von Max Weinberg. Da» mag der Herrgott walten: Daß liebe zum Alten Die Zungen behalten, Erkenntniß der Neuen Die Alten nicht scheuen. » » ttanmlehr«. (Frei entwilkelt nach Fr. Schiller.) .Raum ist in der kleinsten Hütte" — Zst da» ksüttchrn nur so weit, Daß noch Raum für Shawl und Armband Und das neuste Spitzenkleid. ,vu glaubst zu schieben und du wirst geschoben" — Devise wär » für manchen Ehemann, Baum hat Sie schelmisch nur den Slick erhoben, Da fängt Er schon zu retiriren an. > »iahende »»Dir», drovelle von I. 9L (e^EET*— JNdenttrcherel. Miese au« der Sommerfrische. Bon 9. Franke. —’ «II* Im emrMtffot de* LU»». »OB Ro| Btinbet#. — “ . der Landstriche M Leden«. von Drewft. Ä^a^der.tg>e«timi^, W ei über Ba»j » nvera^^»—