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Jüdisches Familienblatt · 1894-01-01 · 41-42 (1894) · p. Seite 164

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Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1894
Issue
41-42 (1894)
Date
1894-01-01
Page
Seite 164 (sequence 4)
Language
German
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jüdische Hausärzte der Päpste. Tie Behandlung der Judm in Rom war sehr verschieden. Viele Päpste waren ihnen gnädig und gewährten ihnen hinreichenden Schutz, und trotz mancher Bedrückung begegnm wir in Rom ruhigen Zeiten für die Juden selbst dann, wenn .über den Bergen" ihre Glaubensgenossen mit Feuer und Schwert verfolgt wurden. Erst mit dem Theatiner Caraffa, der als Paul IV. die Tiara trug, begann eine Zeit schweren Leidens, in der selbst zuweilen gewährte Erleichterungen der wahrhast unmenschlichen Gesetze, unter denen die Juden geknechtet zu Boden lagen, nicht als sonnige Momente bezeichnet werden können. Paul IV. war es, der 1555 die Juden ins Ghetto spertte und sie zu einer Knechtschaft verdammte, aus welcher sie auf kurze Zeit im Anfang dieses Jahrhundetts, endgültig aber erst im Jahre 1870 erlöst werden sollten. Aber auch für diese Zeit muß gesagt werden, daß manche Päpste dm besten Willen hattm und, von Gerechttgkeitsgefühl und Mitleid bewegt, gem das ttaurige Loos ihrer jüdischm Untetthanen gemildert hättm, aber die h. Inquisition war stacker als der Papst. Mochte die h. Rota nach Recht und Gerechtigkeit urthcklm und zu Gunstm vcrgewaltigtcr Judm entscheiden. die »Reverenäa camera apostolica. lehne anders und übte anders; sie erstickte jedes menschliche Gefühl im Ramm der Religion der Liebe. Freier konnten sich die Päpste in der vorinquifitorischm Zeit bewegen, und darum findm wir hier bisweilen srmndliche und intime Beziehungen von Päpsten zu Judm, so daß wir solche als wohlgelittene und mit vielm Privilegien versehme Hausärzte bei jmm sehm. — Interessante Aktenstücke liefert uns mit Bezug auf jenes Verhältniß die jüngst erschimme .Geschichte der Juden in Rom" von Dr. Berliner (bei I. Kauffmann in Frankfuck a. M.). Ter Verfasser behandelt in zwei Bändm die 2050 Jahre alte Geschichte der jüdischm römischm Gemeinde. Bei mehrmaligem Aufenthalte io Rom war ihm für seine Studim der Zutritt zu dm vatikanischen, dm Staats- und dm städtischm Archiven gestaltet, wie auch die Bmutzung des Gemeindearchivs. Dicke» wie auch die Katakomben des unterirdischen Roms lickeckm ihm ein reichliches Material, das in vorliegendem Wecke mit vielem Gckchick verweckhet ist und die Gckchlchte dieser ältcktm jüdischm Gemeinde nach allm Richtungm hin beleuchtet. Wir habm hier Aktenstücke, die zum ersten Male dem Publikum durch dm Druck bekannt gegeben sind, und zu dickm gehörm auch diejenigen, welche uns das innige Verhältniß zeigen, in dem cknige Päpste zu ihren jüdischm HauSarztm standen. Unterm 1. Juli 1392 bcktäsigt Bonifacküs XI. „dem geliebtm Sohne Angelus Manuele, dem Juden von dem städtischm Lion« Trasterere, von Gebutt ein Jude, dem Arzte und unserem Berttautm (Familiaris)" alle die Privilegien und Rechte, die sein Vater gmossm, mit folgenden Wockm. In dickem Schreiben erklärt der Papst, daß er dm Manuele als Arzt und .Hausgenossen" nehme mit der Absicht, „daß du dadurch die Votthckle der Apostolischm Gunst noch rckcher gmießest, und wollm, daß du alle Privilegien, Ehrm, Freiheiten, Vorzüge, Befteiungm und Ausnahmsrechte und alle unseren und des gmanntm Stuhles .Hausgmossen (Familiäres) jetzt und später zukommmdm Gunstbezeugungm in Wirklichkeit gmießckt, phne daß immer Apostolische Konstitutionm und andere gegmtheilige Edikte mtgegmstehm." Tie wcktgchendm Privilegien, die Alexander VI. dem jüdischm Arzte Samuele Zarfati etthcklt, bchätigte dessen Nachfolger Julius II., der ihn auch zum Hausarzt annahm. Nicht allein, daß es ihm geftattet war, Christen zu behandeln, war er nebst seiner Familie und Dienerschaft auch vor jeder Belästigung aus scknm Reisen gckchützt; er brauchte nicht das Judm-Abzckchm zu ttagm, und durfte in keinem Hause eine Synagoge errichten. Ti^er Arzt spielte bei dem Scheintodes Julius' cknc bckondere Rolle. Am 17. August 1511 hielt! man dm Papst für todt, die Palastbeamtm hattm schon die! Plünderung der Wohnzimmer und des Schlafgemachs bei! gonnm, als der jüdische Arzt ecklättc, daß der. Papst noch! lebe, und wahrscheinlich auch am Leben erhaltm werden fönue.j In Wirklichkeit erholte sich der Papst und lebte noch zwei Jahre. Bonet de Lates, Leibarzt des Papstes Leo X., muß! als sehr einflußrckch bei scknem Herrn bekannt gewesen seiu,^ oder hat wmigstens dafür gegoltm; denn Reuchlin wendete! sich an ihn mit der Bitte, den Papst dahin zu bestimmen, daß der Ketzerprozeß gegm seine Schriften innerhalb seiner., Tiöcckc ausgettagm werden möge. Zum Familiaris wird auch Jsaac Zarfati vom Papste Clemens VII. (Nov. 1530) emannt, weil er durchs seine Gelehckamkeit .die mcksten Krankheiten, sonst unheilbar von denen sehr viele Leute der .Curie," auch alte getreue, Hausgmossen von Uns, Uns lieb und genehm, bedrückt wurden",^ gehcktt und ihre frühere Gckundhckt wieder hergcktellt hat.'s So wird chm freie Ausübung der Praxis auch bei Christm gcktattct, ohne daß er nöthig hätte, irgend ckne bckondere Erlaubniß einzuholen. Auch Paul III. hatte cknen jüdischm Leibarzt, Ja ko Mantino, der sich durch Uebersetzung metapbysischer un5mcdizinischcr Wecke auS dem Arabischen und Hevräischm in» Lateinische einen Ruf in der wissenschaftlichen Belt er» worbm hat. Mit Paul IV. war solchen Beziehungen ckn Ende ge» macht. Unter die unmenschlichen Ausnahmegcketze, mit dme» er die Juden knechtete, nahm er auch die Bestimmung auf,.’? daß ausnahmslos kein jüdischer Arzt cknm Christm behändest» / dürfe, selbst wmn er von dickem in höchster Roth gerufeu.? würde. Bon jetzt ab brach unsägliche- Elend über die Jude», i Roms herein, wenn auch mancher Papst ckne Milderung em-' trckm ließ. ' (Fr. Zkg.) Nrauenherrschaft.- (Rach dem Hebräischeid frei bearbeitet.) Mit bebend, zagem Herzen naht ' Sich Mutter Eva hin zur Statt. Wo Gottes hckl'ge Majestät Bemimmt der Flehendm Gebet Und spricht: .Vergib, o Herr, der Magd, Die eine Bitt' an Dich nun wagt:. Wamm hast Du dir Hcrrschermacht Den Männern nur allein vermacht, Jndeß' die Frau stets ihrem Manne, Dem Sklaven glckch, ist untetthan. Beckuch's doch, Herr, an Gnaden «ich, Ob wir nicht auch, den Männem gleich. Rach weisem Plan, gckchickt, gewandt. Zu herrschen wärm ganz imftand." Des WeibeS Bitt' ward auch erhött Und gnädiglich nach Wunsch gewähtt. Dem Adam ward die Macht entwandt Und anverttaut der Eva Hand. Doch, kaum gelangte sie zur Macht, Hat sie der Welt den — Tod gebracht. 8. Demant., Inhalt, Glühende Kohlen. Novell« von I. M. (Fortsetzung.) JüdischeHanSärzte VerPäpste. — Franenherrschaft. BoirW. Deman! Neil«-«, Jndenckecherck. Briese aus der Sommersrische. 9. Frauke. rewfs, der ,

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