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Jüdisches Familienblatt · 1894-01-01 · 41-42 (1894) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1894
Issue
41-42 (1894)
Date
1894-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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1894 Hr.41-42: Jüdisches * herausgegeben von Dr. M. Rahm«» in lNaadeburz. Kur Mnterhsllung und Belehrung für die israelitische Kamilie. Das ,,AS-is«h« jaMUldiblatt" erscheint wöchentlich als Gratis-Seila-e zur „Jsraelittsrchen w»«che«schrtft-. J«b« MNiufM0(( 2Ia<#br«<f «ns Blatte ift »mtertagt. — Die Einzelnummer kostet (« <>fg. bei der Expedition der .Jsr. wochenschr." Glühende Aohlen. 2s Novelle »ou I. M. - (Fortsetzung.) Ungefähr fünfzehn Jahre vor dem Zeitpunkte, in welchem wir die beiden Wanderern dem freundlichen Leser vorzuführen Gelegenheit nahmen, befanden sich beide in ihrer gemeinsamen Heimath, eine der bedeutendsten portugiesischen Hafenstädte. Der ältere von ihnen, damals ein vierzigjähriger Mann, Rodnguez, lebte daselbst in -sehr glänzenden Verhältnissen, da er die Agentur von mehrern ausländischen französischen und englischen Handelshäusern besaß, und sich sowohl durch seine ausgebreitete Geschäftskrnntniß, alS auch durch die biedere Grundlage seines stets ehrenhaften Charakters die-Achtung seiner Mtbürger mid ein bedeutendes Vermögen erworben hatte. Der zweite - unserer Wanderer. Naphtali, damals ein kaum fünfjähriger Knabe, gehötte einer jener wenigen Judenfamilien an, welche, dem schweren Drucke jener gerade nicht humansten Zeiten ihren Nacken beugend, öffentlich die Religion ihrer Väter verläugntten, während sie im Geheimen mit desto größerer Weihe und Begeisterung an derselben hingen. Naphtali'S Vater, Joel ASrielo, war Kaufmann, und fein reger, merkantilischcr Geist fand reichliche Nahrung an dem bewegten Leben - jener Stadt, die er seit snner Gebutt bewohnte, und die fast immer glücklichen Erfolge seiner Spekulationen sichetten ihm ein so reichliches Einkommen zu, daß er sein Haus' zu einem der prunkendsten und glanzsttahlendsten gestalten konnte. Was nur immer der nicht unerfinderische Luxus jener Tage a'ufzuweisen hatte, war sicherlich bei Asrielo zu finden, und die zahlreichen Einrichtungsstücke seiner Haushaltung wetteiferten miteinander, eines das andere an Bequemlichkeit und Pracht zu überbieten. Die an das im arabischen Style gebaute Haus stoßenden Gätten vereinten die theuersten und seltensten Pflanzen und Gewächse zu einem Prachtbilde der damals bekannten Flora, und die auSsttömenden Düfte umstrickten süß betäubend die Sinne der durch das herrliche Labyrinth dieser Gätten Wandelnden. Aber auch in Beziehung auf seine Familie war Joel ASrielo wahrhaft glücklich nennen, denn seine beiden Kinder Esther und chr um a« Jahr jüngerer Bruder Naph. tali konnten als Muster orientalischer Schönheit gelten, und wie sollte des Vaters Auge nicht entzückt auf den beiden, mst unbegrenzter Zättlichkeit sich umschlingenden Kindern ruhen, wenn er oft sah, wie die ätherisch zatte und doch vollkräftig gebaute Esther chren schneeigen, runden Arm um den Racken ihres dichtbelockten Bruderlegte, und dieser wieder r md Estherebenfalls uachtschwarze Haarflechten auflöste, sie alS der schönste Mantel über die wunderschönen Schustern herabfielen; wie sollte der Vater von dicfendesde» psychisch herrlichen Geschöpfen nicht bis ins Innerste seiner <5ttU beglückt sein, wenn von Esther nur ein Laut ihrer melodischen Stimme, nur eine natürliche, grazienhafte Be» wegung ihrer plastisch geformten Glieder, wenn von Naphtali nur ein Fenerblick seines geistteichen Auges oder der impo» nierende Charakter seiner Körperhaltung genügte, um selbst den gänzlich ftemden Bewunderer mit Staunen und Vergnügen zu erfüllen! Nur der allzufrühe Tod der geliebten Gattin, welche ihm diese herrlichen Kinder geschenkt, trübte den heitern Himmel ASrielo's: aber die Zeit heilte diese Wunde bald, und nach Verlaus einiger Jahre nahm er eine Verwandte seiner Gattin zum Weibe, in der Voraussetzung, daß eine solche mit natürlicherer Liebe den mutterlosen Kindern zugtthan sein werde, und er hatte sich auch hierin nicht getäuscht, denn Judith, so hieß daS Weib, liebte wirklich ihre Stiefkinder mit der Wärme und Zättlichkeit einer wahren Mutter. Judith war übndies jung und schön, sie glich in vielm Beziehungen der lieblichen Esther, nur waren ihre Formen voller, üppiger, und ihr Temperament war mehr sanguinischer Natur, während Esther einen Anstrich von Melancholie besaß. Unter den vielen Geschäftsfreunden, welche Asnelo am häufigsten besuchten, war Rodnguez einer der am liebsten Gesehenen, und es dauctte nicht lange, so war . die Scheidewand gebrochen, welche di: Berschiü>enheit ihrer Religionen zwischen sie stellte, und Asnelo's Familie nahm den Freund Rodnguez um so freudiger und hingebender auf, als sie demselben nach langem Zögern das Gehcimniß ihres Glaubens vettrauten, und Rodnguez sich ihnen dennoch nur immer inniger anschloß, was unttt den damals, obwaltenden Religionsverhältnissen wohl nicht zu erwarrrn gewesen wäre. Joel Asnelo war also glücklich zu nennen, denn er besaß Reichthümer, war von Allen, die mit ihm umgingen, geachtet, und theilte froh und warm sein Herz zwischen seinem schönen, jungen Weibe, seinen geliebten Kindern und dem voruttheilsfreien Freunde. Aber die schönsten Früchte sind es gewöhnlich, welche der nagende Wurm sich zum Sitze wählt, und so sollte denn auch bald der heitere Gesichtskreis, der diese Familie umschloß, von den Feuergluthen des Weh'S geröthet werden! ' Ach, schöne Judith, warum mußten deine blauen Augen solch' verzehrende Glut lodern? Warum war dein schwellen, der Corallcnmund so unwiderstehlich, so nach beseeligendeu Küssen lüstern machend? Warum, Asnelo's Weib, warum mußte dein Anblick der riesenhaft emporwuchernde Keim heißester Leidenschaft werden? Ach, Judith, warum mußtest du so schön sein?! Und du, Asrielo warum vergaßest du an die Schwäche des Menschenherzens? Warum nahmst du so warm, so harmlas den fremdgläubigcn Freund auf? Wußtest du den« nicht, daß man entzündbare Stoffe nicht

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