Mannheim
Compact Memory

Jüdisches Familienblatt · 1894-01-01 · 39 (1894) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1894
Issue
39 (1894)
Date
1894-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
91% known words query
IRI
…/6492351-8722849-5962405--2471-5376656
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Nr. 39. Jüdisches 1894. Herausgegeben von Dr. M. Sammet in Magdeburg. Kur Unterhaltung und Nelehrung für die israelitische Mmilie va» „I»»»sch« erscheint wöchentlich als tfrmti»>Veilagt zur „I»r—«it1schr« w«che«lchrt^. Je»«» n«4t*rmä mm* M«f«m SlaHc «ft ««teefa-t. — Die Einzelnummer kostet |0 pfg. bei der Expedition der „Irr. wochenschr.» Der auferftcrndene Rabbi. Kulturgeschichtlicher Roman aus dem jüdischen Leben in Galizien. Bon Isidor Brüftiger. V. (Schluß-) ' Endlich, nachdem einige Wochen verflossen waren, kam Red KloinimoS Schadchen von seiner Reise zurück. Sarah sah seiner Ankunft mit banger Sehnsucht entgegen und, als er ihr seine Aufwartung machte, nahm sie ihn ausnehmend fteundlich auf, streckte ihm schon von der Ferne ihr Hündchen zum .Schalem alrichem" entgegen, traftirte ihn mit seinem LieblingStranke und allerlei Leckerbissen und ftagte dann neu» gierig,- .Nun, süßer Reb Kloinimos, was für eine Antwort haben Sie-vom Rabbi' erhalten? Haben Sie ihn für die Parthie gewonnen?" Reb Kloinimos. gurgelte vorerst einen Schnaps hinunter, dann begann er mit seinen in'S Unendliche reichenden Ein. leitungen: .Nur Euretwegen habe ich eine solche anstrengende Reise unternommen, weil mir Euer Wohl sehr am Herzen liegt .Die Antwort des Rabbi möchte ich gerne hören!" — wiederholte Sarah. . .Mein Ehrenwort gebe ich Ihnen, — und Sie wissen ja, daß „Reb KloinimoS keine Lüge sagt" — daß, wenn ein anderer Schadchen nach Z. . . gefahren wäre, hätte ihm der Rabbi nicht einmal in sein HauS Einlaß gewährt, mir aber schenkt er blindes Zutrauen, wie sich eines solchen nur einer treuesten Chassidim erftcut, denn er weiß es eben, daß .Reb Sloinimos keine Lüge sagt." — .Aber zur Sache!" — unterbrach ihn nun Reb Ephraim, dem die langen Umschweife des Schadchens, oder richtiger SaufboldeS, schon lästig wurden — .Was hat Ihnen der Rabbi für eine Antwort gegeben? Heraus damit!" .Braucht Ihr da noch viel zu fragen? Der Rybbi hat mir in allen Stücken seine Zustimmung gegeben!" .Wahrlich? Habe ich recht gehört?" — ftagte Sarah, im Bollgenusse der Seligkeit schwelgend. .Warum denn nicht? Ich habe ihm Eueren Jichus >), Eueren ReiHthum und die Schönheit Eurer Tochter genau vorgestcllt, dadurch gelang es mir, seine Zustimmung zu erlangenallein ..." ,WaS? Was?" ftagte Sarah bestürzt. .Fürchtet nichts, Sarah, Gott ist mit Euch und Reb ^lsloinimos ist bei Euch" — erwiderte er — .allein er wollte L'mit mir unter keiner Bedingung mitreisen, und zwar aus dem Grunde, weil er.nächste Boche Jahrzeit haben wird. Nächste Woche wird ein Jahr um, daß sein heiliger Batrr (8«oIlu«Lu jogen oleinu*) eine bessere Wett hinübergegangen ist, und wie Ihnen bekannt sein dürfte, hat derselbe hier in unserer Stadt seine Seele ausgehaucht, und seine sterb. liche Hülle ist auf unserem Friedhofe beigesetzt worden, weshalb fern Sohn, der nunmehrige Rabbi von Z. . . nächste Woche hierher auf Lower Owens1) zu kommen gedenkt und bei dieser Gelegenheit wird er Euch besuchen und wegen der Parthie mit Euch unterhandeln. Ihr werdet Euch schon überzeugen, daß Reb Kloinimus keine Lüge sagt." .Nun gut" — fielen ihm Reb Ephraim und Sarah einstimmig in's Wort — .wir wollen ihn erwatten. Uebrigen», wir verlassen uns schon auf Euch, Reb Kloinimos." Reb Kloinimos machte eine tiefe Verbeugung und ging fröhlichen MutheS nach Hause. Auf dem Wege berechnete er schon, wie viel Schadchunes») er da verdienen werde, so gewiß war er seiner Sache. _ Im anstoßenden Zimmer saß die unglückliche und üef» betrübte Mirjam ganz allein und hötte jener Gespräch mit an; heiße Zähren flössen über ihre brennenden Wangen, tiefer Kummer bemächtigte sich ihres ganzm Wesens und sie konnte den ganzen Tag über nichts genießen. .Wozu mir ein solche- Leben?" sagte sie still vor sich hin, »wozu soll ich mich denn, einem Schatten gleich, in der elendm Welt herumschlmpen? O, ich unglückliches, armes Geschöpf! Ich soll einem aloeruen Taugenichts prnSgegcben werden!" Sie griff endlich zur Feder und schrieb an Josef einen ausführlichen Brief. Sie theilte ihm die Unterredung mit. die zwischen ihren Eltern und dem Schadchen gepflogen wurde, machte ihn darauf aufmerksam, daß die Angelegenheit schon so weit gediehen sei, und schildette ihm den Auftritt, den sie mit ihrer Mutter gehabt und der sich fast täglich wiederhole. . Josef erschrak, als er dm Brief las, er sah die drohmde Gefahr, wußte aber auch keinen Rach. Nichtsdestoweniger richtete er sogleich ein beruhigendes Antwortschreibm an Mirjam; worin er ihr Muth und Ausdauer empfahl. Sie solle nur die Hoffnung nicht aufgebm. Es könne sich doch noch Alles zum Guten wmden. VI. - In dem Städtchen B. . . , den: Otte unserer Erzählung, befand sich ^-iu alter, jüdischer Friedhof, der mit Gräbem und dicht nebm einander stehenden GrabmLlern schon überfüllt war, so daß es fast kein einziges leeres Plätzchen mehr darauf gab. - In diesem Labyrinthe konnten sich diejenigen, welche das Grab ihrer dahingeschiedrnen Angehörigen aufsuchen wolltm, um ein andächttgeS Gebet zu verrichten und sich dcrm Fürspräche beim Weltmrichter zu erflehen, — waS meistentheilS im Monat Elul geschah, — allein garnicht zurrchtfinden. Reb Zodck, der Friedhopvächftr, welcher in der Familiengeschichte k) verxüudm-slohn.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.