Jüdisches Familienblatt
- Journal
- Jüdisches Familienblatt
- Volume
- 1894
- Issue
- 35 (1894)
- Date
- 1894-01-01
- Page
- Seite 140 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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ihr Engel des Friedens, Engel der Weife, Engel de- Allerhöchsten." Immer kräftiger pnd kräftiger wurden die Stimmen im Feuer der Andacht und es rauschten die Worte dahin, bis sie nach und nach in eine leise Tonart übergingen, um mit Behagen und Wohlgefühl in das herrliche Lied Salomonis an die „biedere Frau" hinüberzulenken. Herr Caine, dem ich einzelne Stellen übersetzte und ihm auch mit dem Sinn des bald darauf von allen Tischgenosse» feierlichst hergesagtcn „Kidusch" vertraut machte, hotte dem Ganzen mit sichtbarem Interesse zu; er ließ es sich nicht nehmen, sich ui Beginn der Tafel mit allen Gäste» gleich die Hände z» waschen und behielt auch die ganze Zeit den Hut aus, obivvhl der Witth ihn bitten ließ, sich nicht zu inkoinmodirc». Die Speisen, wie sie der Reihe nach aufgttrngen wurden, waren fast ohne Battation dieselben, wie sie am Freitag Abend in jedem fromm-», jüdischen Hanse von der Weichsel bis zur Wolga, vom Pruth bis zum Don auf den Tisch kommen Tie obligaten, großen polnischen Fische, die sich auch ausgesprochene Judenfeinde in jüdischen Restaurants wohlschmcckcn lassen, die klare, kräftige Suppe mit den „Lockschen", über deren Ethmologie sich die Sprachforscher noch nicht llar sind, und die sich zu den moderne» Rudeln oder Maccaroni wie ein echter englischer Pudding zum pseudo-englischen Fabttkat in Deutschland verhalten und die nationalen Tesscrtsprisen mundttcn Herrn Caine sehr gur. Tie Unterhaltung bei Tische war eine sehr lebhafte und wurde von manchem jüdischen Iwn mot gewürzt, das ich leider nicht so gut verdolmetschen konnte, tbeils meiner inanelhaften Sprachmittcl wegen, theils aber auch, weil zum Bcrständniß desselben eine gewisse Beschlagenheit im Talmud gehött, die sich Freund Caine, trotz mehrwöchentlichen Verkehrs mit Juden bei all' seiner Genialität noch nicht angeeigntt hatte. Auch ernstere Themata wurden im Gespräche angeregt und sogar religiöse Fragen berühtt, da sich mein Gefährte gern eine» Begriff von der Denk- und Sinnesweise der Tischgrnossen über dieses und jenes machen wollte, und diese wiederum den seltenen Mann, zu dem sie alle mit Ber- und Bewunderung aufschauten, über allerlei aushorchen mochten. Zuletzt gab mir Hm Caine eine sehr hatte Ruß zu knacken, klease ask uur friend (er nannte unfern Gastgeber immer our friend) what he thinks alxiut the Messias?*) Ter schlichte Mann schien anfangs etwas verlege», wie er die ihm so unerwattet gekommene gewichtige Frage beantworttte, doch nahm er keinen Anstand, sich hinüber kurzweg wie folgt zu äußern. Als Jude, meinte er, könne und dürfe er an das Erscheinen des Messias nicht im geringsten zweifle», sich aber die-es Ereigniß näher auszumalen mit all den Veränderungen, die es hervottusen würde, gezieme ihm um so weniger, als ja der Messias gerade dann am ehesten n'ntteffen könne, wenn an ihn gar nicht gedacht wird — Zwischen jedem Gange der servitten Speisen wurde regelmäßig ein Tischlied aus den „Semeroch" im Chor gesungen, in das der lleine, hübsche Knabe mit seinem dünnen Sümmchen immer lustig mikeinfiel. Zu Ende der Mahlzeit kam ein Nachbar unserer Gastgebers zu Besuch, dem gleich ein Glas Wein vorgesctzt wurde und der uns englisch anredete. Er war als Geschäfsmann mehrmals in Manchester, seine Einkäufe zu besorgen und that sich darauf zu gut, hier sein Englisch zum Besten zu geben. Leider wußte er aber von nichts anderem, als von Madepolones und ShittingS und Ramschartikeln zu erzählen und das Gespräch geritth daher bald in Stockung Da sich die Mahlzeit schon bis spät in die Nacht ausgedehnt hatte, wurde jetzt rasch das Schlußtischgebet hergesagk, und wir verabschiedtten uns nun von unserm liebenswürdigen Amphitttjon und dessen Angehörigen in der herzlichsten Weise. — , (Sdiüifj folgt) ’ *) „Bitte fragen Sie'unse^i Freund: Ai«'deuten Sic über den Messt««?" ' Simon ben Schetach. (Legende.) lMidrasch Rabbah, Debarim P. 3.) Bon einem reichen Jsma'liten Kaust',einstens Simon, Sch,such'» Sohn. Sich einen Esel, den geritten Ter Isma'lite lange schon. Am Hals des Esels blieb noch hange» Ein Stein von ungehen'rcu, Wert, Auf den die Blick' der Jünger drangen. Die ihrem Meister treu bewähtt. „Sieh', Rabbi!" — tönf« au» ihrem Munde Gott sendet seinen Segen Dir; Du bist ei» reicher Mann zur Stunde, Sieh' doch den Stein, der schimmert hier!" „Der Herr, der alles weise lrnktt. Hat diesen Schatz da dir brscheett: Er hat Dich gnädiglich beschenket, Ohn' daß Du es vielleicht begehtt." „Denn eitel ist das Sorgen, Mühen All derer, die gar früh aussteh'n; Im Schlaf läßt Segen Gott erblühen De» Frommen, die ihn stets anfleh'»." — „0 ferne sei » von nur. zu nehmen. Was mir rechtmäßig nicht gehött!" — Ließ drauf der Rabbi sich vernehmen — „Fremd' Gut Hab' niemals ich begehtt!" „Den Esel.nur darf mein ich nennen, Rur ihn mit Fug und Recht allein; Doch darf ich nimmer anerkennen Als Eigentum den Edelstein." „Denn der den Esel hat besrsir», Hat zweifelsohne unbedacht. De» »heuern Kleinods ganz vergesien, Das Euch ergötzt mit seiner Pracht." — Und ohne lang' sich zu bedenken, Schicki er den Edelstein zurück, Macht' sein Gewisie» nicht ettrinken I» Unrecht einen Augenblick. Wollt' lieber ei» Exempel geben, Daß außer Ehrlichkeit allein Allhier in diesem Erdenleben Nichts Heil'gcreS wohl könne fein, lrody. W. Demant. Ans dem öpruchschatz des Talmud. poetisch.übertragen von Max Weinberg. wo aller Hunger aufgehört, Ist 'ne gedratne (Saris keinen Dreier wetth. " ' » * ' Hält Mann und Ehe nicht, was fie versprochen. Denkt nassen Augs das Weid der Flitterwochen. ' ' (Erba Babhati 47. . . Linen Thaler selbst erwerben Siebt mehr Werth als hundert erben. . „ (Aboth d' B. Nathan Ca». 2 Amtzalt, Frauenklntztzeit. Bon Isidor «rüstiger. Reife mit Mr. Vati Satae Bon S. Si. Margulie«. (g — 21«*n de» Lchetach. Bon ffi. Demant, — A»S bei schätz des lalMUd. Poetisch übenragen von Max «eint