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Jüdisches Familienblatt · 1894-01-01 · 35 (1894) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1894
Issue
35 (1894)
Date
1894-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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1894 Kr. 85 Da» ,.I»»Isch« £Mrtlk«bl«M" nschrint wöchentlich al» zur „Israelitische« W»che«schr1st". Jrt« «Nb«f«0<( Nach»!-«« ««• <ft KlilniM1- - Die Einzelnummer koste« <0 psO. bei der Lrpedtiion der ,3*r. wochenschr.. Jur Nnlerhallung und Mrlrhrung für dir isrselikifche Namilie. Frauenklugheit. Ein Lulturbild aus dem jüdischen Leben in Galizien, von Isidor Vrüstiger. .Warum bleibt nur mein Mann so lange? Bill Herr Donski auch heute seine Schuld nicht zahlen? Wir Unglücklichen! WaS iperden wir nun beginnen? Diese zehntausend =5 ulden sind im« noch von unseren großen Reichthümern zuürckgkblikben und wenn wir dieses Gell» nicht herauSbekommen, sind wir verloren, ja total ruinirt!—' Also murmelte eine in ihrem Zimmer allein dasitzende junge Dame vor sich hin, sich die Thränen auS ihren schönen Augen wischend. — Da öffnete sich die Thüre und Naftali ihr Mann tritt ein. .Warum hast Du, lieber Mann, Dich bei Donssi so lange aufgehalten? Hat er die Schuld bezahlt?" fragte die Ara» hastig und harrte erwartungsvoll der Antwort. .Rein! er hat nicht gezahlt!" erwiderte Naftali in traurigem Tone. .Zwei Stunden habe ich in seinem Bor- Hofe gewartet; denn in seinen Salon wagte ich nicht einzutreten, endlich kam er zu mir heran- und beschied mich kurz, daß ich morgen wiederkommei. möchte." .Sein morgen kenne ich leider scho» zu gut, wie oft hat er Dich nicht schon auf .morgen" vertröstet? ich habe Dich immer vor DonSki gewarnt, mit ihm keine Geschäfte einzugehr»! WaS machen wir nun, wenn er bis morgen die Zahlungen cinstellt? Man munkelt schon längst, daß eS schlecht mit ihm steht." Heftiges Schluchzen erssickte ihre Stimme und sie hielt inne. — Naftali, obgleich er von der Richtigkeit des eben Gehörten vollkommen überzeugt war, faßte dennoch Math und tröstete seine Frau damit, daß Herr Donssi noch einige Realitäten besitze, auf die man durch'- Gericht Beschlag legen könne. — Mit fieberhafter Ungeduld warteten sic den nächsten Tag ab. .WaS hat der Jude hier zu suchen?" herrschte der Diener Donski'S unser» Naftali an, als dieser sich am folgenden Tage im Vorhofe einfand. .Ich habe mit dem gnädigen Herrn Wichtiges zu sprechen." erwiderte Naftali. .Der gnädige -Herr wird in wenigen Stunden seine große Vergnügungsreise nach B . . . antreten und verspürt — -wie ich glaube — kaum die Lust, dem Juden vorher .Lebewohl" zu sag«; packe er sich fort." Naftali beharrte aber dabei, daß er vom gnädigen Herrn für heute herbestellt sei und verlangte durchaus, daß der T iener seine Ankunft melden solle. Dieser wollte aber dem dringenden'Verlangen und Bitten des Juden nicht ,nachgeben, -erst at» Naftali zu dent bekannten Auskunft-mittel Zuflucht »ahm und de« autisemitischeu Diener einige Wünzstücke einhändigte, eilte dieser zum gnädigen Herrn und wenige Minuten daraus erschien Herr Donski im feinen Reisekvstüm und sagte herablassend: .Wieviel kommt Dir, sag' an, ich will Dir jetzt alles zahlen!" .Zehntausend Gulden baar und zweihundert Gulden Zinsen für die zwei Jahre, daS ist doch nicht viel?" .Hier hast Du einen Ehek zur Commerzbank, geh' hin und Du bekommst dort daS Geld, vorher gieb mir aber noch achthundert Gulden, denn der Chek lautet auf rund elftausend Gulden. Ich habe keine Zeit mir den Betrag von dort holen zu lassen, weil ich bald nach B . . . abreise." Bereitwilligst gab ihm Naftali die verlangten achthundert Gulden, übernahm den Chek, verneigte sich vor dem gnädigen Herrn ihm glücklich« Reise wünschend und eilte mit Blitzesschnelle nach Hause, um seiner Ester schleunigst die stohe Botschaft zu bringen. .Hast Du schon das Geld?" stagte Ester ihren freude» strahlend ankommenden Gatten. .Gott sei gedankt, j a!" keuchte er hervor. .DonSsi gab mir einen Chek zur Commerzbank auf elftausend Gulden, da ich ihm zu den fälligen zehntausend nebst Zinsen noch achthundert Gulden gegeben habe und Du mein Täubchen hast Dich umsonst gesorgt und Dir unnösige Grillen gemacht!" .So lange ich das baare Geld nicht sehe, traue ich der Sache nicht, und ich bin noch immer nicht ganz unbesorgt, ich kenne den Donssi besser, als Du. Wer weiß, was er Dir für eine Falle mit dem Chek gelegt hat!" .Was Du da wieder für Bedenken hast" — warf Naftali hin, ergriff seinen Hut und Stock und begab sich nach der Commerzbank. .Ich überreiche hier einen Chek von Herrn DonSki und habe elftausend Gulden zu empfangen." sagte Naftali zum ersten Verwalter der Commerzbank. .Warten sie einen Augenblick, ich will erst die Papiere im Depot Nachsehen, und dann gebe ich ihnen das Geld." Bald kehtte er zurück und sprach die schneidigen Worte: .Herr Donssi hat hier nicht mehr als zehntausend fünfhundert Gulden, ich kann Ihnen daher selbst diese Snmme nicht geben, weil das Gesetz bestimmt: .Wenn der Chek aus mehr lautet, als im Depot liegt, darf gar nichts auSgezahlt werden. Gehen Sie also zu Herrn Donssi und sagen Sie ihm, daß er Ihnen einen Chek von zehntausend fünfhundert Gulden gebe; sonst bekommen Sie keinen Heller!" — Wie vom Schlage gerührt war Naftali. Bestürzt verließ er die Bank. .Ach DonSsi, Du hast mich betrogen und mich noch um weitere achthundert, um den letzten Rest meines Vermögengebracht! Ester! Ester! Du hast doch recht gehabt — ich weiß kein« Rath mehr!" — Leichenblaß kam er zu Hause au, die nichts Gute-

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