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Jüdisches Familienblatt · 1894-01-01 · 34 (1894) · p. Seite 136

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Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1894
Issue
34 (1894)
Date
1894-01-01
Page
Seite 136 (sequence 4)
Language
German
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Lu sollst mich bei Dir behalten und als Juden nziehn, das bischen Wasser haftet an mir nicht/ er fuhr sich lachend durch das schwarze Gelock, „Mama sagt, mein jüdischer Kop ist echt, der ist in der Wolle gefärbt. Sie wird Dir auch Geld schicken für mich — „Tu willst Deine Mutter allein lassen?" fragte Abraham zitternd. „Mama läßt Dir sagen, daß sie wieder ein Kind haben wird," fuhr Gabriel wichtig fort, „und watte Großpapa, jetzt kommts schwer," er richttte sich höher auf die Zehen und sah mit seinen großen, schwarzen Augen dem alten Mann fast ins Gesicht: „Mama bittet Dich, Tu sollst ihrer und meines Papa's nicht in Groll gedenken und von Dir Nachrichten geben, mich aber sollst Tu mit Dir nehmen, damit ich ein freier Mensch werde im Lande der Freiheit. Lieber einziger Groß papa, ich bin Dir ja so gut!" Ta drückte Abraham den Jungen ans Herz und fuhr mit ihm und all den Andern nach dem Lande der Freiheit. Ende. Mine Keife mit M. Kall Lame. Bon S. N. Margulie». (Fortsetzung.) Nach längeren Verweil« in dumpfer Stube pflegten wir immer für einige Stunden einen Spaziergang in- Freie zu machen und die in uns aufgenommenen Eirärücke zu briprechm. Immer mehr hatte ich die Gelegenhest, den edlen Sinn und dar weiche Gemüth dieses seltenem ManneS zu bewandern, der so ganz Herz, so voll Empfindung für alles Menschliche ist und in mfisen Inneren sich auch nicht der leiseste Hauch eines intoleranten Gedankens regt, dem Jud und Christ nur Menschen, nur gleiche Brüder find. Unser Detektiv, der sich stets wie zufällig plötzlich auf unserm Wege fand, konnte sich zuletzt nicht enthalten, mich anzusprechen und zu ftagen, waS wir denn eigentlich hier zu thun hätten. Und als ich ihm antwortete, daß das unsere Sache sei und daß wir übrigens hier blos zum Vergnügen verweilen, schüttelte er mit den Worten „in Oswiecim zum Vergnügen" ungläubig den Kopf, behelligte uns aber weiter nicht mehr, denn es schien nun bei ihm ausgemacht, daß es bei uns beiden, besonders bei Herrn Caine, der' ja nicht einmal ein Wott Polnisch sprechen konnte, im Oberstübchen nicht richtig wäre. Indessen mich er stob gewesen sein, als er uns ins Eismbahncoupä steigen und sich somst von zwei verdächtigen Individuen bestell sah, die ihm, dem geheimen Wächter des Staats, eine so schwere Verantwortung aufbürdeten. — Die Gelegenheit, ein mannigfaches Bild jüdischen Lebens zu sehen und auch mit ganzen Gruppen unglücklicher russischer Emigranten zusammenzutreffen, bot sich nus erst in Krakau, der zweiten Hauptstadt Galiziens und einer der bedeutesten jüdischen Gemeinden, dar. Hnndette und Abnhundette jener Opfer moskowitischer Willkür lagetten damals in diesem Otte und harttm der Beförderung durch da» dortige Comite, harttm der Erlösung aus einem ungewissm Schicksal und des Einzugs in die neue Heimach, die chnm der große Wohlthäter, der Baron Hirsch, zu schaffm bemüht ist. Tank der LiebeSwürdigkeit des Vorstandes des Krakauer Comites, Herm Landau, vermochten wir uns über dm Stand der Expedition eingehend zu informirm, und die Uebersicht, die wir hier gewannm, sowie die Mittheilungm über manche Tttails der Auswanderung wyrm sowohl für Herm Caine als für mich von großem Interesse. Wir ließen uns auch die Auswanderer, die wll in ihren einzeln« Ouattierm auffuchtm, vorführen und Herr Caine zeigte sich unermüdlich im Ausstagm jeder Familie über ihre Lebmsschicksale, die ich chm gmau wiedergebm mußte und die ihn oft so tief ergttfim, daß er fich kaum der Thränen ftarantttortl. Redakteur SR. Rahmer, Druck Leistner ft enthalten konnte. Der Anblick solcher, von ihrer Scholle triebenn Mmschm, von dmm,Biele bis jetzt vielleicht zustiedmes Lebm fühttm, wie er fich mir so oft in in Hamburg und zuletzt hier darbot, ist auch herzzer und erschüttemd genug. Die Frauen mit zartm Kindern der Hand, oft mit Säuglingm im Arm, crregtm am meistnD Mitleid, und doch schimm alle gefaßt und sich mhig iuE nme, unbekannte LooS zu fügen. Auf ihren Gesichtern malte» 1 sich nur noch die SchreckmSscmm, die sie vor ihrem Fottzntz-] aus der Heimath und zuletzt an der mffischen Grmze, die-? sie oft mit Lebmsgefahr überschritt«, durchzumachm hatte». -.' Freudig und sehnsüchtig sahm sie aber jetzt dem Tage ent-' gegm, an dem sie ihre Beförderung erwarten durften. Da- ) gegm war geraden markerschütinnd daS Wehklagm derjenige»^ Männer und Fraum, die vom Comitö, das nach der von ) der Cmttalleitung erhalten« Direktive vorgehm mußte aus-- diesm oder jmen Gründe» von der WeiteÄefördnung auf* ] geschlossen und zur Repatriirung bestimmt warell. We«ll»d warfm sie sich uns zu Füßen, da sie uns für Delegitte hielte«,^ dll auf ihr Schicksal Einfluß nehmm könntm, umschlangen unser Knie und baten mit flehenden Händen, fle ja nicht zn^H rückzuschicken. „Lieber in den Tod gehen, als nach Rußstmd ■ Mück," rief der Eine und der Andere verzweifelt aus. Herr Caine, der sprachlos vor Rührung dastand, griff mehrmals^ in die Tasche und wollte wenigstens durch eine kleine Gabe 5 seinem mitleidigen Herzen Luft machen. Nnmal bot er sich an, 58 LsttS. für die armen Leute zu spenden, Hen Landau "A wieS es abn zurück, da diese Summe nur wie ei» Tropfe»'F im Mene wäre und an den Bestimmung« fich doch einmal £ nichtzu ändem ließ. Bon rinn Frau, deren Mann schon früh« nach Amerika ging, erfuhren wir, daß als auch sie mll ihr« Kindern de» Ausweisungsbefehl «hielt und angewiesen wurde, binnen 24 Stunden den Ott zu vnlassen, eS ihr noch eine Zritlang gelang, fich den Augen dn Häscher zu entziehen bald abn war man ihr auf dn Spur und sie flüchtete sich A in irgend einen dumpfen Kelln, wo sie viele Tage blieb// Dott starb ihr rin kleine» Kind, sie mußte nun wiedn ans Licht, um für die Bestattung des armen Wurmes zu sorgen, A und jetzt erst zog sie auf geheim« Wegen, mll Huuger ä kämpfend und untn allnlei Gefahren sott; unterwegs erlag i rin zweites Kind dem Tode und so wandette sie nun mit den ihr noch gebliebenen zwei Kindern zu ihrem Manne nach Amerika. Diese einfache Erzählung, deren Wahrheit in unvnkennbaren Zügen auf dn gramgefurchten Stirn dn Unglücklich« zu lesen war und dabei die stamme Ergebung, von dn ihre AuSdrucksweise und chr ganze» Wes« zeugte, ' ] hättm auch rin Hnz von Stein rühr« können. (Fortsetzung folgt.) von der Landstraße des Lebens. von Max Weinberg. Nimm Alles leicht, So kannst Du Schwere» tragen, Nimm Alle» schwer, Macht Dich auch Leichtes zagen. „ Geduldig trug lahrau», zahwin, Di« schweren Slüke ich zur Mühle, Und wenn ich meine Last nun fühle, So heißt '*» gleich, e» sei nicht sein, Daß ich in meinen Schmerze« wühle. » Je nach dem Standpunkt dünkt ein Ding Dem recht und Jenem-Sünde, Den» wenn man etwa» glaube» will. So finden fich schon Gründe. J«h«le> Dir A»-gewiesene». Eine Erzählung'au» der Gegen» , wan von L. «erg. (Schluß., — Meine «eise »it «r. Hall «mne/ Bon S. R. Margulie«. (Fortsetzung.) — 8«k »nr LtUtdstrtche^ de» Leben». Bo» Mar Wemb «, 'Verlag der"

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