Jüdisches Familienblatt
- Journal
- Jüdisches Familienblatt
- Volume
- 1894
- Issue
- 34 (1894)
- Date
- 1894-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 88% known words query
- IRI
…/6492351-8722849-5962400--2446-5376636- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
herausgegeben von Dr. M. Rah««» in Magdeburg. Hur Nnterhallung unö Belehrung für öie israelitische Mmilie. * va» „ANstsetz« £«aH(W«fcla*t" erscheint wöchentlich als Gratts veUa-e zur „Aseuelittschen tv»etz«tt«tzrift". A«b«» »»»«ttlOl« Noch»«««» «MS lltfcw 8(<l«< ist »mtersMA«. — vie Einzelnummer kostet t» PfD. bei der Expedition. Die Ausgewiesenen. Eine Erzählung 'ton? der Gegenwart, von ll. Berg. Bild. Dabei stieß sein Fuß an einen harten Gegenstand, er ■ hob ihn auf, eöwar eine kleine Elfenbeinplatte, beschrieben, wie er sah, ohne Säumen gab er sie seinem Herrn. Jemilian las: 19) - (Schl-b.) „lirer (Schießt) —!" zischt es. * Schnell wie das Licht stiegt, glitzert etwas in Benno'S Hand, er hebt die Waffe empor — in der nächsten Sekunde bricht er selbst blutend zusammen. Feuer — Dampf — Manch — Geschrei. Das zu Tode erschrockene Publikum lärmt — ruft nach Hülfe, drängt hinaus — die Frauen kreischen und weinen. — Auf der Bühne rinnt echte« Blut, stirbt ein echter Sterbender — mit wahnsinnigem Schrei stürzt Kaminski über den Liegenden: „Wortbrüchiger Jude! Aber der ungehorsame Schüler antwottet dem wütenden Meister nicht mehr. Er bekommt bald hitzigere Gegner, der altt Rebell. — Es ist nicht der erste Frrundschaftsgruß, den Kaminski mit den geliebten russischen Schergen besiegelt — wie der Hirsch die Hunde abstößt, hielt sich der Lange die Meute vom Leib. — Ter Kampf wird immer erbittettett einen furchtbaren Stoß erhält Kaminski von Salmon, der wie ein Bilder um sich schlägt, die Leiche seines Bruders zu gewinnen, an Kopf.und Brust. blutend, streckt Kaminski mit jedem Hieb einen Russen nieder, aber viel Hunde sind auch des mutigsten Wildes Tod. Obwohl ganz nahe der Thür, steht Jemilian im ärgst« Gedränge. Schauspieler, Sängerinnen. Arbeiter rasen über die Bühne m de« Orchesterraum und versperren mit den um den Ausgang kämpfenden Musikern die Thür; rings um sich hört er Rufe: .Hülfe — man zertritt mich — dasHauS brennt." Der' Erste^ welcher die Thür einstößt, ist Geochr — die Vordersten fallen, da hat ihn George erblickt, eS gelingt ihm seinem Herrn dir Hand zu reichen und ihn herauszvzithen — endlicb — sie wisieck beide selbst nicht wie, stehen sie, erregt, kreibeoleich in ihrer Wohnung in Sicherheit. ' .Packen!" schrie Alexandrofl; .wir reisen noch heut, nicht eine Stunde mehr bleiben wir m diesem Räubernest." Schweigend machte sich George an die Arbeit. Roch einer Viertelstunde sagte Gborge: .eS ist alles bereit, bis auf die Pässe." .Die Pässe! In diesem verflochten Lande ist aller mit' Weitläufigkeiten verkbüpft," rief Jrmllian wütend, ..selbst das Davonlaufen. Sie haben einen AuSländerpaß, — ich nehme einen msausgefüllten meines 'Bruders Leonid, für Geld und gute Worte, muß uns Grodunoff die Dinger sofort visiren — Den ganzen Plunder hier wird der Spediteur nachsenden — kommen sie. was zögern Sie noch?" .Ich wollte Monsieur um yn Andbnken bitten Vnt dieses.* . George schritt zum Schreibttsch und > ergriff Ekaudia'S .Weither Herr! Elaudia von Moorbach kam heut hierher Sie zu sehen. Für das Wagniß diese« Besuches schulden Sie mir ein Gast, geschenk — erwirken sie die Freilassung des unglücklichen Herrn Liedettrost. —“ Er mußte sich setzen. .Seit wann liegt das hier?, fragte er tonlos. .Bermuchlich seit gestern Abend . . ." .Eine Dame war hier?" .3°." .Warum haben Sie mich nicht benachrichtigt?" .Die Dame hatte eS verboten." Jemilian fragte nicht mehr; er ging in heftigster Erregung über eine Stunde im Zimmer auf und ab. «endlich setzte er sich an den Schreibtisch, George wollte ihm die Lampe auf dem Bordbrett auzünden, aber er wehtte ab und schrieb, im Halbduukel in fliegender Hast:. .Mein lieber Grodunoff! Anbei zwanzig Rubel Stempelkosten für das Bisircn beigefügter Pässe. Ihnen selbst, mein Alter, erlaube mir als AbschiedSgruß Ihren kleinen Schuldschein von heut morgen zu retourniren. hitdreifache Summe sind Günzburg senior ' fünf Tage nach dato . beauftragt von Ihnen quittieren zu lassen, sofern sich in einer Stunde da- Gerücht bestätigt, daß der alte ^iedestrost seinem Gewahrsam entwischt ist. Sie »oissrn doch, daß der aste Mann zeitweilig irre ist? Leben Sie wohl » « . ' , Ihr ergebenster Alexandroff." . Er siegelte den Brief,'übergab ihn.George und befahl: „Grodunoff junior persönlich eiazuhändigen. In einer.Stunde find Sie wieder hier. Eilen Sie!" Nicht ganz so pünstlich, wie Jemilian gewünscht Hütte, «kam George zurück,' es war über Mitternacht, da er. bei seinem Herrn, der ihn fiebernd, 'in hoher Angeduld erwartete, wieder eintras. . „Persönlich abgegeben?" Herrn Grodunöff selbst. Er empfiehlt flch hundertmal. Ich bringe eine Neuigkeit: ^Drr alte Abraham Liedertrost ist seiner Zelle entsprungen." .Gelobt' f«i Gott!" ' George sah seinen Herrn verwundert an, so lange er ihn kannte, batte ee noch nie eine solche Aeußerung von ihm ge- °höy.' Mt noch größerem Erstaunen gewöhne er, daß - Monsieur schon wieder die kleine Elfenbeinplatte in seinen Händen hielt und sie, jetzt behutsam in Seidenflor wickelnd nebst Esaudia'- Bildchen tu seiuer Brufttasche verbarg. 'ä'isSfefea.fsiijfc