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Jüdisches Familienblatt · 1894-01-01 · 33 (1894) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1894
Issue
33 (1894)
Date
1894-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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1894. Herausgcgeben von Dr. 2tt. in Magdeburg. Kur Nnterhsltung unö Krlrhrung für -ie israklitischr Namilit. ■.SS] T p&;# $!-■ t Va» »)a»isch« tf«*illet«bla»e" trftbeinf wöchentlich als «rati»-v«ila-c zur ,3»tü«llHf<be«i w«chc«ichrife". .3«»«» MNbefM»*c Hacbtnicf ««« »irftwr *»l«et« Ift n»teti»,t. — Pie Einzelnummer koste, ,0 Pf». beiId« Expedition. ISj Die' Ausgewiesenen. Eine Erzählung'auS der Gegenwart. Bo» tt. Berg. ' f % E- Neuntes Kapitel.*) Beweis,- daß auch Alexandrosf Gefühl besitzt. - Jemilian hatte sich 1>en nächsten Morgen nach KoluSki auf fein Vorwerk begeben, in Geschäften, wie er gegen dm jungm Grodunoff, der mit ihm Hinausritt, behauptete.' Tie Wahrheit war, daß ihm der tägliche, unumgänglich notwendige Krankenbesuch bei seinem Bruder bereits höchlich zuwider schien. " Krank sein!' Lyden! Alexandroff konnte .daS nicht sehen," überdies Leonid war ja'in dm lösten Händen, die Haromäer hasten als Krapkenpfleger einen vorzüglichen Ruf, und was ihnen an ärztlicher Kunst abgehen mochte, ersetztm sie durch chre Gebete. < " Und Alexandrosf mutzte sich' ein wmig zerstteuen, bas war ernrach der Auftegung des vorigen TageS <er nanntt das seinm einstündigm Besuch bei dem blinden Popen) , sich wirklich schuldig. UebrigenS, wenn er auf die erheitemdr Gesellschaft Grodu» -&■ noffS gerechnet hatte, fo lietz ihn diesmal die unfreiwillige Komik dieses, jungm Herren völlig 'im Stich. Denn vor dem Frühstück wurde natürlich ein wmig „gejeut"; Jemilian ge- A.. wand, war ihn in sehr angenehme Laune vexschte, Grodunoff * aber hatte in einer Stunde zweitausend Rubel verspielt, .ein Verlust, über welchm 'sich der Sohn des Tschatney pristaw so uckimäßig mit Champagner tröstete,, datz ein Tiner mit K „ihm. Unmöglich war" Jemilian muhte ihn der Totenkammer U ' überweisen. und ritt, ziemlich verdrießlich. allein nach der Stadt zmpick. . yBor dem deutschen Theater, neben welchem wie man V; - sich erinnern wird, da« Holst de Paris mit JemilianS ■p- Wohnung sich befand, erregte nne kleine Menschmgruppe seine lebhafteste Aufmrrksamkeit. - Ta stand KemSki, Lise Lehmann, sein Timer George und Benno Liedertivst — alle vier in offenbar sehr stfrigem Äespräch begriffen. Lise Lehpiann histt ein Tuch vor die P- Augm ujib wstnte sogar, Kemski spielte alle Gebtrdm' leb- . baftm. Erstaunen- und höchster Bestürzung, so echt wie vielleicht noch nie, und was allem Verwunderlichen die Krone uulfsetzte, Bmno Listlertrost schüttelte seinem George die Hände, : eS fehlte wenig, so umarmtm sie sich gar. > ’ Eigentlich wünschte Alexandroff jedes Zusammmtteffm . mit. dm Liedertrosts' zu vermeidm, diesmal aber überwog die Reugier seine Zurückhaltung, er ritt mit kurzem Grutz heran: .Bas giebt eS hier für eine Neuigkeit?" .Fräulein Elaudia . . ." stieß Lise hervor — *) Das: .Schluß" in »eiifer Kt. bcgag’ sich nur q»l tat 8, Lag. .i?■’ .4V. .Ah richtig, hat sie sich endlich gesundm?" - .Tatz wir sie gesundm habm, antwottete Benno, dankm wir der Jntelligmz. des Herrn George. .George, der Fräulein von Moorbach, welche, einm Besuch in der Wulka. absta.ttmd, in der Dunkelheit ihren Weg verfehlte und planlos umher» irrte, erkannte, meinen Freund KaminSki und mich unver» züglich benachrichtigend, uns auf ihre Spur 'verhalf, hat dann, nach unter erheblichen Schwierigkeiten stattfindmder Begegnung, die Dame gemeinschaftlich mit unS nach Haus geleitet." .Was Tausend fällt dem ein." dachte Alexandroff .der schnurrt ja seinen .Satz herunter wie eine aufgezogene Spiele dose"; dennoch fragte er, apathisch'wie immer: .Das ist Alles?" - .Noch dicht. Fräulein von Moorbach ist hellt in aller Morgenfrühe gestorben." . , - .Gestorben!" Jemilian sprang vom Pferd; George fühtte eiligst den Rappen ab, er mochte um nichts in der Welt jetzt das Gesicht lstnes Herrn, sehn. . .Claudia todt?" wiederholte Alexandroff erregt, .nun, ich bitte doch sehr, datz Sie. mir darüber einiges Mhere mitthstlen!" ' ' . .Ein andermal, lieber Alexaiidroff, gern, ein andermal, .KemSki, Life kommt — vergeben Sie meiner Eile, aber die Generalprobe zum Fest, Sic wissm, ich sistge heut den „Czarm." .Sie,-Sie wollen heute Abend noch singen?" „Warum nicht?" fragt; Benno gleichmüthig und fügte hinzg.: ' . .Glauben Si?, datz mack wegm Claudia'- Tod dm NammStag -tzes Großfürstin, das Fest, seine persönliche allerhöchste Auwstmheit hier, höchstselbster.Besuch der Galaoper, WohlthätigkeitSbazar und alles andere zugehörige Brimborium um drei, vier Trauerwvchen verschieben müsse? .Keineswegs. Aber, daß just Sie singen wollm! just Sie!" .Tie -schöne Claudia lebt nicht wieder agf, auch-iomn ich jetzt durch eine plötzliche Absage -die. ganze Vorstellung gefährde . . .Sie'erinnem sich vielleicht, die.Mchrheit der Juden hser erwartet bänglich einm vesoyderm Erfolg nach diesem Fest. Und ich habe Gründe noch dringlicherer. Att,'mich nach oben einzuschmeicheln, vielleicht, datz mein wunderbarer Bariton meinml Vater die Freiheit ersingt... . Lise, Kemski, .eS ist hohe Zeit. Wir sehm uns doch im Theater, lieber Jemilian? 'Die gesammte seine Gesellschaft soll eycheinen. Es wird ein sehr glänzmder Abend werden!" Er verschwand im Theaterthor, der Direktor und die Soubrette eilte, mit, und Jemilian sah ihnen'verblüfft nach. Er war empött über Bmno'S gefühllose- Betragen. Dieser junge Mensch, der daS schöne Mädchm umschwärmt hatte wie die Biene dm blühenden Liydmbaum, er tonnte an Claudia'- TodeStage singm und Komödie spielm! Claudia tot!. ~

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