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Jüdisches Familienblatt · 1894-01-01 · 29 (1894) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1894
Issue
29 (1894)
Date
1894-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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1894 Nr. 29. Herausgegeben von Dr. 21t. Hammer in Magdeburg. Jur Unterhaltung unö Belehrung für die israelitische Kamilie. > Var „ASdtsetz« ^«MillciiMtH" erscheint wöchentlich als Mrattr-Veilag« zur „Arraeliriscchen kvaechenstchrifr". Jede» ' »xbesuAtr iXadfimf am» tiefem Blatte ift antersa-t. — vie Einzelnummer kostet so Pf»- bei brr Expedition. . 7 ' Die Ausgewiesenen. . '• ©int Erzählung auS der Gegenwart. Bon L. B e r g. .14) . ' -' (Fortsetzung.) „ .Ptter Abromvwitsch!" gellte der Polizeimeistenn Stimme zu ihni hinüber. ' . ■ ' * Salmon rührte sich nicht. . .Salmon!" flüsterte Benno ihm'die-Hand ausdie Schulter legend. ' .Kommst Du auch-einmal?" . .Benno, war seit-er um den Glaubenswechsel seiner Ber» wandten wußte, dem Bruder'grollend auS dem Wege gei gangen. - Der Tod GoldchenS hatte ihn wieder hergeführt, * heut sah er wohl, daß Salmon nicht allein.um -den-Berlust deS Kindes furchtbar litt; aber ihn selbst quälte auch eine nagende Sorge.' - ... ' '.Salmon/ sagte er leise, .der Bater hat heut geschrieben." ° .Endlich. Rach sechs Wochen." - .Er hat nicht-- ausgcrichtet. Was soll nun mit dem Bater werden?". .... .Er reist vorläufig mit Dir." .So?" stagte.Benno bitter. - *, Salmon faßte krampfhaft -seine Hand. . .Mein Bruder, ' willst Du mir nicht helfen? Irgend eine Lüge findet sich wohl, die den Vater für Wochen von hier entfernen mag — wenn er dann zurücyehtt, ist der ganze Schwindel hier vergessen. Dann. soll er seinen Gewohnheiten nachleben können, wie von jeher, ich bezahle von Monat zu Mooat-die Aufetithaltskatte für ihn. „Dqs kannst Du nicht «.Ich kann eS, bald werde ich wieder. Dank den Lieferungen, mit denen man mich jetzt großmüthig bedenkt, eil» woylhabender Mann sein; Du siehst meinen Schandlohn habe .ich schon weg." < - ' ' . .Wenn nur der Bater. nichts erfährt," seufzte -Benno. . .Darum eben soll er sogleich mit »Dir fort," sagte Salmon heftig. '.Wann wird er kommen?" * . . .DaS schreibt er nicht." »Er kommt am Ende heut'?" ' - .Zch -fürchte'es." - , ist aber nicht möglich," rief. Salmon erregt- — Claudia trat zu ihiten. .Machen Sie ein Ende," bat fie ängstlich, .Helfiä hält eS nicht länger auS." - .Ja wohl ein Ende," murmelte Salmon. '.Hol' der Teufel die Polizeimeisterin! Ohne ihre Grünassen konüte die Geschichte schon worüoer sein.' - - . . tzie kam eben zu ihm Heran, .die stamme Anna Kodorowna. . ' ' . .Peter Abramowstfch, der würdige Baker Priszian, welcher celebriren sollte, ift - verhindett zu kommen, man hat daher einen andeni Popen benachrichtigt." .Sehr wohl. Es ist mir der eine genau so willkommen wie der andere." .Sie sind eine Seele, Peter Abramowitsch, wirklich eine Seele. Uebrigens kennen Sie den Popen ja rechtgut, eS ist Ihr Siachbar, der Obere der Boromäusbrüderschaft, derselbe, welcher Sie auch getauft hat — Leonid Alexanhrow." .Auch das noch," knirschte Salmon wüthend. Im selben Augenblick entstand eine Bewegung im Saal. .Ter Pope!". — Benno eilte hästig auf Gabriel zu. .Komp», mein Junge." Der Kleine ließ sich willig von seinem alten Spielkameraden aufnehmen, Benno sühtte chn hinauf in das obere Stockwerk, wo er und sein Vater wohnten, -und schloß sich mit dem Kinde für einige Zeit ein; so lange Leonid Alexandroff da .unten »peilte, brachte ihn. keine Macht der Erde wieder zurück. Desto begieriger war. Claudia den Bruder Jemilians zu sehen und ihn mit Alexandroff, der in diskret corrckter Haltung unter der Ttauerversammknng stand, zu vergleichen.. Beim Eintritt des Popen und seiner Diatschok sanken die Polizeimeisterin und viele andere der Dame« deinüthig in die Knie, die Männer bekreuzten sich. ' .Gieb mir Deinen Arm, Claudia." .Was hast Du? Du zitterst!- .Der Weihrauchduft — mir wird so -übel —" ' Der Pope besprengte den Sarg, die Leiche and das Heilig«» bild mit geweihtem Wasser,' murmelte eine Reih« von Gebete» .in welche die Anwesenden -zum Schluß mit dem eintönigen — Hospobi — hospobi-— der Liturgie einstimmten, und nun nähette sich der Pope Helsiä, über ihrer Stim das Kreuz' zu schlagen. Claudia betrachtete ihn aufmerksam. Nicht der Schatten > einer Aehnlichkeit zwischen den Bytdern. Leonid Alexandroff war frfjt' klein, selbst bi<? überaus hohe Mütze und der'schleppende Tälar verlängetten kaum seine Puppenfigur. Er hatte auch ein Puppengesicht, -auffallend hübsch, den Mund eine- Mädchms, mst schneeweißen, spitzen Zähnen, fast drollig' wirste d'er wohlgepfiegte, goldblonde Backenbart. Auch sein' Haupthaar quoll unter der Sammetmütze goldblond und lockig hervor,' die ganze Erscheinung des kaum fündund» zwanziajähttgen Jüngling'« fiel durch ihre besondere. Zierlich» feit und eine gewisse, geschmackvolle Koketterie jedem Frmchm angenehm in's Auge, .Claudid war sehr überrascht, in dem jungen Geistlich«, der als .verrätherischeS Scheusal •>— als undankbarer Schurke" im Hause Liedettrost so glühend gehaßt' wurde, einen ganz hübschen Menschen mit angenehmer, weicher Stimme zu finden; «nsttejtig ein allerliebster kleiner Beau im Priesterrock, der sicher alls Weiblein auf seiner Seite hatte. ' ' ■' Er schien zu erwqrten, daß Frau Liedettrost, die ihn durch ihre stattliche Körperlänge txxit überragte, sich vor ihm verneigen würde und sah mst verstecktem Lächeln-zu ihr ans. - . « . . * * « ^.*,*<*. Art- { O .

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