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Jüdisches Familienblatt · 1894-01-01 · 28 (1894) · p. Seite 112

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Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1894
Issue
28 (1894)
Date
1894-01-01
Page
Seite 112 (sequence 4)
Language
German
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Sirtr ii 8ritt )r§ fnfffir h I. Biliin 8i|rr, am 30. Juni 1894, zu Erfurt gesprochen von Dr. ». Pick. Hochgeehrter Herr Direktor, werthe HH. Kollegen, junge Freunde! Seitens der beiden Kollegien der hiesigen Syuagogen- Gemeinde ist mir der ehrenvolle Auftrag geworden, an dieser Stelle einige Worte der Begrüßung für Sir, einige Worte des Gedächtnisses für den hier Schlummernden zu sprechen. Tie Pietät hat Sie hierher geführt an das Grab des Professors Dr. Unger, die Anhänglichkeit an den ältesten Lehrer Ihrer Anstalt, an den Mann, der vor einem halben Jahrhundert schaffenssteudig und demütig in Gott an der Seite seiner Amtsgcnossen einzog in die stolzen Hallen, deren Begründung der Traum, die Arbeit seiner besten Lebensjahre gewesen war. Wie er stets treu in seinem Amrr bcsunl>en morden ist, wie er sich dir Liebe und Hochachtung seiner Kollegen und Schüler in seltenem Grade erworben hat, das ist von bewährten Zeitgenossen anerkannt dokumentarisch festgestellt das wissen diejenigen von Ihnen selbst am besten, die daS Glück gehabt haben, dem Manne im Leben nahe zu stehen. Aber auch uns selbst! unserer kleinen Glaubensgemeinschaft, hot er diese Treue bewährt. Er vereinigte die Erfurter Israeliten zu einem festen, für sie und für die Stadtgcmeinde nützlichen Verbände. Er ries die hiesige Synagogengemeinde in's Leben, indem er für die hier vereinigt lebenden Glaubensgenossen iin Jahre 1811 das Syndikat übernahm, im folgenden Jahre — unterm 29. April 1812 — die Genehmigung der Finanz- und Domainenkammer zur Bildung einer kirchlichen Gemeinde erwirkte und das Borsteheramt derselben bis zum Jahre 183ö führte. — Ihm dem einstigen Universitäts-Docenten, der mit rastlosem Geiste die Tiefen seiner Wissenschaft durchforscht und manchen schönen Fund daraus gehoben, ihm winkte oft genug ein glänzenderes Loos, als dem Manne bei uns zu Theil geworden, wenn er sich hätte entschließen können, den väterlichen Glauben aufzugeben. »Doch in Glaubenssachen entscheidet allein" — so lautet ein Ausspruch aus hohem Munde, — »die innere Urberzeugung", und da unser Landsmann sich in seinem alten Glauben glücklich fühlte, da ihn dieser auch befähigte, alle seine Schüler, ja, alle seine Mitmenschen mit gleicher LiÄbe zu umfassen, so hätte er sein Wesen verleugnet, wenn er sich um äußerer Botteile willen vom Glauben seiner Jugend abgewendet hätte. So ist es denn gekommen, daß Sie sein Grab hier auffuchen mußten, — fern von dem großen öffentlichen Friedhöfe, fern von den Ruhestätten der gelehrten Mitarbeiter Ungers. Und dafür danke ich Ihnen aufrichtig im Namen meiner Glaubensgenossen! Hiermit komme ich zugleich von dem, was uns trennt, zu dem, was uns vereint. Wir alle kehren einstmals zum Staube zurück, aus dem uns Gott, der Allmächtige, für eine kurze Spanne Zeit ins Dasein gerufen hat, und keinen köstlicheren Gewinn kann einem jeden von uns die Arbeit feines Lebens einttagen, als daß man ihm an seinem Grabe das nachrühme, was wir dem hier Ruhenden heute nachrühmen müssen, — daß er in dem, was ihm zu thun oblag, allzest gegen Gott und Mitmenschen redlich und treu befunden worden ist. Wenn wir jetzt eine Spende der Dankbackeit auf dies« Hügel niederlegen, so hege ich die Hoffnung, daß die ernste Feier, mit der Sie den Tag des Jubiläums Ihrer Anstalt beginnen, die hier anwesenden jugendlichen Gemüter nicht Niederdrücken werde, daß diese vielmehr eingedenk sein werden der Worte des Altmeisters Göthe: »Des Tode; rührendes Bild steht Nicht als Schrecken dem Weisen und nicht als Ende dem Frommen I Jenen drängt es ins Leben zurück und lehret ihn Handel»; Diesem stärkt es zu kräftigem Heil im Trübsal die Hoffnung; Beiden wird zum Lebe» der Tod." Daß auch Ihnen und Ihrer Anstalt und uns allen ‘ dieser so ernst angefangene Tag ei» Tag des Leben- und de». Segens und der Anfang einer schöne», friedlichen Periode werde, — das walte Gott! Amen! Her letzte Uaddifch. Warum weihen wir verklärten - Diese» Liede» ernsten Laut, Wenn di« Lobten, die verehrten, Schon da» Lwige erschaut? Weil geheiligt und gepriesen' Wird de» Himmel» hehrer «Duell, Süßer Frjedr wird erwiesen, Fließt vom Himmel rein und hell. Und der Fried«, ein Gedanke, Zittert über Gräber fort, Hat am Grabe nicht di^ Schrank«, Gott-ist Fried«, Zeit und Vtt. , Ewig ist de» Himmel» Wesen, "Nach dem unser Weltall strebt. Vicht vergehen und verwesen . Vars wa» diesem Wesen lebt. Da» ist Trost für un» im Leiden, Lieb«, Hosf.nüng un» zugleich, wenn die Besten von un» scheiden Lingeh'n in de» Himmel» Reich. Ach, rin Jahr nun schon erdebet Diese» Lied im Herzen ttraut. Der letzte Raddisch un» erhebet: Heil dem, der aus Sott vertraut. Bi» zum Grab« nie verhallen . . ' Wird de» Glauben» heil'ger Ton. Wird der Werkruf einst erschallen, Leben strömt vom Himmelrchron j , Dr. S. Nascher. Aus dem Lpruchschatz des Talmuds. poetisch übertragen von Max Weinberg, Var Weibervolk, von Loa bizur Stundei In derselben Sekunde ' . Schnurrt'» FLdchen > Am Rädchen . Und da» Zünglein im Mund«. . . <*•*!]. 14.) Mancher wollt' »» nur versuchen, Und hat 'ne Unthat mehr zu-buchen. sS^nhoäri» 107.) J Fama erzählt, daß einst im 'Mederland * Rameele tanzten aus Becherrrand. , (ledawotst 4b.) ' Al» einst ein Weiser ein Weib'genommen, Da ist ein Narr zu ihm gekommen, Und sprach: warum — du bist doch-weise Nimmst du noch Ballast mit auf di« Reise? Weil, sprach der, Lrdrnlast und Plagen Zwei immer.leichter als'Liner tragen. war« J«»h»lt, Die AuSaewIefeneu. Eine Erzählung aus der Elegenvon L. Berg. — Stu Erfurter Shreubür, erbries. Bo« Dr. «lbert Pjck-Erstick, — Warte am «rabe deSPrafeffarve.». Gal»«»» Unger. am so. Juni 1894, zu Erfurt gesprochen von Dr.'gl. Pick. — Der letzte «addtfch von Dr. 6. Nascher. — «ns km Spttlchschätz des Talmud. Poetisch übertragen von likax Brramwortl. Redakteur Dr. M. Rahmer, Druck Leipner k Drews», «erlag Walther »i««au«, s»-«tsich in »agbsbmg

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