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Jüdisches Familienblatt · 1894-01-01 · 26 (1894) · p. Seite 104

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Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1894
Issue
26 (1894)
Date
1894-01-01
Page
Seite 104 (sequence 4)
Language
German
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„Aber wann wird Gott sich endlich unser erbarmen und seine sttafende Hand von nehmen?" — wendete das weinende Weib ein und ttocknetr mit der Schürze die noch immer thronenden Augen. „Habe nur Tu selbst Erbarmen mit Dir," — erwiderte Rüben bewegt — „und gieb Dich nicht der Verzweiflung hin. — Weh mir! Wenn ich Tich anschaue, möchte ich vor Schmerz aufschreie». Du warst das schönste Mädchen in der Stadt, und jetzt — o, mir bricht mein Herz, doch ich weine nicht und Nage nicht; denn ich fürchte, ich könnte mich versündigten." „Und Tu? und Du?" unterbrach ihn Rahel — „Wie siehst Tu aus! Weh mir! Rüben Gibbor*) nannte man Dich, und jetzt gehst Tu gebeugt umher, wie ein Greis mit bleichem Antlitz und ausdruckslosen Augen, aus. denen nicht mehr Mannesmuth und Manneskrafl, sondern höchstens nur noch Lebensüberdruß und Verzweiflung traurig in die Welt Hineinblicken. Ich weiß. Tu leidest. Tu bist krank, nur Tu' verhehlst es mir, iveil Tu fürchtest, ich werde mich grämen, ich werde mich. ängstigen £), Gott! Gott! Wie hast Tu mich gestraft!" Tie Kinder wurde» wach, sahen sich nach den Eltern um und als sie sie ai» Ofen sitzend gewahrten, begannen sie klagenden Tones laut zu rufen: „Wir haben Hunger!" Rüben ging an das Bette heran, liebkoste die Kinder und sagte alsdann mit etwas strengem Tvne: „Was Kinderchen! Ihr habt Hunger! Heute wollt Ihr essen!" Die Kinder erhoben verwundert die Köpfchen urtb sahen fragend den Vater a». „Heute ist doch ein F—n — ft—t — a —g" — fuhr Rubca mit zitternder Stimme sott und sei» Gesicht wurde noch blässer. „Wie heißt den» der heutige Fasttag?". srug das älteste Kind, ein hübscher blondhaariger Knabe, verwundert. Rüben sah einen Augenblick zum Fußboden hinab, als suchte er etwas, daun aber richtete er sich aus und erzählte ihnen: „Heute Morgen beim Gottesdieilst ist die-Thora**) vom Almemor auf die Erde heruntergefallen. Wenn ein solcher Fall sich ereignet, so schreibt das Gesetz ein allgenieines Fasten vor, und so hat unser-Rabbiner den morgigen Tag' als Fasttag crklätt und die Bestimmung getroffen, daß die ganze Gemeinde, Groß und Klei», Alt und Jung didsen Tag als einen strengen Fasttag, wie den neunten Ab und den Bersöhnungstag, von heute Abe.id bis morgen Abend.begehen soll." — Tie Kinder richteten sich im Liette hoch auf. Ihre abgemagettrn, motten Gesichter wurden Heller, freundlicher, und als hätte sie der Hunger nie gequält riesen sie nun fast übermütig: „Vater! Wir wollen auch fasten, ich auch, ich auch—" Rüben drehte die Lampe herunter, damit die Kinder nicht sehen sollten, wie die Mutter weinte. „Schlafet, schlafet, Kinderchen" — mahnte Rüben die sich nun lebhaft unterhaltenden Kinder, ivelche aus Freude darüber, daß auch sie heute fasten dürfen, ei» Liedchen zu singen anfingen — „schlafet, an diesem Fasttag darf man auch nicht fingen." Die Kinder gehorchten, und von Hunger und Matttgkeit übermannt waren sie auch bald in einen süßen Schlaf vnfallen. Rur der älteste Knabe war noch wach geblieben. — „Vater!" — rief er nach einigen Minuten — „Wann werde ich Barmizwah?***) „In fünf Jahren erst, mein Kind," lautete die Antwott. „Wirst Tu mir dann auch Tefilin^) kaufen?" ' •) Ter Riese. **) SesepeSrolle. ***) »»gesegnet; wörtlich: SeseheSpsiichtig. ■f) flktarKmtn. „Gewiß mein Kind." „Und ein Tefilinbeutelchen mit einem goldenen Sterne Davids?" '„Natürlich, auch das sollst Du haben." „Und auch ein Gebetbuch mit Goldschnitt?" „Alles, alles," — rief der Vater, und trocknete mit dem Rockärmcl eine aus den Augen sich gewaltsam bahnbrechende Thräne, — „alles will ich Dir kaufen, nur schlafe jetzt." Der Knabe aber fuhr sott: „Tann, Vater, dann will ich auch ein recht frommer Jude sein und alle Fasttage inne halten." „Ja, mein Kind,".— sagte der Vater, ihn liebkosend — „ein frommer'Jude muß auch alle vorgeschrirbenen Fasttage halten, doch vor so einen Fasttag, wie der heutige, möge' der liebe Gott Dich und-uns alle beschützen." Das hkutigk Jerusalem. Der jetzige englische Konsul in Jerusalem giedt i» einem Berichte 'an seine Regierung einige interessante.Mitt Heilungen über die heutige Beschaffenheit »er Stadt. Danach hat Jerusalem ' weit hinaus über die alten Grenzen an Umsang zngenommeit, und in der nächsten Rachdarschast wird unausgesetzt stark gebaut. Auf der Westseite haben die Häuser sich so rasch vermehrt, daß an der Stelle, wo sich früher Feld und Weinberge befanden, rin« ausgedehnte Vorstadt entstanden ist. Jedes nur zu erlangende. Stück Land wird von Privatpersonen oder von wohlthätige» Gesellschaften und Missionen gekauft, so daß der Rdnic »Ncp-Jerusalein- ' den, genannten Viertel: beigelegt worden ist. Im vergangenen Jahre wurde der erste Bolksgarten außerhalb des Jaffa-Thorrvollendet. Ter Handel der Stadt ist im allgemeinen im. Wachsen begriffen, jo namentlich in Jaffa Orangen. Oliven-Holzardeiten Und Olivenöl. Die Ausfuhr von Koloquinten ließ nach, weil die Behörden einen zu dohen Zoll aus diesen Artikel legten. Kolvquinten werden von de» Arabern in -der Nähe von Gaza gesammelt, woselbst sie-wild wachsen. « Ei» interessantes Unternehme» hat kürzlich begonnen,.welches darin besteht, das aus der Oberfläche des Tobten MeereS. schwimmende Erdpech zu sammeln. Zwei Segelboote wurden mittelst Eisenbahn von Jaffa nach Jerusalem gebracht und dann auf Wagen bis zum Jordan befördert! Darauf fuhren die Boote den Jordan hinunter und in das Tobte Meer, um da« Erdpech aufzufischeu, welches von enropäffchen Händlern sehr gut bezahlt wird. D<x Konsul glaubt, daß es für den Handel sehr vortheilhaft sein müßte, wenn eine Hampfsähre und niehrrre »kleinere Boote das Tobte Meer ständig befahren würden, um die Erzeugnisse MoadS herüberjuschaffen. Diese Landschaft sei reich an Getreide, Früchten und Vieh. Zur Zeit werden diese Erzeug- - zeugniffc durch Karawanen um die Nord- und Süospitze des Meere« herumgeführt, wodurch rin Zeitverlust von vier dis fünf Tagen entsteht. . - t)oi« der Laiidstrcitze des Lebens. . Bon Max Weinberg. Oft*4tnuf »rrtotrtt.) Du fragst in Unglück, Leid und Tod: Waruui schickt Soli mir diese Roth'? Voll Milde giebi Dir Sott iui Stück Dein thöricht Fragen nicht zurück. Wenn Leid erst Lieder hat und Wort Ist schon sein herbster Stachel fort, Doch eh' man'« singen kann und sagen,, Ta ist ein Leid oft schwer ^u trage». 2«hal», Die «»»gbmiesnin^ rin» «rzähtnug au« der «ege», wart von L. Berg. — Ei» gflfttaft. «im Erzählung «,« dem jüdischen Bolksleben von »lbhrt ti|.— Du« tranr Ierusstem Lmihfträtzr M Lebe»«. Dm SU< «Zuber, ' ' ' *4 "-'U?'-. - ‘

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