Jüdisches Familienblatt
- Journal
- Jüdisches Familienblatt
- Volume
- 1894
- Issue
- 26 (1894)
- Date
- 1894-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Jüdlsches Herausgegeben von Dr. M. Hammer in Magdeburg. Hur Unterhaltung und Belehrung für öie israelitische Kamilie. •l*T p1 ' Bas ^«Miliniblatt" erscheint wöchentlich als Mratts veilagc zur „3»ra«liH(fcpOi w»«che<»i«chrtst^'. }«♦«!%■! Ha^tnid an* ttese» Statt* ift »ntersagt. — Die Einzelnummer kostet |0 p(0. bei der Expedition. u] Die Ausgewiesenen. Eine Erzählung auS der Gegenwart. Bon L. Berg. . —- <F»rtsetzung.) »Wir wollen nicht mehr singen," sagte Benno und legte äbtt Noten fort. „@tt sind nicht bei Stimme, Sie haben ^Wkopfweh, Claudia." »Sie können ehrlich heraus, »Herzweh" sagen, lieber ^Wreund," antwortete Claudia seufzend. „Ach die Menschen, Amt ich lieb habe, machen mir die meiste Noch." I' »Sie vermissen Alexandroff," fragte Benno argwöhnisch... Ui »Wir wollen von ihm nicht reden," entgegnete Claudia, <nd eine lebhaftere Farbe ihr liebliches Antlitz erröthete. ^»Eie; lieber Benno, sind es vornehmlich, der mir Kummer acht." .Jch?" »Jawohl Sie. Spielen Sie nur den Erstaunten. Sie st. Haben sie mir nicht, seit ich hier bin, viele schöne »nden Ihrer Zeit gewidmet? Aber seit einer Woche ver- Mrzen Sie mich. Sie haben geheime Zusammenkünfte mit 7 andrm . . Wäre eS eine Dame, würde ich diese Vernach- ^lüfsigung Ihnen verzeihen »Sie verletzen mich, Claudia." ^.Sie sollten mich lieber beruhigen, statt mir zu grollen." »Um mich sorgen Sie, Claudia,, im Ernst?" fragte ertlich. »Was soll ich thun, um meine geliebte Freundin 'zu.beruhigen?» »Versprechen- Sie mir- Ihren Verkehr mit Herrn von : Kaminski einzustellen." »Rein. Das werde ich nicht versprechen." Er sprang ästig auf. »O diese Frauen! Auch das letzte Geheimniß socken sie einem aus der Brust . . . Woher wissen Sie, daß mit Kaminski verkehre?" »Weil der Name diese- Herrn fortwährend auf Ihren ist, weil ich jüngst in den Liebem, welche Sie mir i>, ein offne- Billet fand, worin Herr von Kaminski auffordert ihm gewisse Papiere zu verwahren . . o mein itt, Benno, Sie sind uoch so jung, so unbedacht und dieser Alexandroff sagte von ihm, der sterb» bestimmt in irien. »Alexandroff sagt," rief Benno höhnisch — »ja freilich Alexandrofsts Weisheit, muß man schwören. Der kümmere ferner nur um keinen Andem, als um sich selbst. Ich bin kein feigherziger Egoist wie er, der sein Volk in sieht, ohne-eine Hand zu rührm chm aufzuhelfm . . ^peuu wir Juden ^lur uns selbst befrei« wollten, es sind die zü unS steh«, weil sie gleiche- Leid ertrag«, mnn-ki, der selbst emew >mterdrückt«, uiedergetretmem ae augehhrt, er fühlt für «ns, leidet mit «uß; denn seine Feinde sind unsere Bedränger, unsere Tyrannm sind zugleich die Würger seiner unglücklichen Nation." »So hat mein Herz doch recht geahnt," sprach Claudia bekümmert. »Ach mein Freund ich fürchte, daß man Sie mit all den begeistert« schönen Träumen von Freiheit und Erlösung nur in eine Wüste voll Jrrthümrr verlocken wird; — und Sie halten den Sonnenglanz auf dem Sande für das Wasser des Heils. Nehmen sie sich in Acht, jener Pole ist gewiß ein Patriot, aber kann auch Ihr Kämpfen wohl ein gemeinsames sein, um deswillen er in Ihnen den Glauben an sein« Eifer, sein Mitgefühl für Ihren Schmerz erweckt, Ihre Sache kann niemals die seine werden. Und ich sehe nur allzunahe die Gefahr voraus, welche dieses Bündnis für Sie in sich schließt." »Sollte man es glauben, daß diese schönen klaren Augen so schwarze Gespenster sehen?" »Sie spotten meiner, aber die unbestimmte Angst, die mir das Herz zusammenschnürt, nehmen sie mir nicht hinweg. ES geht etwas vor — etwas Unheimliches, Furchtbares für Sie Alle — wahrhaftig, ich glaube, ich habe Unheil in Ihr Haus gebracht." »Sie? Claudia! Sie haben Glanz und Schönheit zu uns gebracht," rief er feurig. »Nein, das ist nicht wahr! Gewahren Sie nicht, daß der Glanz Ihres Hauses sich verdunkelt? Daß Ihr Vater, Ihr Bruder, selbst Helsia dahergehn, wie von schwerstem Leid gedrückt? Ich habe Helsia noch niemals so still und so viel weinen gesehn. Gestern faßte ich mir ein Herz und staqte, was sie quäle. Sie habe einen Streit mit ihrem Manne gehabt, antwortete sie mir. Aber ich glaube ihr nicht, über einen Streit würde Helsia nicht weinen." »Gewiß nicht." — Besoraniß steckt an. Er wurde fast unruhig, Claudia war keine überängstliche Thörin, sin beobachtete klar und scharf. Allerdings, sein Bruder, seine Schwägerin waren ihm selbst seit einiger Zeit recht verändert erschienen, als verschwiegen sie wie auf Verabredung Jedes eine geheime Sorge. »Wir können ja Helsia stagen," sagte Benno laut, »sofort, auf der Stelle."' .Helsia ist gar nicht da. Vor zwei Stunden ift sie mit Mann und ihren Kindern auSaefahren." »Run also!" rief Benno erleichtert aus, »wenn man spazieren fährt, durchlebt man doch keine erschütternden Ereignisse. Obendrein finde ich es höchst unhöflich, daß Helsia Sie allein hier zurücklieb!" »Und ich finde es viel mehr ungewöhnlich, ja besörgniß. erregend, gab Claudia zurück. , »Das war keine Spazierfahrt. Sie kam mir Adieu zu sagen und murmelte dabei etwas von Besorgungen, unaufschiebbaren Geschäften. Ich geleitete sie bizur Treppe, wo Ihr Bruder mit dem klemm Gabriel und Goldchm sie er» •- <7,- ' . . jtflftküU. Vif!-»