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Jüdisches Familienblatt · 1894-01-01 · 25 (1894) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1894
Issue
25 (1894)
Date
1894-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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tzerausgegeben von Br. M. Rahwrer in Magdeburg. §tir Nnterhaltung und Arlrhrung für die israrlitifche Kamilir. Das erscheint, wöchentlich al» G»«tt»^»«U«O« z»r „-»»«etttttche« rvaetzenfchett^. V*« ttatofNft* 7l»dftmet «m» »tese» Slot*« ift «Nters«,t. — vi» Einzelnummer kostet 1« Pf». bei der Expedition. ' . Die Ausgewiesenen. Eine Erzählung auS der Gegenwart. Bon L Berg. 10J - (Fortsetzung.) »Salmon, Salmon!" Frau Helfia eilte mit hochrothcn - Wangen herbei. . iSfcwn, Du läßt sofort anspannen und nach dem Luxus- HLndler in der Wulka schicken; die Liste mit den Lottillon- Überraschungen ist total zerschlagen worden." »Aber Lind', Muß das sein? Hatten wir nicht Uebcrraschungen vollauf? Ahnst Du, was der heutige Abend kosten wird?" »Ach, sei nicht langweilig, Mann. Was liegt an hundert Rudeln weniger oder mehr? U::b schaffe mir Alexaudroff herbei,, es fehlt zum Contrc ein Vi» k Vi, " Im nächsten Augenblick sah mau sie wieder wie eine Leuchtgarbe mitten im Trubel der Tanzenden hin und her fahren. »Hundert Rubel weniger oder mehr!" seufzte Salmon. »Und diese« große Lind soll daS Darben lernen!" Lr fand Jemilian im Spielzimmer. Der schlug die Aufforderung rundweg ab. »Tanzen soll ich? Conttetanzen! Eh— bin ich ein Student? Nein, mein teurer Freund! Entschuldigen Sie mich! Lügen Sie für mich, ich habe Lopfweh, die Musik macht mich nervös." Die Wahcheit war, Alexaudroff wollte einem ferner« Zusammensein mit Claudia auS dem Wege gehn. Er war rhr böse, daß sie vor aller Welt um ihn gezittert, ja ihn beinahe kompromittiert hatte. Zum Teufel, die Neigung solcher MädelS ist unheimlich konservativ, sagte er sich. Hübsch ist diese Claudia, sehr hübsch, aber sie ist in mich verliebt. Zu viel Liebe und zu wenig Geld." Sr empfahl fick sehr zeitig. Sobald wollte er daS HauS Liederttost nicht wieder besuchen. Unterdessen batten ihn ein paar blaue Augen sehnsüchtig an allen urcken des SaaleS gesucht. »Ist es wahr, Herr Alexaudroff ist krank?" stagte Claudia leise. »Rein," erwiedette Benno hart, .das lügt er von Grund au,." Im nächsten Augenblick bereute er seine HestjMt, Claudia'« Augen hatten sich mit Thränen gefüllt. »Verzeihmlg", murmelte Benno, ,o verzeihen Sie mir." Er küßte ihre gitternden Hände und flüsterte ttef bewegt: »Wein« Sie nicht um ihn, ich kann e< nicht erttagen. Ich glaube, seit heute Haffe ich diesen Jemilian. Und Sie, Sie haben Schuld daran. Sagte ich nicht, Eie hätten einen Fehler, Claudia?... Wohl, v», viel zu gut. Und die reine Güte ist ~ Wir Menschen find sie mchr atMfln! E Fünftes Lapitel.' Gs geht bergab. Der alte Abrabam hatte nach Watschau fahren wollen eine Audienz beim Generalgouverneur zu Gunsten der. deutschen Glaubensgenossenuachzusuchen, und zwei andere Vorsteher der Gemeinde hatten die Absicht ihn zu begleitm. Die Reise mußte aufgeschoben werden, es ward Liederttost jetzt unmöglich die Stadt.zu verlassen. Ganze Schwärine von jüdischen Durchzüglern trafen-ein — getrieben aus allen Theilen 'der russischen Reiches — hungernd — zerlumpt — krank — lagerten.sie auf freiem Felde. Abraham lief an alle Thür«, bat, bettelte für die unglücklichen Geschöpfe, erpreßte Summen von Freunden und Bekannten und gab sich selbst halb arm, um den unglücklichen Geschöpf« vor allem ein Wnlcheii Obdach und geringe Wegzehrung zu verschaffen. Alle, selbst die Aermsten unter ihnen wollten sie nach Amerika! Fast war es ein Glück für den alten H.irp, daß sein Lopf jetzt vollauf mit ftemdeu Sorgen beladen war, so sah er wenigstens das Unheil nicht, das an seinem eigenen Herd sich herangeschlichen, und wie eine garsttge Riesenspina: alle Freuden, die bisher gleich hübschen, bunten Schmetterlingen in seinem Hause umhcrgeflattctt, langsam aus» sog und rötete. ES war eine schwere, hatte Demütigung für Salmon. da er sich nach vielleicht zwei, drei Wochen entschloß zu Jemilian zu gehen und bei ihm, ttotz allen schmerzlichen und widcrwättigen Bedingungen die Erfüllung des versprochene» Darlchns nachzusuchen. Leider schien Alexaudroff diesmal viel weniger entgegenkommend und hülfSbcreit. »Habe ich Sie nicht gewarnt, daß Ihr — Pardon — lächerliches Zögern Sie zu Schaden bringen würde?" sagte er kalt. »Sie hätten wissen müssen, lieber Liederttost, daß meine Voraussetzungen noch stets sich zu bewahrheiten pflegten. Da habm wir das Verbot für deutsche Juden Grund und Boden zu besitzen!" »Aber mein Gott," nes Salmon, »eine solche Verordnung entsteht doch nicht im Handumdrehen . . ." »Pr&wda rvmkaja. Was wollen Sie? Uebrigens das Gesetz war immer da," entgegntte Alexaudroff, nur seine Wiednauwendung ist daS Neue an der Sache. Das Verdienst dieser Ueberraschung gebühtt unscrm Freund Grodunoff, die Verdienste als Häusermakler dabei genußt er noch extra. Sie begreifen wie viel Ihre Grundstücke nun cntwetthet sin) — Man kauft jetzt Häuser wie madige Pflaumen, wer drei Scheffel davon nimmt, kriegt den Aerger dazu." »Mein Wohnhaus kann ich überhaupt nicht verkaufen." »So. Und warum nicht?" »Weil es laut Testamentbeschluß meines Großvaters Fideicommiß ist." .Was?" Jemilian sprang io die Höhe; und da« höre ich hätte zu» erfreu Aal!"

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