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Jüdisches Familienblatt · 1894-01-01 · 24 (1894) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1894
Issue
24 (1894)
Date
1894-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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1894 Nr. 24: Jüdisches t)crausgegeben von Dr. 21t. Hammer in Magdeburg. Jur Unlkrhallung und Belehrung für die israelitische Uamilie II va» „ZKbssch« FamUlenblatt" erscheint wöchentlich al, ffrari«.8<ifa0C zur „Zaraetitlsehea wochenschrttt". Zeder wabisage« rraehtdvack am» »lesen« Slatte ist ANteriag«. — Die Einzelnummer kostet i« Hsg. bei der Lrpedition. Die Ausgewiesenen. Eine Erzählung aus der Gegenwart. von L. Berg. dl ' - (Fortsetzung.) »Nie! nie!" rief Salmon, zitternd vor Zoni. „Sagen Sie Ihrem Bruder ..„Daß Sie ihn todtschlagen werden, wo . Sie ihn finden. Ich weiß, ich weiß.. Seien Sie ruhig, Leo wird weder Ihnen noch Ihrem Bruder je zu begegnen suchen. »Und daß er Ihrem Bater nicht als reveunnt unter die Augen tritt —" * „Ich würd'S ihm nicht rathcn," rief Salmon mit verbissener Wuth. „Briygen Sie ihn -lieber nickt um," fuhr Alexandrvff trocken fort, „ich bin nicht sein Erve, Sie erweisen mir keinen Gefallen damit. Im Gegentheil. Leo'S bischen Christenthum ist eine'sehr schätzbare Reklame für mein Geschäft. Grundbesitz erwerben ohne diesen orthodoxen Strohmann ist heut zu Tage, selbst für mich, den Ejngebornen in Polen, bald unmöglich; also kurz: entweder Sie gehen auf mein Anerbieten ein, oder . . . ." ' „Ich lehne eS dankend ab," ergänzte Salmon sarkastisch. ' „Rein! nein! Lieber darben mit Weib und Kind. Ich kann verdursten, aber aus schmutziger Quelle' trinken — nie! nie! Ich nehme keine Hilfe von diesem .Schuft.' Alexandrvff ward e» unbehaglich. „Sie nehmen nickt sein Geld,, brummte er verdrießlich, > „sondern das meine." „Aber sein Name muß auS dem Spiel," rief Salmon hastig, „er hat uns betrogest, meinen Bater, der ihn geliebt - hat, wie sein eigene» Kind." „Sie werden sentimental, mein Freund, auf diesem Gebiet muß ich fteilich die Segel streichest. .WaS-hat der Junge so Furchtbares begangen! Er ging seinem Botteil nach; wenn -da», betrügen heißt, sind acht Zehntel der Menschen Betrüger, - und' der Rest wird. eS werden. Lassen Sie also die pompejanischcn Ausgrabungen — darben mit Weib und Kind!" Jemilian lachte laut auf. „O ja, Fleisch und Brot würde Frau Helsio entbehren können, Confekt schon weniger. Nichts '■ für ungut, mein Lieber. Mein Vorschlag ist correkt und annehmbar. Willigen sie ein, schnell; heut noch, wer weiß — morgen können Sie'» nicht mehr. Pardon — ich höre Fräulein von Moorbach singen — das sind Benno's Lieder — da muß ich dabei sein." Er schlag die Pvttiöre, die daS Spielzimmer vom!faal trennte, blieb aber am Eingang stehe», der hatte sich in den Saal gedrängt, unmöglich durch die Menge einen Weg bahnen, ohne zugleich durch ein Geräusch den Gesang wie die Andacht der Zuhörer zu stören. Claudia'» Stimme war statt und übervoll — man fühlte, diese gewaltigen erschütternden Töne quollen aus einer glücklosen, liebesehnenden Menschenbrust; und wie sich Benno'S weicher, dunkler Banton leise, saust, dann immer glühender, leidenschaftlicher ihr gesellte, da zerschmolz der Klang dieser goldig hellen Frauenstimme und der gluthdurchzittette Gesang deS Jünglings zu einem einzigen, gewaltigen, hohen Liede deS LeidenS. Dazu die melancholisch, sanfte Weise, in der die polnischen Melodiken dahinsttömen, die klagende Musik eines unterdrückten Volkes. — Rings int Saal lastete die Gewalt dieses schwermüttgen Zaubers auf jedem Gemüth. Tie Männer standen ergriffen — die Frauen weinten. „Mein Hailpl ist krank, Mein ganze« Herz ein Weh, Und mein Gelang Rur Tchmerzentlaut und Klagen . . . Wer meine Thräne» sammeln wollt und tragen. Er schrie, daß er an dieser Last vergeh'. All meine Tage Rot und Schmerzen nun — Verdruß und Qual zur Arbeit mir gegeben — Und selbst de« Nacht«, ach! kann mein Herz nicht ruh'n, Warum! wanim, ach soll ich leben? Schwarze Augen/ schwarze Auge», Wanim heut von Thräne» »aß? Holde Lippen, holde Lippen, Wanim lächelt Ihr so blaß? Lab Tein Trauern, laß Tein »lagen, Will Dich küssen, braune Maid, Zienilich süße« Won Dir sagen — Bring' Dir Perlen und Geschmeid, Bring' Dir Ketten, gvldne Spangen, Perlen in Tein dunkle« Haar — Und mein Arm will Tich nmsangen, Dich beschützen in Gefahr. Nicht mir, nicht mir reich' Teincr Perlen Pracht; Tenn meine Locken ließ der Schmerz ergraue» — Gieb die Juwelen einem Weib, da« lacht, Biel Thräne» nur gebühren Juda'« Frauen. Der Dränger naht! ikr. der mein Volk verdirbt — Die Frevelthat — Herr, wird sie niemal J enden? verkauft sind wir, gewürgt von Mörderhändeu, Dein Volk, Herr, da« für Deinen Namen stirbt! „Gott erbarme Dich!" Bor AlexandroffS Füßen fielen Steine wie Kindettöpfe so groß — mit gellendem Schrei stürzte Claudia auf ihn zu; aber Niemand hatte Zeit, sich um ihre verräthettsche Besorgnitz zu kümmern. 0 JD

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