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Jüdisches Familienblatt · 1894-01-01 · 23 (1894) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1894
Issue
23 (1894)
Date
1894-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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herausgegeben von Dr. Ul. Jta^nwr in Magdeburg. . Hur Nnterhaltung unö Kelehrung für öie israelitische Kamille. ‘ Da» „IS»t««h« erscheint wöchentlich al, «ratt».vetla,e zur ,)»e«»»i»tsch,r« wechrnsehrtst--. Jede» tladfkmit a», M«f«w 9l«Hc ist »n«ers«-t. — vie Linzelnummer kostet so pfg. bei der Lrprdition. Die.Ausgewiesenen. Eine Erzählung aus der Gegenwart . . . Bon T. Berg. - ‘ .- (Fortsetzung.) - »Wann sprechen -Sie das Fxäulein? Wo?", fragte erstaunt fcor Russe 'Herrn Jemilian Alerandroff. »Wann? Fünfzig Minutm nach zehn. Wo? Souper bei Solomon Liedertrost, wo man sie mir wahrscheinlich zur Tischdame offeriren'wird." ' »Hören Sie, Jemilian" — er stockte und - gerirth dann ordentlich in Feuer, »führen Sie mich dort ein." . »Äär' auch eine Uederraschung.' Sie kämen don wirklich gelegen! Pardon, wie die Sau ins Judenhaus." ' »Sapperment, wieso?" ' - Jemilian faßte nach dem aus dem tiefen Ausschnitt seiner Weste hervorlugenden kleinen seidenen Foulard, reinigtk damit sorgfältig die Gläser seiner Lorgnette uüd blickte dem Russen dann mit so verschärfter, wahrhaft durchbohrender Ueberleqmhrit ins-Gesicht. »Lieber Grudonoff, Sie scheinen sich von der Beliebtheit, welcher Sie. und noch. mehr-Ihr hochvettnögmder Herr Vater, der tsebatney prirtav, in diesen speziell jüdischen Krnsfn sich erfreuen,, doch sehr stark unrichtige Vorstellungen 'zu machen. .Ich kann Eie auf Grund jahrelanger Beobachtungen ehrenwörtlich versichern, daß Ihr» Popularität höchstens von der ersoffenen Majöstät.deS alte» Pharao oder von dkrjeuigen Minister Hanums gehenkten Angedenkens noch übertroffen wird."' . »Der Teafel verstehe Ihre Flausen. Haman, was ist da» Kr. ei» Serl?.^ ... .Tschatney pristaw tmb Vorsteher des heiligen Synod am Hofe Achaschweirpsch, des Schah von Persien. Er hatte von dem Onkel der Sultauin Atossa, dem alten Juden Mardochai, einmal zu Unrecht ein Pdar Rubelchen-erpreßt, dafür bekamen dann die Kinder gstrael die Erlaubniß, ihn aufzuhängen, ihn, sei« Frau, seine Söhne . ' , »Donnerwetter, jfcjf hören Sie auf. Verwünscht, sie gehen schon",' ör meiote Claudia und Benno, welche eben den Saal verließen, — .lassen Sie mich au's Fenster, einen Moment." Er schwang sich auf die Brüstung und bog sich hinaus, so weit er konnte. ' »Richtig, da fahren sie vorüber.' He Alexandroff, sie bat nach hier gesehen." . »Sie werde« noch aus dem Fenster fallen." Groduqoff stieg zurück, schloß das Fenster pnd fragte trotzig: »Wollen Sie «ich da ««führen?" »Rei^ ich will «cht!"' »tzsia Ur uw (nichtt-,.so nicht!). Spielen wir." Er ließ sich über in wenig^ßstgen matt setzen, staub auf, nickte'kurz: .Die Revanche ein andermal." Dann riß er seine Mütze vom Nagel und lies davon. .Dummer Kerl", dachtt Jemilian, bestellte einen zweiten Punsch und hatte bald über einer Riesenzeitung dm Vorfall vergessm. Er hatte keine Ahnung, daß der kleine Aerger, dm er dem Russen bereitet, eine große Anzahl völlig unschuldiger Personm sehr empfindlich würde büßen müssm. Aber selbst wmn Jemilian auch all die Verdrießlichkeiten, die nun über eine bedeutmde Mmge ihm wohlbekannter Mmschm hereinbrechm solltm, vorhergesehcn hätte, er würde auch nicht mit einer Wimper gezuckt haben, sie abzuwehren. Dmn im Grunde, was gingm ihn andere Lmte an? Er lebte nur für sich allein. Vienes Kapitel. Ein gestörtes Fest. Wohin soll ich vor Deinem Antlitz fliehn? Armer Bmno! Sie hatkm ihn rücksichtslos vertrieben - aus dem Musiksaal; dmn da lag der Parketbohner auf dm Kniem und glättete noch ein letztes Mal die längst spiegelblanke Fläche; aus dem Speisesaal, hier stand Helsia, aqgethan wie eine Königin und gab mit weithinschalleNder Stimme noch in letzter Stunde die wichtigsten Anordnungen . . . Selbst das buou retiro des Hausherrn, Salmons Rauch- und Arbettszimmer, war drm Rckumteusel verfalkm; kurz da und dott, und dott und da,, überall in allm Räumen und Winkeln des Hause» war man Hals über Kops noch mit dm Vorbereitungen zum Empfang der Gäste beschäftigt. , Tie Hausfrau, die in ihrmi maisfarbigen Seidenlleide, einm goldnm Kamm in d-nn üppigtti, blondm Haar, wie ein fleischgewordmer Sonnmsttahl durch alle Zimmer strich, bemerkte zu Bmno spöttisch, wenn er etwa Claudia ermatte, wären seine'Hoffnungen bedmtmd verfrüht. Sie sei von der interessanten, von ihm so dringlichst vtrynstaltetm, topographischm Exmyion totmüde heimgekehtt und wie ein Kind vor Schlaf beinahe umgesallen. In zwei bis drei Stündm, keinesfalls früher, würde sic — vielleicht —■ sichtbar sein. Warum er Fräulein von Moorbach nicht auch hinaus in die Chaffidimhäuser geschleppt? oder in die Wuttkischenken vor dm Thorm, allwo sie doch auch manches Anregende, und Volkpnd.Sittenkunde an Ott und Stelle hätte studirm könnm. Ob die Herrschaften nicht morgen die Verbrecherkolonim besichtigen würdm? Benno müsse der Frcmdm unbedingt alle Annehmlichkeit seiner an sehmswcsthm Einrichtungen so reichm Vaterstadt weisen. Gegen Frau -Helsia'S Lästerzünglein war Stand haltm schwer. . Bmno machte sich schnell aus dem Staube und erwischte glücklich einen kleinm, durch hohe Oleander und weitverzweigte.

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