Mannheim
Compact Memory

Jüdisches Familienblatt · 1894-01-01 · 12 (1894) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1894
Issue
12 (1894)
Date
1894-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
90% known words query
IRI
…/6492351-8722849-5962381--2373-5376576
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

HerauSgegevcn von Nr. M. Nutz«« in Magdeburg- Aur Unterhaltung «nd Belehrung für die israelitische Familie. Da« ..ISdlkchr jratnHifn-»X*ü" erscheint wöchentlich ol* »vnlto - »ellnge zur ,.»-o?rlttlschru MochrufchvtN' Mt*w ontffngtt »uchdmu» «u» diesem »ürtfe ig ua&tfaqi. — Die Einzelnummer kostet 10 Pf» bei der Srvedstron. Red Mordechai Hama«. «tu Pnrisndil». Bon Slashan Kamu«ly. (Schluß.) Ll» Jvseph einmal dem Bater seinen inuero Trieb mittheilte, entlud dieser über ihn ein« Fluth von Schmähungen lock Lest ih« feit dieser Zeit seinen Uamuth um so empfindlicher fühlen. E« kam so weit, daß der Sohn einmal seinem Letter di« Warte zurief: „Das Han» ist mir hier verleidet, mich drückt'« hier, ich werde in die weite Welt gehen!' „Kan*, schäumte der dadurch noch mehr gereizte Bater auf, „fr geh »ur, rvuhin dich alle Teufel tragen!" Da» ließ sich der Zimge, der, wie erwähnt, unteroehmenten Leiste« war, nicht zweimal sag« und rin« Stunde benutzend, in welcher die Etter» außer dem Hause waren, verschwand er mit eurem Sparpsennig, de» er in Bereitschaft hatte, ohne fich wieder blicken zu lassest. „Der Scheigez, der Hultai" wetterte damals der bi« in die Seele verwundete Reb Mordechai. „Todt ist er für mich ' — ich will von ihm nicht« mehr wissen." — ,Wa« weinst d« da" schrie er seine -Frau au, die um den verschwundenen Sohn weinte, „gerade wie eine Luh um da« verlorene Ikalb I" Und um da« verlöre»« Salb zu finden, rannte Reb Mordechai wie besessen von Stadt zu Stadt, »nd um da«, selbe grämte fich sein Herz so sehr, daß er in eine hächst gefährliche'Typhu«krankheit oerfiel Damal« aber zeigte e« fich am glänzeudsten, wa« Reb Mordechai der Stadt galt. Tag und Rächt war sein Hau« von Theilnehmern belagert. In allen Synagvg.m sendete »au für ihn die heißesten Gebete zu Gott empor. Die Armen, Wittwen und Waisen geberdeten fich wie verzweifelt in den »affen, denn er war ihr Helfer, Retter »nd väterlicher Beschützer. Ueberall wußte man nur Lute« von ihm zu erzählen, »«genommen etwa Reb Elt Slau«ner» der von ihm, mitten in der grüßten Lesahr seiner Krankheit, ei» giftige« Würtchen zu hören bekam. Al« er nämlich mit Reb Mordechai aus sein Lertanzen da« Todtenaebrt» die Widdni, verrichtete und er ih« ermahnte, ihm nochmal» eine Stelle im Lebet laut uachzusagen, weil da« leise Mnrmeln z» nicht» nütz«, erwiderte ihm Reb Mordechai, der durch diese rücksichtlos« Ermahnung dir Pfefferkraft seiner Zunge wieder erlangte: „Rnu, wenn'» Ihnen nicht gefällt, wie ich'« mache, gehen Sie nach Hans« «nd machen Sie'« beffer l" Aber auch Reb Eli fühnie fich mit ihm au«, den» al« Reb Mordechai wieder da« Krankenlager verließ, bedachte er alle Anne« mtt Almosen und ihn mit eine« besonder« reichen hnegeld... Um jene Zeit erhielt Reb Mordechai ei« Schreiben von au» Amerika, in »elchr« er ih» »nt «nd ihm »«ilrich usittheilte, daß er in Amerika in ein große« Srschäst ringetreten sei; er werde brav sein und ihm noch recht viele Freude» verursacheu .... „Der Scheigez, der tzultai, ich will von ihm nichtmehr wissen l" braust« der unversöhnlich« Bater uack dem Lesen diese« Briefe« auf und spendete zugleich, beglückt von dieser Nachricht, eine hohe Summe für Arme, während er seiner Frau einige hundert Lulden hinwarf mit den Worten: „Schick fie ihm hin, dein Salb muß ja in Amerika auch grasen — d:r Scheigez, der tzultai — nicht» wisse« will ich von ihm!" „Der Scheigez, der Hultai" jedoch, von dem er nicht» wissen wollte, brachte ihn in Verzweiflung, wenn ein Brief einmal über die gewohnte Zeit auSblieb, und versetzte ihn in fast wahnfinnige Freude, wenn er etwa» Erfreuliche« von sich mit ^ilte . . . Au» Lonsequenz jedoch wollte er ihm nicht schreiben — damit fich aber der Sohn nicht über da« Befinde» de» Later« beunruhige und von ihm doch hin und wieder eia Lebenszeichen zu Leficht bekomme, fand er einen Ausweg und schrieb an ihn von Zeit zu Zeit mit eigener Hand im Slawen seiner Frau. So in der Eigenschaft al» Mutter durfte e« ihm nicht verwehrt sein, alle Zärtlichkeit, di« er für sein Sind empfand, zum Ausdruck zu bringen; er versäumte jedoch nie, am Schluffe, ebenfall» im Namen der Mnltrr, hiazuzufüge»: „Der Later sagt, du seist ein Scheigez, ein Hultai, er wolle von dir nicht« wissen!" Wie eine Tonleiter, di« vom höchsten Tone zum niedrigsten übergeht, verloren die letzten Worte nach und nach ihre Schärfe, milderte» stufe sänftigten fich immer mehr, so daß ihm später bei diesen Worten, dt« er fort und so« im Dt»»de führte, die Augen in gar unsäglicher Baterfrende leuchteten. Heute gar, al« er jene» an der Spitz« dieser Erzählung «itgetheilten Brief vou seinem Sohne au» Amerika erhalten hatte, rannte er i« toller Freud« von Einem zum Ander», Jedem deu Brief »orlesevd und wohl hundert mal rief er schon heute immer au«gelaffener: „Run, wa« sagt usan zu ihm? Nach Amerika soll ich mit «einer Frau zu ihm ziehe», al» ob e» ei« Satzeosprung tväre, und übrigen» ist er ja ein Scheigiz ein Hultai, von dem ich nicht» wiffe» will!" Aber der Rabbiner, die RablinatSaffefforen und alle Armen der Stadt, die heute mit jeden Augenblick mit heiterem Lärm seine Wohnung stürmten, wußten ja von ihm, dem Scheigez, dem H«ltai, denn wie heute streute er noch nie die reichen Laben unter ihne« au» . . . ' Wer diesen Abend, während de» PurimsnahleS zu ihm in'» Hau» getreten toärr, hätte fich erst deu rechten Begriff von jüdischer Familieofreude macheu könnet. Unzählige Lichter blitzen an» silbernen Kronleuchtern, so dair hier alle Räuuse von eine« Lichtmeere überfluthet wareu. Mir..» in dem große» Lewa che stand der weitauvgeschobene Tisch, der unter der Last der viele« lecker« Speisen «nd feurigen Le-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.