Jüdisches Familienblatt
- Journal
- Jüdisches Familienblatt
- Volume
- 1894
- Issue
- 11 (1894)
- Date
- 1894-01-01
- Page
- Seite 44 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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~rrri — .44 — Frida. Liebst da deinen Herrn? Bob (macht «hu fönte Mieue> Pah! Frida. Würdest Du «ir einen großen Liebesdienst erweisen 9 Bob. Ich gehe für Mamsellchen in die Hülle. Frida (bei Seit«). Dorthin kommst da schon so wie so (ütat) Du bist der Vertraute Deines Herrn? Bob (»it 6t»4): Dir find wie zwei Finger. Frida. Du kenust seiue Geheimnisse? Bob. Wie ich mein Bermsgen kenne, («in Papier hervorziehend und «< fest in. der Hand hastend). Hier ist der Beweis. Frida. Sieb mir diese- Papier» willst Du Seid dafür hoben? Bob. Geld habe ich genug (ans dir Lasche teigend,) wollte za Mamsellchen geben! , Frida. So willst Du durchaus einen Ruß?(einschmeichelnd) du bist eiu edler, uneigeuuütziger Mensch, garmcht, wie dein Herr, ich habe dich verkannt. Also einen Suß? ■ willst Du alles thun, war ich vou Dir verlauge? Schwüre mir! Bob. So wahr ich Bob heiß! Frida. So zeige mir da« Papier. Bob. Bob heißt zwar nicht Dr. Schlägel, aber so dumm ist Bob nicht. Frida. Hier hast du meine Hand darauf, laß wich das Papier lesen, und wen» ich es darin so finde, wie dn sagst, und du hilfst mir, deinem Herrn einen Schabernack spielen, sollst du den Kuß haben. Bob. Laon ich Ihnen trauen, Mamsellchen? Ihre» Lugen traue ich. Tut! Frida. (Nachdem sie da» Papier genau dnrchgeiesen). Du verdienst den Kuß, aber warte, versprich mir alles 'pünktlich auszuführ«», wa» dir dein Herr befohlen und was drin steht, dafür will ich dir versprechen, wenn du da» alle« genau befolgst. Dir zuletzt »och einen heißen Nuß zu geben. Gut»-so löse ich jetzt zuerst mein Wort ein. Bob. (um«»» Frida). Mamsellchen! S e l « a (die im leytea SugenbUcke unbemerkt heraugetrereu). Ha. ha. dal Frida! Was soll da»? Frida. Lache» Sie nur! Dieser Kuß entscheidet vielleicht über Ihr Schicksal! (Der ««hang fast.) «»de de» IH. «kte».*) Red Mordechai Hama«. . (Ha Pnriinttld. Bon Naiha» Samuely. - .Theurer, vielgeliebter Later! Was ich dir schon fa oft geschrieben» wiederhole ich dir. auch heut«, daß es mir nämlich iu der neuen Welt wohlergeht, daß ich es hier za einem nicht unbedeutenden Bermügen gebracht. — Und was für ein herzliebes Weibchen ich hier gefunden) . Ach, wenn du.fi« nur sehen könntest, du würdest selber sägen, daß mau iu die «eite Welt gehen muß, um so ein Juwel zu finden. Die Photographie vou uns beide» schließe ich dem Briefe hier bei. Ach, lieber Barer, wenn du erst da» Original von meiner Esterka sehen würdest? Wolltest du, lieber Väter, zu uns mit der lieben Mutter nach Amerika ziehen, wahrhaftig, du würdest e» nicht bereuen. Es hofft dich und "die liffe Mutter bald zu umarmen Eurer Euch ewigliebeuder Sohn - Joseph Maudelberg-* Früh morgens an einem Purim war e», als-der Briefträger diesen Brief, der die Marke' der Bereinigten Staaten au stch trug, Reb Mordechai Maodelberg überreichte. Dieser wandt« uud drehte den Brief einigemal behaglich in der Häud herum, üffnetr ihn, las uud ln» iha wieder, »ährend sein ganze« Gesicht freudenvoll, strahlte, abwechselud. schaut« .er' in die Photographien, di» er sich ganz «che vor AvW« führt«, *, 3k mr. at 6», 1 M; als wollte er dieselben in seinen Augen wiederspiegelu lasse»' und brach endlich iu einen wahren Jubelr'of au«. .Ein Einfall da»! Vach Amerika soll'ich mit meiner Frau zu ihm ziehen, als ob es uur.so ein Katzensprung, wäre ... Ist da»'aber rin dralles Weiber!.' unterbrach er sich, die Photographie sied nochmals förmlich in die Auge« legend . .Recht hat er schon — nur i« di« »eite Welt mufcmau gehen, so was zu finden. — Er bleibt aber trotzdem rin-Scheigez, ein Hultai*), von dem ich nicht« wissen will s'. Nicht» konnte mehr kontrastiren, al» der Ausdruck seiue» freudestrahlenden Gesichte« mit den letzten Scheltworten. Djese find ihm so zur Gewohnheit geworden, daß da» unbändigste Baterglück sich , in ihnen äußern mußte.-Aber es gab auch eine Zeit, da. er dieselben World mit wilder, überschäumend«» Wuth gegen seinen. Sohn ausgestoßru halte, und da» war an dem Tage, an welchem dieser Sohn, der sein jüngster and auch geltebtester war, au» dem elterlichen -Hause nach Ame» rika geflohen .... Nicht zu leugnen ist es aber, daß Reb Mordechai durch seine böse Zunge selber dazu beigetrag« hat/ daß sein Sahst sich ap» seinem Hause flüchtete. — Seine böse Zunge war es auch, die ihm da« nicht sehr schmeichelhaft« Prähikat .Hama»*- eingebracht-hatte. Selten jedoch gab'es einen Menschen, der so wenig einen.solchen Namen verdient hatte, 'als er. Res Mordechai war der edelste Mensch der Welt. Galt es ein« . Lollectc für Arme, dann war seiue Spende die grüßte, ha»» bettees stch darum, Jemandem eine Gefälligkeit zu. erweis«, daun war ihm zu diesem Zwecke' kein Beitrag zu hoch und keine Mühe zu schwer. Er war der Vater der Waisen, der Beschützer der Wittweu, -uud alle Armen der Stadt fand« immer seine Thür offen. Allein, dieselben, die seine Wohl» ' thateu in so reichem Maße genossen, bespritzte er mit der Galle seiner- Zuuge. Während seiue Hände spendeten, schäumte sein Mund von allerhand 'Schimpfworteu Über. Auch die .würdigen Gemeindemitglieder blieben von ihm nicht -verschont, uud es gab keiiieu Einzige» unter ihnen, den er nicht mit eiuenl charakteristischen Spitznamen versorgt' hätte. Zn« Lohne dafür beschenkte» auch st« ihu mit de« Prädikate „Haman", da»-ihm auch - seither'geblieben ist. Was hatte, nicht der Arme durch diesen'Nam« zu leiden! Ging er auf der Gaffe, daun öffnete stch irgend wo in einem zweiten S.tock -ei» Fenster und eiug. lustige Kinderfiimme schrie -laut herunter .Hamau'l — Sr blickt neugierig hinauf und hinter seiue» Rücken zwitschert es schon wieder »Haman'.- Wie von Furien getrieben, läuft'er. weiter. Und hinter einem Thore,- w» ei« Dutzend Gassenbuben sich versteckt hielt, wettert es in einer ganzeil Menagerie van Tönen: ,Lamau! Hämaul H«.' mau I" Mehr uoch al» an alle» Tage» de» Jahres gäb ih» sei» Name am Purim zu leiden, den» ha wiederholten alle Synagoge» mir von dem einziges» Rüfe: ,Meb Mordechai Hamau l" / Natürlich köuuten.'diese Aufteizungsmittel durchaus nicht ' dazu bettragen, sein Wesen sanfter und milder zu -stimme». Zwar vermochten sie nicht seine Freigebigkeit eiozuschränke», denn seine Hände standen immer »ater dem Einflüsse. seinM^ Herzen», das gut und edel war, wir kaum je eines; aber fie vergiftet« um so eher seine Zunge, »die j^t'aqf alle Wett schimpfte. Am meisten ließ er sein« Groll an seinem jüngst« Loh« . Joseph ans. Dieser war von Statur eia geweckter und resoluter Junge,. der, kaum herangewachs«, i» stch d« Drang fühlte, in der großen Welt stch als G«schäft»«aun anszn» - bilde». Die ewige Gereiztheit des Vaters steigerte in ttzn nur di« Sehnsucht, da» elterliche Haus zu verlassen: (Sarts. s»lgt^ *) Et» krichtfimNiekr, eia yuaezogeaer, ... lveniOÜg«»». I« «edlchtr Lutx/ (vor Nr.) St muß es Zale L uud 4 heißen: Dtt di ch... bewahrt«