Jüdisches Familienblatt
- Journal
- Jüdisches Familienblatt
- Volume
- 1894
- Issue
- 6 (1894)
- Date
- 1894-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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1894 Jüdisches HerauSgegeben von vr. «. in Rlagdeburg. Zur Unterhaltung und Belehrung für die israelitische Familie .«IH V miiL DaS „Oüdifchr Wamillru-Vlatt" erscheint wöchentlich' alS Vvatto-Veilnvr zur „Ooonelttifchen Mochenfchvtfl" Order unbefugte Machdvuch «u» diesem Vluttr ist unterfugt. — Die Einzelnummer kostet 10 Pf«, bei der Erveditton. Die moderne Krankheit. Lustspiel in vierAkten. — Von S.N. Margulie 8.*) Personen: Peter Besenstiel, ein reicher Schuhmacher. Susanne, dessen Frau. Selma, deren Tochter. Iosestne, «Schm j im Hause Frieda, «ammennLdchen > Besenpan». Bedienter | stiel» vr. o. Schlägel, Redakteur. Pastor Struw« vr. vesiaurr, Arzt. Arnold Bürstenbinder, Bolköschullehrer. Melchior, Architekt. Sob, Gehilfe in der Redaktion. Samuel, Trödler, eia ehrwürdiger 9m». Schuster gesellen, Träger, Strolche, Polizisten, Bürger u. s. w. Da» StAd spielt im Hause Besenstiel» und Dr. Dessauer'». i. «wt Erster Auftritt. Lin «ehr prunk hast, al» geschmackvoll el »gerichtete« Zimmer mit einer 9la»thür, nach dem Garten sübrend?) Susanne (in Morgentoilette). Wie ist da« Leben, mag eS Wohlstand und Comsort noch so sehr umgeben, so fad, so entsetzlich langweilig, wenn das Herz unbefriedigt bleibt! Meine Freundin in ihrem kleinen Nest hat gut reden, wenn sie wieder und immer wieder versichert, (liest in einem Briefe) wie glücklich sie sich fühlt, trotz der beschränkten Berhältniffe, in denen sie lebt. War Wunder, da weist sie eben zu erzählen, daß ihr Mann Stadtverordneter geworden, also doch ein Mann von Rang und Ansehen, und sie heißt wohl jetzt: Frau Stadtverordnetin. Aber ich, aber ich — ewig die Frau Schuhmacherin Besenstiel. Wie hübsch dar klingt! (blättert in in den Modejournalen ) Da wimmelt er von neuen, reizenden Toiletten und die Badesaison hat ihren Anfang genommen und lockt alle», was reich und nobel ist, hinaus in die reizenden Kurorte. ES soll ja gar schön und herrlich sein, so ein Badeaufenthalt mit all' den geputzten Damen und Herren, die da herumpromeniren, und ich habe schon oft gedacht, ob solch eine Abwechselung meinen erschlafften Nerven nicht auch wohlthun würde. Aber nein, und abermal« nein! Da» wäre kein Lergnügen, sich neben Frau Räthin so und so und Frau Inspektorin so und so als Frau SchusterSgattin Besenstiel in die Eorliste eintragrn zu müffen. Besenstiel und Schustergatttn» da« ist zum Entzücken, ha, ha! Da laS ich doch einmal von einem HanS Sachs, der war auch von unser« Metier, aber der wußte sich alS vrrfaffer von niedlichen Berten einen Name» zu machen und führte einen — menschlichen Namen *) All« Recht« — auch b*r Uebersetzung und der Ausführung Vorbehalten. (Weint) O, warum ist mein Mann nicht wenigsten« auch ein HanS Sach«! . . . Zweiter Auftritt. Susanne. Selma- Selma <mit einem Blumenstrauß in der Hand.) Guten Morgen, liebe Mama ^küßt sie.) Ach» w>e bist Diz. wieder so still und verdrießlich. Das kommt davon, da« Du immer im Zimmer hockst. O, komm doch nur in den Garten, in die herrlichen Anlagen hinaus. Wie blüht und duftet alles da so schön und was stimmen die Bügel, die in den Zweigen geschäftig hrrnmhüpfen, für entzückende Melodien anl Mir kommt es vor, als ob sie jeden Morgen neue und schönere Lieder singen, obwohl e« doch immer dieselben schlichten Weisen sind, die sie der liebe Herrgott gelehrt hat. Ja, komme nur Mamachen, nimm Dir eine Arbeit, oder Deinen französischen Roman und setz' Dich auf die weich« MooSbanf mit dem Ausblick in'S schöne Thal, daS von vielen geschwätzigen Bächlein durchschlängelt wird, auf die duftige MooSbank, die, die, ja die Arnold ... ich meine — Herr Bürstenbinder so kunstvoll hergerichtet hat. Susanne. Wie nur Deine Wangen glühen, liebe» Kind, und wie Du so schön Deine Worte setzst und da« Einfachste so poetisch darzustellen weißt! Und mir kommt es vor, daß heute Dein Gemüth noch poettscher al» sonst gestimmt ist. WaS ist Dir nur, meine Selma? und weshalb hast Du ftüher in Deiner Red« plötzlich gestockt? Selma: Ach, nichts, lieb« Mutter. Susanne: Ach, nicht», pflegte immer eine Schulfreundin von mir, eine reizende, muntere Person, zu sagen, wenn sie grade viele Heimlichkeiten auszuplaudern hatte. Gestehe nur Selma» Du hast etwas auf dem Herzen. Selma: Nun denn ja, e» muß heraus, gute, holde Mutter. Ich liebe ihn, liebe ihn so ganz vom Herzen, und fühle mich durch diese Liebe so glücklich und doch wieder so beklommen und ich weiß gar nicht, wie ich daS alles waS sich da (mit der Hand auf die Brust deutend) regt und bewegt, wiedergeben sol. Und er ist doch auch so gut und so lieb mit diesem strahlenden Blick und diesem treuen, offenherzigen Gesicht; er ist. . . Susanne: Und aus all den vielen Worten, aus den. Er's und Ihn'« soll man sich einen Namen zusammensetzen? Ist da» vielleicht eine der neusten Lharaden. . . Selma: Gewiß will ich Dir den Namen nennen, einzig geliebte Mutter; Du ließest mich nur nicht vollenden E« ist. . . Susanne: Närrchen, al« ob ich es nicht längst er» rathen; e» ist der Erbauer der MooSbank. Selma: Ja, er ist'« und kein Anderer. Und bis gestern wußte ich gar nicht, wie gut auch er mir ist, trotzdem er oft zu un» kommt, fett er und fein Freund, der Dr Dessauer, in Papa'S neuem Haufe die Wohnung gemiethe^.